Vatikan

21. Dezember 2017 15:46; Akt: 21.12.2017 18:01 Print

Papst kritisiert «Verräter» in der römischen Kurie

An der päpstlichen Weihnachtsansprache hat das Oberhaupt der katholischen Kirche zu einem Rundumschlag angesetzt.

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Papst Franziskus hat «Verräter» in der römischen Kurie kritisiert und «Ehrgeiz und Ruhmessucht» unter den Mitarbeitern angeprangert. In seiner traditionellen Weihnachtsansprache an die Leitungsebene der katholischen Kirche beschwerte sich der Pontifex auch über ehemalige Mitarbeiter, die sich als «Märtyrer» darstellten statt ihre Schuld einzuräumen.

Über sein mühsames Reformvorhaben sagte er am Donnerstag im Vatikan vor Kardinälen, Bischöfen und Priestern: «In Rom Reformen zu machen, ist wie die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen.»

Es sei sehr wichtig, eine «unausgeglichene und degenerierte Logik der Komplotte und der kleinen Gruppen» zu überwinden, «die in Wirklichkeit ein Krebsgeschwür darstellen, das zur Selbstbezogenheit führt», sagte der 81 Jahre alte Papst. Die Mitarbeiter der Kurie müssten als «Sendeantennen» funktionieren, um «treu den Willen des Papstes und der Vorgesetzten» zu verbreiten.

«Erlaubt mir, ein paar Worte über eine andere Gefahr zu sagen. Die der Verräter des Vertrauens oder der Ausnützer der Mütterlichkeit der Kirche», sagte das Katholiken-Oberhaupt.

Er nannte «Personen, die sorgfältig ausgewählt werden, um der Reform grössere Kraft zu geben, aber die Grösse ihrer Verantwortung nicht verstehen und sich von Ehrgeiz und Ruhmessucht korrumpieren lassen». «Und wenn sie sanft aus ihrem Amt entfernt werden, erklären sie sich zu Märtyrern des Systems, des »schlecht informierten Papstes« und einer »alten Garde«, anstatt »mea culpa« zu sagen.»

Immer wieder harsche Kritik

Franziskus hatte bereits in den Vorjahren die Ansprachen vor der Kurie zu harscher Kritik an den Verwaltungsorganen genutzt. 2014 zum Beispiel diagnostizierte der Argentinier der Kurie 15 Krankheiten, darunter «spirituellen Alzheimer», Grössenwahn, Scheinheiligkeit und Geschwätzigkeit. Franziskus predigt immer wieder eine «arme Kirche für die Armen» und prangert Verschwendungssucht an.

Seine Ansprache in diesem Jahr fokussierte sich eigentlich auf die Wichtigkeit der diplomatischen Beziehungen des Vatikans und das Verhältnis zu anderen Religionen. Doch wurde das durch die Kurienkritik einigermassen übertönt.

Lautstarke Gegner

Inner- und ausserhalb des Vatikans verschaffen sich immer wieder Gegner von Franziskus' Reformkurs lautstark Gehör. Vier Kardinäle, hatten in einem offenen Brief Aufklärung vom Papst über dessen Familienschreiben «Amoris Laetitia» gefordert, in dem der Papst den Weg öffnet, wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zuzulassen.

Zudem gründete sich ein weltweites Netzwerk, das den Papst der Häresie beschuldigt. Weiter wird beklagt, dass es mit der Reform der Kurie nicht schnell und organisiert genug vorangeht - und das obwohl Franziskus im kommenden März fünf Jahre im Amt ist.

(fur/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • medea am 21.12.2017 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    graue Emminenz

    endlich mal ein Papst, der die graue Eminenz in die Schranken weisst. Hoffentlich kann er noch viel bewirken. Gott segne ihn

  • Perikles am 21.12.2017 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutiger Papst

    Wow! Vor diesem Papst ziehe ich meinen Hut! Ein ehrlicher mutiger Mann der anpackt was schon so lange nötig ist! Ich bin zwar nicht religiös, aber was der macht finde ich mutig und stark!

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  • M.N.Z. am 21.12.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    maxwell

    Jetzt sind seine Tage vermutlich gezählt, denn die graue Eminenz lässt sich nicht gerne in die Schranken weisen. Der Papst soll auf seine Speisen und Getränke acht geben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marianne broennimann am 17.01.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kirche endlich voran

    Zölibat gehört längst abgeschafft und ein Schöpfungswürdiges Leben erlaubt,

  • Marc Belliard am 30.12.2017 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Luftschläge statt Hilfe für Verfolgte!

    Drehen um die eigene kirchliche Achse! Das kath. Oberhaupt soll mal seine Macht wirkungsvoll zugunsten der verfolgten KOPTEN in Ägypten einsetzen, nicht wahr?

  • Blenni am 28.12.2017 02:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegner in eigenen Reihen

    Da ist ja richtig Druck im Kessel! Schade, daß dieser geniale Papst die gefährlichsten Gegner in den eigenen Reihen hat.

  • Dismas am 26.12.2017 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Gottes Gebote ändern sich nicht

    @H. Leu Es spielt keine Rolle in welchem Jahr wir leben, die Ehe bleibt nach göttlichem Recht auch im Jahr 2050 unauflöslich, sofern sie gültig geschlossen wurde. Gott bleibt nun mal derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit. Da die Ehe nicht von Menschen erfunden wurde, sondern in Gottes Augen ein heiliger Bund sein soll, ändert sich auch am Gebot Gottes nichts, unabhängig davon in welchem Jahr wir leben.

  • Sana Rana am 25.12.2017 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Papst Franziskus

    Ich liebe diesen aufrichtigen, genialen Papst!! Er ist ein tolles Vorbild, nahe beiden Notleidenden und kämpft gegen Korruption.

    • Critical am 28.12.2017 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sana Rana

      Jedenfalls versucht er, den Anschein zu machen... und einige glauben ihm...

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