Vatikan

06. Februar 2015 08:52; Akt: 06.02.2015 13:51 Print

Papst billigt Schläge gegen Kinder

Seine Kinder zu schlagen ist aus Sicht des Papstes in Ordnung – solange dabei deren Würde geachtet werde. Das erklärte Franziskus an seiner wöchentlichen Generalaudienz.

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Papst Franziskus hält ein Baby. Kinder zu züchtigen, hält er für unproblematisch. (Bild: Keystone/AP)

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Die Generalaudienz des Papstes widmete sich in dieser Woche der Rolle der Väter in der Familie. Dabei offenbarte Papst Franziskus ein Verständnis von Erziehung, das manchen Menschen etwas antiquiert vorkommen könnte: Ein kleiner Klaps sei für Kinder durchaus in Ordnung, so das Fazit der Audienz, über die «The Guardian» berichtet.

Ein Vater sollte vergeben können, ging das Kirchenoberhaupt ins Detail, aber auch «mit Bestimmtheit korrigieren». Das Kind solle dabei allerdings nicht entmutigt werden. Als Beispiel führte Franziskus einen Vater an, der sagte: «Manchmal muss ich meine Kinder ein bisschen schlagen, aber niemals ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen.»

Von diesem Erziehungsstil ist der Pontifex offenbar sehr angetan. «Wie schön», fügte er an. Der Vater wisse um die Bedeutung der Würde. Er müsse seine Kinder bestrafen, aber tue es gerecht.

«Wer hat sein Kind noch nie gezüchtigt?»

Der Vatikan hatte daraufhin Mühe, die Worte des Papstes ins rechte Licht zu rücken. Franziskus habe nicht über Gewalttaten oder Grausamkeiten gegen Kinder gesprochen, sondern darüber, jemandem «beim Wachsen und Reifen» zu helfen. In seiner Erklärung tritt Vatikan-Vertreter Thomas Rosica dann aber selber in ein Fettnäpfchen: «Wer hat sein Kind noch nie gezüchtigt oder ist als Heranwachsender nicht selbst von seinen Eltern gezüchtigt worden?»

Zudem verwies er auf Franziskus' Umgang mit Kindern. «Schauen Sie sich an, wie der Papst auf Kinder zugeht und lassen Sie die Bilder und Gesten für sich selbst sprechen.» Daraus irgendetwas anderes ableiten oder etwas verzerren zu wollen, enthülle ein grösseres Problem bei jenen, die offenbar einen Papst nicht verstanden hätten, der eine Revolution der Normalität eingeläutet habe, was einfache Sprache und Gesten anbelange, erklärteRosica.

Verbot der Prügelstrafe

Allerdings regte sich an der Haltung der katholischen Kirche zur Prügelstrafe erst im vergangenen Jahr harsche Kritik von Mitgliedern eines UN-Menschenrechtskomitees. Das Gremium hatte die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention unter die Lupe genommen. Hintergrund waren Berichte über weit verbreiteten körperlichen Missbrauch in katholisch geführten Schulen und Institutionen. Besonders in Irland habe das Problem «endemische Dimensionen» erreicht, hiess es.

In deren Abschlussbericht erinnerten Komiteemitglieder den Heiligen Stuhl daran, dass die Konvention ausdrücklich alle Unterzeichner dazu aufrufe, alle rechtlichen und pädagogischen Massnahmen zum Schutz von Kindern vor allen Formen von physischer und psychischer Gewalt zu ergreifen. Das gelte auch unter Obhut der Eltern.

Vor diesem Hintergrund wurde dem Heiligen Stuhl nahegelegt, nicht nur seine eigenen Gesetze zum Verbot der Prügelstrafe anzupassen, sondern Wege zu deren Umsetzung in katholischen Schulen und Einrichtungen in der ganzen Welt zu finden.

19 US-Staaten erlauben «Versohlen» junger Menschen

Der Vatikan argumentierte, dass er die Prügelstrafe in keiner Weise fördere. Doch habe man keine rechtliche Handhabe, ein entsprechendes Verbot in katholischen Kirchen durchzusetzen. Im Übrigen sei man nur dafür verantwortlich, die UN-Kinderrechtskonvention innerhalb des Vatikanstaats umzusetzen, hiess es.

In rund 39 Ländern ist die Prügelstrafe in jeglicher Form verboten, auch in Familien, wo es oft zu Übergriffen kommt. Zu diesen Staaten zählen Deutschland, Schweden, der Südsudan und Turkmenistan. In den USA können Eltern ihre Kinder laut Gesetz schlagen, solange die Gewaltanwendung sich in einem «vernünftigen» Rahmen bewege. In 19 US-Staaten ist dem Schulpersonal das «Versohlen» junger Menschen noch immer gestattet.

(mlr/sda)