Übergriffe in der Kirche

07. Juli 2014 13:21; Akt: 07.07.2014 14:13 Print

Papst empfängt erstmals Missbrauchsopfer

Die katholische Kirche wird seit Jahren durch Missbrauchsfälle erschüttert. Papst Franziskus hat nun zum ersten Mal gemeinsam mit Opfern sexueller Gewalt von Priestern gebetet.

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Papst Franziskus überschaut bei seinem Mittagsgebet am 6. Juli den Petersplatz. (Bild: Keystone/AP/Alessandra Tarantino)

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Papst Franziskus hat am Montag erstmals Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche empfangen. Die Gruppe aus sechs Personen aus Grossbritannien, Deutschland und Irland nahmen an der Morgenmesse teil, die der Papst im vatikanischen Gästehaus Santa Marta zelebrierte.

Die Kommission besteht zur Hälfte aus Männern und zur Hälfte aus Frauen. Zur Gruppe gehört auch die Irin Marie Collins, Mitglied einer Kommission zum Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, die der Papst im März eingesetzt hatte.

Die aus Dublin stammende Collins war in den 1960er-Jahren von einem katholischen Priester sexuell missbraucht worden und engagiert sich seit längerem für einen besseren Schutz von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche.

Null Toleranz für Täter

Das Treffen des derzeit amtierenden Papstes mit Missbrauchsopfern wurde von Opfervertretern seit langem gefordert. Franziskus hatte den Missbrauch an Kindern durch Geistliche mehrfach gebrandmarkt und «null Toleranz» für die Täter angekündigt.

Die katholische Kirche wird schon seit Jahren durch zahlreiche Missbrauchsfälle aus den vergangenen Jahrzehnten weltweit erschüttert. Hunderte Geistliche wurden ihrer Priesterämter enthoben.

848 Priester laisiert

Nach Angaben des Vatikans wurden den internen Ermittlern im vergangenen Jahrzehnt 3420 Verdachtsfälle gemeldet. Wie die katholische Zeitung «L'Avvenire», Sprachrohr der Italienischen Bischofskonferenz CEI, am Montag berichtete, hat der Vatikan zwischen 2004 und 2013 848 Priester wegen Kindermissbrauchs laisiert. Weitere 2572 Priester wurden mit weniger drastischen Massnahmen bestraft.

Die katholische Kirche war vom Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch an Heranwachsenden in zahlreichen Ländern massiv erschüttert worden. Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte am 14. April 2008 bei seinem Besuch in den USA als erster Papst Missbrauchsopfer getroffen. Mit weiteren Opfern traf Benedikt bei seinen Reisen nach Australien, Malta, Grossbritannien und Deutschland zusammen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tommy am 07.07.2014 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Null Toleranz?

    848 "laisiert" (also des Priesteramts enthoben) und 2572 wurden noch "weniger drastisch" bestraft?!? Und das soll die Null Toleranz zeigen? Kindsmissbrauch kann doch nicht nur intern bestraft werden! Wenn eine Firma nach zehntausenden Fällen von Kindsmissbrauch nur 800 Täter rauswerfen und 2500 weitere in irgendein Seminar schicken und ihr Gehalt kürzen würde o.ä. dann wäre das damit ja auch nicht gegessen! Da gehören mindestens einige Tausend Täter in den regulären Knast im Tatland, so wie jeder andere Kinderschänder auch! Alles darunter ist skandalös und ein Hohn für die Opfer!

  • Michele am 07.07.2014 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliche Organisation

    Wer sich mit dem Vatikan auskennt weiss was er von solchen Aktionen zu halten hat. Kein einziger Priester der Kinder missbraucht hat wurde je dafür vor Gericht belangt. Spätestens hier sollte jedem klar werden : Die Kirche hat noch immer zuviel Macht und ist eine gefährliche Organisation.

  • Sika am 07.07.2014 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Bin selbst Atheist, aber dieser Papst kann Grosses bewirken. Bravo! Endlich einer der seinen Verstand braucht und mit Herz handelt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sika am 07.07.2014 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Bin selbst Atheist, aber dieser Papst kann Grosses bewirken. Bravo! Endlich einer der seinen Verstand braucht und mit Herz handelt.

  • Michele am 07.07.2014 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliche Organisation

    Wer sich mit dem Vatikan auskennt weiss was er von solchen Aktionen zu halten hat. Kein einziger Priester der Kinder missbraucht hat wurde je dafür vor Gericht belangt. Spätestens hier sollte jedem klar werden : Die Kirche hat noch immer zuviel Macht und ist eine gefährliche Organisation.

  • Reto Borri am 07.07.2014 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    der Beste Papst!

    Für mich Persönlich ist er der Beste Papst den es je gab bzw. seit langem. Ich verstehe immer noch nicht wie er gewählt wurde so die kontroverse zu dem was die Kirche zuvor vertreten hat auch das er nicht längst umgebracht wurde. Es scheint doch noch Hoffnung für die Menschheit zugeben.

  • Katholisch am 07.07.2014 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Ich bin ein halbherziger Gläubiger, aber dieser Mann bewegt mich! Er ist ein wahrer Priester in einer verwirrten Zeit!

  • Tommy am 07.07.2014 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Null Toleranz?

    848 "laisiert" (also des Priesteramts enthoben) und 2572 wurden noch "weniger drastisch" bestraft?!? Und das soll die Null Toleranz zeigen? Kindsmissbrauch kann doch nicht nur intern bestraft werden! Wenn eine Firma nach zehntausenden Fällen von Kindsmissbrauch nur 800 Täter rauswerfen und 2500 weitere in irgendein Seminar schicken und ihr Gehalt kürzen würde o.ä. dann wäre das damit ja auch nicht gegessen! Da gehören mindestens einige Tausend Täter in den regulären Knast im Tatland, so wie jeder andere Kinderschänder auch! Alles darunter ist skandalös und ein Hohn für die Opfer!