Weihnachtsmesse in Rom

24. Dezember 2011 22:47; Akt: 25.12.2011 13:15 Print

Papst feiert im Petersdom

Papst Benedikt XVI. hat zu Beginn der Weihnachtstage die Messe im Petersdom gelesen und die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes beklagt. An der Geburtsstätte Jesu versammelten sich derweil rund 100 000 Menschen.

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Papst Benedikt XVI. hat mit Tausenden von Gläubigen am Heiligen Abend die Christmette im Petersdom gefeiert. In seiner Predigt vor der Menschenmenge in der festlich geschmückten Basilika rief Benedikt zur Abkehr von Gewalt und Materialismus auf.

«Heute ist Weihnachten zu einem Fest der Geschäfte geworden, deren greller Glanz das Geheimnis der Demut Gottes verdeckt». Er forderte die Gläubigen bei dieser Feier zur Geburt Jesu auf, hinter den glänzenden Fassaden unserer Zeit «die wahre Freude und das wirkliche Licht zu entdecken».

Starke Sicherheitsvorkehrungen während der Messe sollten einen Vorfall wie vor zwei Jahren verhindern, als eine verwirrte Frau sich kurz vor der traditionellen Weihnachtsmesse auf Benedikt stürzen und ihn zu Boden reissen konnte. Benedikt fuhr erneut, wie erstmals im Oktober, bequem auf einem rollenden Podest im Mittelgang zum Altar (s. Video unten).

Die Christmette war wie in den beiden Vorjahren früher als sonst angesetzt, um dem 84-jährigen Papst mehr Ruhe und Schlaf vor der Weihnachtsbotschaft und dem Segen «Urbi et Orbi» am Sonntag zu geben. Am Ende der Mette wirkte der Papst erschöpft, ein trockener Husten hatte zudem immer wieder seine Predigt unterbrochen.

Menschen sollten Friedensstifter sein

Alle Menschen sollten gemeinsam mit Gott Friedensstifter sein, so Benedikt zur Botschaft von der Geburt Jesu. Er bat Gott darum, «dass Treiberstöcke, die blutbefleckten Mäntel und die dröhnenden Stiefel verbrannt werden und dein Friede siegt in dieser unserer Welt.»

Der Papst forderte, vom hohen Ross des aufgeklärten Verstandes herunterzusteigen und die Fixierung auf das Materielle, das Messbare und Greifbare abzulegen: «Wir müssen unsere falschen Gewissheiten, unseren intellektuellen Stolz ablegen, der uns hindert, die Nähe Gottes zu suchen.»

Der niedrige Eingang der Geburtskirche Jesu in Bethlehem lehre: «Wir müssen uns herunterbeugen, sozusagen geistig zu Fuss gehen, um durch das Portal des Glaubens eintreten zu können».

Weihnachtskrippe und Friedenslicht

Auf dem Petersplatz verfolgten Gläubige und Touristen die von TV- Sendern in 60 Länder übertragene Messe bei kühl-feuchtem Wetter auf Videoleinwänden. Benedikt hatte zuvor die grosse Weihnachtskrippe neben dem Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz gesegnet und ein Friedenslicht im Fenster des Apostolischen Palastes angezündet.

Am ersten Weihnachtstag verkündet Benedikt von der Loggia des Petersdomes aus die traditionelle Weihnachtsbotschaft und erteilt Gläubigen in aller Welt den Segen «Urbi et Orbi».

Vor den auf dem Petersplatz versammelten Menschen verliest das katholische Kirchenoberhaupt ausserdem Weihnachtsgrüsse in zahlreichen Sprachen. Es ist der Höhepunkt der Weihnachtsfeiern in Rom. Erwartet werden auf dem Petersplatz in Rom Zehntausende Gläubige. Für Benedikt ist es das siebte Weihnachtsfest im Vatikan seit seiner Wahl zum Papst 2005.

Der Papst wird auf einer beweglichen Plattform in den Petersdom gerollt
(Video: Youtube/RT)

Zehntausende Pilger feiern Weihnachten im Heiligen Land

Zehntausende Pilger und Touristen haben sich am Samstag zum Auftakt der Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem eingefunden. Der 15 Meter hohe Weihnachtsbaum auf dem Krippenplatz strahlte am Abend im Lichterglanz, in der Stadt herrschte eine festliche Atmosphäre.

Höhepunkt war am Abend die Mitternachtsmesse in der Geburtskirche. Die Kirche steht an der Stelle, an der Jesus der Überlieferung zufolge vor rund 2000 Jahren zur Welt kam.

Die israelischen Streitkräfte gaben die Zahl der Besucher, darunter Ausländer und arabische Christen aus Israel, am späten Abend mit rund 100 000 an, deutlich mehr als die 70 000 im Vorjahr. Tausende Palästinenser aus dem Westjordanland kamen ebenfalls in die Stadt. Zusätzlich erlaubte Israel ausnahmsweise auch etwa 550 Christen aus dem Gazastreifen, nach Bethlehem zu reisen.

In den Strassen waren auch überraschend viele verschleierte Musliminnen mit ihren Familien unterwegs. «Wir mögen es, diesen Feiertag mit unseren christlichen Brüdern zu teilen», sagte die 46- jährige Amal Ajasch, die mit ihren drei ebenfalls verschleierten Töchtern zum Krippenplatz kam.

Patriarch betet für Versöhnung

Wie viele andere Pilger musste auch der höchste katholische Würdenträger des Heiligen Landes, der lateinische Patriarch von Jerusalem Fuad Twal, israelische Sicherheitskontrollen durchqueren, um nach Betlehem zu gelangen.

Er kam mittags in der traditionellen Prozession von Jerusalem aus an und feierte später die Mitternachtsmesse in der Geburtskirche. In seiner Predigt sprach er den Arabischen Frühling an und betete für Versöhnung in Syrien, Ägypten, dem Irak und Nordafrika.

«Wir erheben unsere Stimme zu Gott und rufen ihn in unserer Bedürftigkeit an. Wir bitten um Frieden und nichts als Frieden», sagte Twal am frühen Sonntagmorgen in der Katharinenkirche. Er ist der ranghöchste Vertreter des Vatikans im Heiligen Land.

Kritik an Umgang mit palästinensischem UNO-Antrag

Gleichzeitig kritisierte er die Reaktion des Nahost-Quartetts auf den UNO-Aufnahmeantrag der Palästinenser. «Die Palästinenser haben sich vor kurzem mit der Hoffnung an die Vereinten Nationen gewandt, eine Lösung des Konflikts zu finden, um mit ihren Nachbarn in Frieden und Sicherheit zu leben», sagte Twal.

«Sie sind aufgefordert worden, sich wieder auf einen gescheiterten Friedensprozess einzulassen. Dieser Prozess hat einen bitteren Beigeschmack gebrochener Versprechen und von Misstrauen hinterlassen.»

Unter den Gästen war auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der den Antrag auf UNO-Vollmitgliedschaft am 23. September in New York gestellt hatte. Die USA und andere westliche Länder lehnen eine UNO-Vollmitgliedschaft der Palästinenser ab, bevor sie keinen Friedensvertrag mit Israel ausgehandelt haben.

Der Bürgermeister von Betlehem äusserte die Hoffnung, dass das Weihnachtsfest ein Jahr einläute, das die Palästinenser näher an ihren eigenen Staat bringe. «Wir feiern dieses Weihnachten in der Hoffnung, dass wir in der nahen Zukunft unser Recht auf Selbstbestimmung erhalten», sagte Victor Batarseh. «Darum ist dieses Weihnachtsfest einzigartig.»

(sda/ap)