Vatikan

30. Januar 2015 14:58; Akt: 30.01.2015 16:08 Print

Papst verabschiedet Chef der Schweizergarde

Wird die Schweizergarde reformiert oder ganz abgeschafft? Die Amtsniederlegung ihres Chefs hat Spekulationen ausgelöst. Heute wurde dieser vom Papst verabschiedet.

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Papst Franziskus hat den Kommandanten der Schweizergarde, Daniel Rudolf Anrig, am Freitag zu einem Abschiedsbesuch empfangen. Anrig legt sein Amt am Samstag im Rahmen einer Abschiedszeremonie nieder. Wer die Nachfolge antreten wird, ist bisher unbekannt.

Wie die Päpstliche Schweizergarde am Freitag auf Anfrage sagte, wurde noch kein neuer Kommandant gewählt. Vizekommandant Christoph Graf wird ad interim die Führung des 110 Mann starken Armeekorps übernehmen.

Spekulationen über Abschaffung

Seit über 500 Jahren ist die Schweizergarde für den Schutz des Papstes zuständig. Dass ihr Kommandant ausgewechselt wird, hat Spekulationen ausgelöst: Will der Papst die Garde reformieren? Oder gleich ganz abschaffen?

In ihren pittoresken Uniformen zählen die Mitglieder der Schweizergarde vor den Toren des Vatikans und auf dem Petersplatz zu den beliebtesten Fotomotiven für Touristen. Die Garde ist im Vatikan eine Institution mit langer Tradition – dennoch fürchten Beobachter um ihre Zukunft. Denn seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren wirbelt Papst Franziskus in Rom viel durcheinander, nun gibt es auch bei der Schweizergarde erste Veränderungen.

Unfreiwilliger Abgang?

Journalisten spekulierten, der 42-jährige Anrig gehe nicht freiwillig. Franziskus wolle Veränderungen an der Spitze der Garde durchsetzen. Sogar von einem kompletten Aus für die Garde war die Rede – stattdessen wolle sich der Pontifex lieber auf die gut ausgebildeten Sicherheitskräfte des Vatikans verlassen.

Sogar der Papst äusserte sich anschliessend zu der Entscheidung, was den Gerüchten jedoch kein Ende setzte. Es sei ihm nur um eine gesunde und normale Erneuerung gegangen, sagte Franziskus der argentinischen Zeitung «La Nácion». Anrig sei eine «hervorragende Person, ein guter Katholik, mit einer hervorragenden Familie».

Trotz dieser Aussage scheinen weitere Veränderungen in den kommenden Monaten nicht ausgeschlossen – laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wünscht sich Franziskus jedenfalls eine weniger militärische und menschlichere Garde.

Unterschriftenaktion zum Erhalt der Garde

Ehemalige Gardisten starteten sogar eine Unterschriftenaktion, um den Papst zum Erhalt der Garde zu bewegen. Diese wurde jedoch kurze Zeit später auf Betreiben der Vereinigung der ehemaligen Gardisten wieder eingestellt.

Es gebe «keinerlei objektive Anhaltspunkte», dass der Papst die Garde abschaffen könne, heisst es in einer Mitteilung der Vereinigung. Man sei überzeugt, dass die Garde auch weiterhin «das uneingeschränkte Vertrauen und die Wertschätzung» des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche geniesse.

Vorwürfe gegen Anrig

Doch vor allem der scheidende Kommandant Anrig, der seit 2008 an der Spitze der Garde stand, war in die Schlagzeilen geraten. Ehemalige Gardisten warfen ihm in Schweizer Medien anonym vor, «jede Bodenhaftung» verloren zu haben, «arrogant und überheblich» gewesen zu sein.

Auch der Bau eines neuen grossen Apartments auf dem Gelände der Kaserne der Schweizergarde für Anrig und seine Familie sei beim Bescheidenheit predigenden Franziskus nicht gut angekommen. Nach Ansicht der Vereinigung der Ex-Gardisten eine «Rufmordkampagne».

Die Schweizergarde hat eine lange Tradition und legt viel Wert auf ihre Prinzipien. Wer Rekrut werden will, muss praktizierender Katholik, ledig, nicht älter als 30 und Schweizer Bürger sein.

Jedes Jahr werden im Mai in einer feierlichen Zeremonie neue Rekruten vereidigt, die schwören, dem Papst und seinen Nachfolgern «treu, redlich und ehrenhaft zu dienen». Wie die Prinzipien und die Zukunft der Garde unter Papst Franziskus aussehen werden, könnte laut italienischen Medienberichten zumindest hinterfragt werden.

(sda)