19. April 2005 13:39; Akt: 19.04.2005 14:28 Print

Papstwahl: Ein Vorgang wie zu Pharaos Zeiten?

Dass jetzt eine Milliarde Menschen darauf starren sollten, wie weisser Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, «ist ja ein Zustand, wie wenn wir unter Ramses II. oder Ludwig XIV. leben würden», sagt der deutsche Kirchenkritiker Eugen Drewermann.

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Im Deutschlandfunk beklagte der Theologe und Psychoanalytiker am Dienstag eine Richtungsverschiebung im Sinne der Traditionalisten, Fundamentalisten und Konservativen. Zugleich stellte Drewermann, dem der Vatikan vor zehn Jahren die Lehrerlaubnis entzogen hatte, den Sinn des Papstamts überhaupt in Frage. Der Unmittelbarkeit zwischen Gott und den Menschen dürfe kein Papst auf Erden im Wege stehen, sagte er.

Drewermann verwies darauf, dass Jesus im Neuen Testament mit den Worten zitiert wird: «Lasst Ihr Euch nicht Vater nennen. Ein einziger sei Euer Vater, der im Himmel ist.» Dass jetzt eine Milliarde Menschen darauf starren sollten, wie weisser Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, «ist ja ein Zustand, wie wenn wir unter Ramses II. oder Ludwig XIV. leben würden», fügte er hinzu. Theologisch betrachtet sei es gelinde gesagt unverschämt, dass die Vorgänge unter Ausschluss aller Demokratie in der Sixtina dem Wirken des Heiligen Geistes oder gar dem Willen Gittes zugesprochen würden, sagte Drewermann weiter.

Vorsichtiger äusserte sich der Sprecher der Initiative «Wir sind Kirche», Christian Wiesner. Im Inforadio des RBB sagte er zur Papstwahl, die Kirche brauche keinen «Hardliner, sondern jemanden, der wirklich offen ist». Änderungen müssten nicht ruckweise erfolgen, aber es müsse sich zeigen, «dass wir im dritten Jahrtausend sind». Und bei der Rolle der Frau stehe ein «epochaler Schritt» bevor. Im Übrigen müsse sich die Kirche stärker den Ländern Asiens und Lateinamerikas öffnen, fügte der Sprecher der so genannten Kirchenvolksbewegung hinzu.

Die evangelische Hamburger Bischöfin Maria Jepsen äusserte im Deutschlandradio Kultur die Hoffnung auf einen toleranten Papst. Wenn der römische Kurs noch straffer werde als bisher, könnte es für die Ökumene schwierig werden, sagte sie und kritisierte namentlich den deutschen Kurienkardinal Joseph Ratzinger. Diesen habe sie sehr deutlich und klar in der Abgrenzung erlebt. Doch auch für die Gesellschaft in Deutschland sei es wichtig zu zeigen, dass evangelische und katholische Christen zusammengehörten und in einem säkularen Land gemeinsam Verantwortung wahrnähmen, argumentierte die Bischöfin der Nordelbischen Kirche.

(ap)