«Tag des Abgangs»

04. Februar 2011 06:06; Akt: 04.02.2011 16:34 Print

Pattsituation in Ägypten

Die Regierungsgegner harren, beschützt von der Armee, in Kairo und andern Städten aus und fordern weiterhin den Rücktritt Mubaraks. Doch dieser bewegt sich nicht.

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Vize-Präsident Omar Suleiman erklärt am Abend des 11. Februar am ägyptischen TV Hosni Mubaraks Rücktritt. Das vorläufige Kommando übernehmen die Streitkräfte, allen voran Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi. Grenzenloser Jubel auf dem Tahrir-Platz in Kairo, nachdem bekannt worden war, dass Mubarak zurückgetreten war. Wieder sind hunderttausende Ägypter auf die Strasse gegangen. Die Proteste in Kairo beschränkten sich nicht mehr nur auf den Tahrir-Platz. Auch vor dem Präsidentenpalast versammelten sich Tausende. Die Armee riegelte die Umgebung ab. Auch vor dem Hauptsitz des verhassten Staatsfernsehen versammelten sich mehrere Zehntausend. Die Armee sicherte auch hier das Gebäude ab. Am Morgen veröffentlichte das Militär ihr «Communiqué Nummer zwei». Darin hat es sich hinter die Entscheidung von Präsident Hosni Mubarak gestellt, nicht zurückzutreten und die meisten Amtsbefugnisse seinem Stellvertreter Omar Suleiman zu übertragen. Gleichzeitig will die Armee Garantin für Reformen sein. Verteidigungsminister und Feldmarschall Hussein Tantawi präsidiert den Militärrat am späten Abend des . Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder der Militärs, die berieten, «welche Massnahmen und Vorkehrungen getroffen werden könnten, um die Nation zu schützen». Zuvor hatte Präsident Hosni Mubarak entgegen den Erwartungen erklärt, noch bis im September bleiben zu wollen. Er kündigte stattdessen an, Amtsvollmachten an seinen Stellvertreter Omar Suleiman abzugeben. Demonstranten reagieren mit Wut auf Hosni Mubaraks Rede. In Anspielung auf den berühmt gewordenen Schuhwerfer von Bagdad haben einige ihre Schuhe in die Höhe gereckt. Sie bewegten die Schuhe hin und her. Der Tahrir-Platz in Kairo ist am Abend des 10.Februars rappelvoll. Gebannt warten die Demonstranten auf Mubaraks angekündigte Rede. «Wir sind beinahe da, wir sind beinahe da», rufen sie in Erwartung des Rücktritts ihres Präsidenten. Der ägyptische Aussenminister Ahmed Abul Gheit wirft den USA am vor, die Supermacht wolle Ägypten ihren Willen aufzwingen. Demonstration bei Kerzenlicht auf dem Kairoer Tahrir-Platz. Eine Demonstrantin hält ein Plakat mit der Aufschrift «Mubarak[s Zeit] ist abgelaufen» auf dem Tahrir-Platz. Auch an diesem Dienstag strömten Zehntausende auf den zentralen Platz, der zum Symbol des Widerstands gegen das Regime geworden ist. Früh am Morgen: Die Opposition wappnet sich für einen neuen grossen Demonstrationstag. Zahlreiche Menschen haben wieder auf dem Tahrir-Platz übernachtet. Ein Freiwilliger wischt den Platz. Die ägyptische Regierung macht am Zugeständnisse: Höhere Löhne für Staatspersonal, Untersuchungen zu Korruption und Wahlmanipulation. Den harten Kern der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo lässt das zunächst kalt. Auftanken zwischen den Panzern. Gebetet wird immer wieder. Verhasste Gesichter werden zur Schau getragen. Der improvisierte Helm hat Konjunktur. Die Menschen haben den ganzen Tag demonstriert. Sie verharren bis am Abend in der Nähe des Tahrir-Platzes. Ägyptens Vize-Präsident Omar Suleiman ist mit Oppositionsvertretern zu Gesprächen über politische Reformen zusammengekommen. Teile der Führungsriege der ägyptischen Regierungspartei NDP des Präsidenten Mubarak einschließlich des Generalsekretärs Safwat el Scharif und des Präsidentensohnes Gamal Mubarak haben am laut einem Bericht des ägyptischen Staatsfernsehens ihren Rücktritt erklärt. Die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz ließen sich von der Rücktrittsbotschaft nicht beeindrucken. Das werde nur den Durchhaltewillen und die Zuversicht der Demonstranten stärken, sagte der 45-jährige Aktivist Wael Chalil. Denn damit werde deutlich, dass sich das Regime Stück für Stück zurückziehe. Auf der ägyptischen Halbinsel Sinai explodierte am 5.2.11 eine Gaspipeline. Die Flammen schossen meterhoch in den Himmel, wie Augenzeugen erklärten. Europa werde bei der Begleitung des Wandels in Ägypten auch eng mit den USA zusammen arbeiten. Dies hat die Bundeskanzlerin Merkel am 5.2.11 in München mit US-Aussenministerin Clinton so besprochen. Am ist für die Regierungsgegner «Tag des Abgangs». Sie verlangen, dass Mubarak heute zurücktrete. Trotz der steigenden Opferzahl wagen sich auch wieder Frauen auf die Strasse. Die Armee kontrolliert die Demonstranten. Journalisten sind in den letzten Tagen verstärkt ins Visier des ägyptischen Regimes geraten. Mehrere ausländische Reporter wurden verhaftet, andere wurden angegriffen. Am späten Abend des äusserte sich Hosni Mubarak zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Demonstrationen in einem Interview. Er sagte, er wolle zwar zurücktreten, könne aber nicht. Derweil gingen die Auseinandersetzungen zwischen Regime-Gegnern und Mubarak-Anhängern in Kairo weiter. Auch am flogen Steine. Diese Demonstranten posieren für den Fotografen. Gewonnen hat bisher aber niemand. Auch am Donnerstag gab es Tote. Zudem wurden Menschen, wie diese Frau, verletzt. In der Nacht zum 3. Februar lieferten sich Regime-Gegner und Mubarak-Treu erbitterte Strassenkämpfe. Dabei wurden auf dem Tahrir-Platz Menschen getötet. Weitere wurden verletzt. Beides, weil Mubarak-Anhänger in die Menschenmenge schossen. Ein anderer Mubarak-Gegner stellte sich auf einen Panzer. Die Lage auf dem Tahrir-Platz ist eskaliert, nachdem Mubarak-Anhänger Protestierende angegriffen haben. Einzelne Supporter des Präsidenten stürmten den Platz auf Kamelen. Bissiger Kommentar von Regimegegnern: «Das Ganze wird endgültig zum Zirkus.» Neben von der Regierung bezahlten Schlägertrupps befinden sich in der Pro-Mubarak-Fraktion auch wahre Anhänger des umstrittenen Präsidenten. Die Armee verhält sich passiv und versucht lediglich, die beiden Lager auseinanderzuhalten. Dutzende Verletzte werden gemeldet. Ägypter schauen sich in der Nacht auf den 2. Februar auf einer improvisierten Grossleinwand die Erklärungen von US-Präsident Obama vor den amerikanischen Medien an. Dieser hatte sich zuvor lange mit seinem Amtskollegen Mubarak unterhalten. Der Rede von Obama ist eine Ansprache von Präsident Mubarak vorangegangen. Darin verkündete er, im Herbst nicht mehr zu den Präsidentschaftswahlen antreten zu wollen. Damit waren die Demonstranten nicht zufrieden. Auch in Ägypten wird es kalt über die Nacht: Protestierende wärmen sich mit einem Lagerfeuer. : Am achten Tag demonstrieren in Ägypten mehrere 100 000 Menschen in Kairo. Das Volk bleibt auch dem angekündigten Abgang von Präsident Mubarak dabei: Go! Auf Plakaten machen die Demonstranten aus Präsident Hosni Mubarak Adolf Hitler. Auch viele Frauen sind auf die Strasse gegangen. Die Armee durchsucht die Demonstranten. Der Tahrir-Platz ist zum Symbol der Massenproteste geworden: Tausende fingen am 1. Februar auf dem Platz an zu beten. Die Opposition hatte für den 1. Februar den «Marsch der Millionen» angekündigt. Die Armee fuhr daher bereits am frühen Morgen Panzer auf. Eine «Mubarak-Puppe» hängt an einem Lichtsignal. Befürworter von Mubarak gingen am 1. Februar ebenfalls auf die Strasse. Sie hoffen, dass sich Mubaraks Regierung halten kann. Da Lebensmittel knapp werden, kaufen die Ägypter Brot auf Vorrat. : Am siebten Tag der Proteste versammelten sich wieder tausende Ägypter auf dem Tahrir-Platz, um gegen Präsident Mubarak zu demonstrieren. Das Militär versucht, die Lage zu kontrollieren. Panzer vor den Pyramiden versinnbildlichen die angespannte Lage in Kairo. Nachdem Plünderer das Ägyptische Museum heimgesucht und mehrere Mumien zerstört hatten, wird der Touristenmagnet nun von schwerbewaffneten Sicherheitskräften bewacht. Die Wut der Demonstranten flackert immer wieder in Gewalt gegen Personen auf, die verdächtigt werden, Polizisten in Zivil zu sein. Präsident Mubarak (rechts) vereidigte seine neugebildete Regierung. Eine riesige Menschenmenge wartet am Kairoer Flughafen darauf, das Land verlassen zu können. : Friedensnobelpreisträger Mohammed al-Baradei schliesst sich den Demonstranten in Kairo an. Die Kämpfe der vergangenen Tage haben sowohl bei Menschen... ... wie auch Gebäuden ihre Spuren hinterlassen. Angst vor Plünderern: Im Viertel Maadi im Süden Kairos wurden junge Männer über Lautsprecher aufgerufen, an den Eingängen von Häusern Präsenz zu zeigen und Plünderer zu vertreiben. : Der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman ist als Vize-Präsident des Landes vereidigt worden. Die Proteste in der ägyptischen Hauptstadt Kairo setzten sich unvermindert fort. Hier bringen sich Demonstranten in Sicherheit vor den Ordnungshütern. Vereinzelt wurden gar Armeepanzer in Brand gesetzt. Ein Aufruf zur Ruhe von Präsident Mubarak in der Nacht auf den 29. Januar verhallte weitgehend wirkungslos. : Am Abend ziehen Demonstranten durch die Innenstadt von Kairo. Panzer fahren durch die Menschenmengen. In der Innenstadt von Kairo brennen Gebäude. Trotz Demonstrationsverbot gingen nach dem Freitagsgebet Tausende auf die Strasse, um gegen die Regierung von Präsident Hosni Mubarak zu protestieren. In Kairo schloss sich der Friedensnobelpreisträger Mohamed Al-Baradei den Protesten an. Er wurde von der Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern in eine Moschee getrieben, wo er kurzzeitig festgesetzt wurde. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Aus dem ganzen Land wurden Dutzende Verletzte gemeldet. Hunderte Demonstranten hielten mitten in den Strassenschlachten für ein spontanes Gebet inne. Uniformierte und zivile Polizisten gehen mit grosser Härte gegen die Demonstranten vor. Die Wasserwerfer können diesen Demonstranten nicht aufhalten.

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Es tickert für Sie:
Jean-Claude Gerber
18:11
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BBC-Reporter berichten, dass die Soldaten wegen der Ausgangssperre Menschen, die noch auf den Tahrir-Platz gelangen möchten, den Zugang versperrt.
17:10
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Immer wieder kommt es in der Nähe des Tahrir-Platzes zu kleineren, gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Präsident Mubarak und den Pro-Demokratie-Demonstranten.
16:25
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Deutschland hat seine Waffenexporte nach Ägypten gestoppt. Die Schweiz braucht nicht nachzuziehen. Sie führt seit März 2009 kein Kriegsmaterial mehr nach Ägypten aus. Zum Artikel.
16:05
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Hosni Mubarak scheint auch am «Tag des Abgangs» fest entschlossen zu sein, bis im September im Amt zu bleiben. Der ägyptische Finanzminister Ahmed Abdul Gheit sagte in diesem Zusammenhang zu CNN, dass Kräfte von aussen den Machtechsel nicht diktieren könnten und Mubarak bis auf weiteres bleiben werde. Gheit wiederholte dabei Mubaraks Zitat, er werde auf ägyptischem Boden sterben. Dieses Bekenntnis wird als Seitenhieb auf den tunesischen Ex-Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali gewertet, der nach dem Umsturz aus dem Land geflohen war.
15:55
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Rund 5000 Verletzte sind seit Beginn der Unruhen in Ägypten gezählt worden, berichtet der Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf das ägyptische Gesundheitsministerium. Derzeit würden noch rund 80 Verletzte in den Krankenhäusern behandelt.
15:48
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Eine BBC-Reporterin auf dem Tahrir-Platz schildert die Stimmung vor Ort als «sehr entspannt». Die Masse fühlt sich von der Armee gut beschützt. Die Demonstranten ihrerseits kontrollieren nach wie vor die Ausweise aller Neuankömmlige an den Eingängen zum Platz.
15:41
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Auch in Alexandria und Suez sind zehntausende Demonstranten auf der Strasse, die lautstark den Rücktritt von Präsident Mubarak fordern.
15:06
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Ein freier Journalist erklärte gegenüber BBC, dass die Zusammenstösse, die er beobachtet hatte, lediglich 20 bis 30 Sekunden gedauert hätten. Inzwischen sehe er in der Umgebung des Tahrir-Platzes keine Mubarak-Anhänger mehr. Die Stimmung in der Stadt ausserhalb des Tahrir-Platzes sei sehr ruhig.
15:03
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Berlusconi steht quer
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den ägyptischen Staatschef Hosni Mubarak als klugen Mann gewürdigt. «Ich hoffe, dass die Regierung weiterbestehen kann», sagte Berlusconi vor Journalisten.
14:48
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Ein Mitarbeiter von Al-Dschasira twittert, dass die Steine auf dem Talaat-Platz östlich des Tahrir-Platzes geflogen seien. Dort herrsche nun Chaos. Die Barrikaden um den Tahrir-Platz seien aber nicht angegriffen worden. Die Kämpfe fänden auf der Strasse statt.
14:36
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Ein BBC-Reporter berichtet, dass die Mubarak-Anhänger ägyptische Flaggen schwenken und rufen: «Ja zu Mubarak, ja zur Stabilität, Ja zu 30 Jahren Frieden.»
14:31
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Erste gewaltätige Auseinandersetzung
In Kairo ist es offenbar zu einem ersten Zwischenfall gekommen. Zwischen den verfeindeten Lager seien Steine geflogen, berichtet die BBC. Demnach haben sich rund 2000 Mubarak-Anhänger auf oder nahe des Tahrir-Platzes versammelt.
14:29
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Proteste in Amman
In Jordanien haben hunderte Menschen gegen den erst am Dienstag zum neuen Ministerpräsidenten ernannten Maruf al-Bachit protestiert. Die Demonstranten skandierten «Nieder mit der Regierung». Zwar hatte der Führer der grössten muslimischen Oppositionsgruppe gesagt, er werde dem neuen Ministerpräsidenten die Möglichkeit zur Regierungsbildung geben. Dennoch demonstrierten in der Hauptstadt Amman mehr als 1000 seiner Anhänger und andere Regierungsgegner gegen Al-Bachit.
14:25
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Amr Mussa, ein potentieller Nachfolger von Präsident Mubarak, wurde bei seinem Besuch auf dem Tahrir-Platz von Rufen wie «Wir wollen dich als Präsidenten» begrüßt. Der Generalsekretär der Arabischen Liga gilt vielen Ägyptern als erfahrener Staatsmann, außerdem ist seine scharfe Rhetorik gegenüber Israel bei manchen Bürgern populär.
14:04
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Die ägyptische Muslimbruderschaft hat der Aussage Ayatollah Ali Chameneis, dem geistlichen Führer des Irans, widersprochen, wonach die Revolution in Ägypten eine islamische sei. Es sei eine Revolution des ägyptischen Volkes, die verschiedene Religionen zusammenbringe.
13:48
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Zehntausende Regierungsgegner demonstrieren friedlich gegen das Regime von Präsident Hosni Mubarak. Ein krasser Gegensatz zu den Strassenschlachten, die in den vergangenen Tagen am gleichen Ort mindestens neun Tote und hunderte Verletzte gefordert hatten.
13:38
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Das Kairoer Büro von Al-Dschasira sei von unbekannten Männern gestürmt und verwüstet worden, twittert der Sender.
13:36
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Die EU bewegt sich
Die EU will den Druck auf Präsident Mubarak nach langem Zögern nun doch erhöhen. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel wurde eine Erklärung vorbereitet, in dem zu einer vorgezogenen Neuwahl aufgerufen werden könnte. Vor einer sofortigen Rücktrittsforderung an Mubarak schreckt Europa allerdings zurück. Damit bleiben die Europäer weiter hinter den USA zurück, die Mubarak zum sofortigen Rücktritt bewegen wollen.
13:34
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Muslimbrüder zu Gesprächen eingeladen
Im Verhalten der Regierung in Bezug auf die bislang verbotene Muslimbruderschaft deutet sich eine Kehrtwende an. Der neue Vizepräsidenten Omar Suleiman lud die Organisation schon am Donnerstag zu Gesprächen über die Zukunft Ägyptens und den Übergang zur Demokratie ein. Das ist ein beispielloses Eingeständnis an eine Gruppe, gegen die die Regierung in den vergangenen Jahren hart vorging.
13:21
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Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass auf und um den Tahrir-Platz keinerlei Mubarak-Anhänger zu sehen sind. Al-Dschasira meldet, dass sich rund 3000 Loyalisten im Gizeh-Bezirk bei Kairo versammelt haben und ihre Unterstützung für die Mubarak-Regierung kundtun.
13:18
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Das Fernbleiben von Demonstranten in Damaskus könnte damit zusammenhängen, dass die Sicherheitskräfte offenbar in den vergangenen Tagen alle, die sich mit den Demonstranten in Ägypten solidarisch zeigen wollten, massiv eingeschüchtert haben. Dies berichtet Human Rights Watch.
13:15
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In Syrien sind die Sicherheitsvorkehrungen angesichts geplanter Anti-Regierungs-Demonstrationen verschärft worden. Sicherheitskräfte in Zivil gruppieren sich um das Parlament in der Hauptstadt Damaskus. Nach dem Vorbild der Opposition in Tunesien und Ägypten haben Regierungsgegner in Syrien im Internet zu einem «Tag des Zorns» aufgerufen. Für heute und morgen waren Proteste geplant, doch bisher sind keine Demonstranten vor dem Parlament zu sehen.
12:48
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Amr Mussa auf dem Tahrir-Platz
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, beteiligt sich laut Al-Dschasira an den Protesten auf dem Tahrir-Platz. Der Ägypter erwägt nach eigenen Angaben eine Kandidatur bei einer künftigen Präsidentenwahl in Ägypten. Mussa erklärte am französischen Radiosender Europe 1, er erwarte, dass Präsident Hosni Mubarak bis zum Ende seine Amtszeit in sieben Monaten an der Spitze der Regierung bleibe. Er glaube, dass es unmöglich wäre, rasch Neuwahlen zu organisieren. Mussa sagte, er erwäge auch, eine Rolle in einer Übergangsregierung zu übernehmen.
12:38
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UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die ägyptische Führung erneut eindringlich zum Gewaltverzicht aufgerufen und das harte Vorgehen gegen Demonstranten verurteilt. «Die Einschüchterung internationaler Medien, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten ist völlig inakzeptabel.»
12:20
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Al-Dschasira meldet aus Alexandria, dass sich dort ebenfalls zehntausende Demonstranten versammelt hätten. Der Korrespondent vor Ort berichtet, dass Christen und nicht praktizierende Muslime während des Freitagsgebets eine Menschenkette um die Betenden gebildet hätten, um sie zu schützen. Ähnliches wurde gestern auch auf dem Tahrir-Platz in Kairo beobachtet.
12:14
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Die Stimmung auf dem Tahrir-Platz ist entspannt. Die Menschen fühlen sich sicher, berichtet ein BBC-Reporter vor Ort. Sie vertrauen auf die Armee, die genau kontrolliert, dass keine Waffen auf den Platz gelangen. Im Gegensatz zu den vergangenen zwei Tagen sind auch wieder vermehrt Frauen und Kinder unter den Demonstranten auszumachen.
12:09
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Berlusconi für Mubarak
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi sprach sich dafür aus, dass Staatspräsident Husni Mubarak den Übergang führen solle. «Ich hoffe, dass es in Ägypten einen Übergang zu einem demokratischeren System ohne Umsturz geben kann, mit einem Präsidenten wie Mubarak (...)», sagte Berlusconi. Die EU hat ihre Haltung bezüglich eines möglichen Rücktritts des ägyptischen Staatschefs Hosni Mubarak hingegen noch nicht bekanntgegeben.
11:57
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Al-Baradei fordert Mubarak zum Rücktritt auf
Der ägyptische Oppositionsführer und Friedensnobelpreisträger Mohamed Al-Baradei hat Präsident Husni Mubarak aufgerufen, «auf die deutliche Stimme des Volkes zu hören und in Würde zurückzutreten». Die bisherigen Zugeständnisse Mubaraks wies Al-Baradei am Freitag als «Stückwerk» zurück. «Es ist eine Frage des Vertrauens, und das Vertrauen ist weg.»
11:48
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Nach dem Ende des Freitagsgebets ist es laut geworden auf dem Tahrir-Platz. Die Massen skandieren Anti-Mubarak-Parolen. Tausende weitere Demonstranten wollen auf den Tahrir-Platz gelangen, berichtet ein Reporter der Zeitung «Guardian». Die Stimmung unter ihnen sei gut und sie warteten geduldig auf Einlass. Die Armee kontrolliert jede einzelne Person auf Waffen und lässt sie anschliessend passieren.
11:45
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Rotes Kreuz schickt Hilfe
Ein erstes Flugzeug mit medizinischen Hilfsgütern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist in Kairo gelandet. Das IKRK wird in den nächsten Tagen weiteres Material einfliegen, um das Angebot an Medikamenten aufzustocken. Mit der Maschine sei Material für die Behandlung von 2000 Leichtverletzter sowie chirurgisches Gerät für 100 schwerverletzte Personen eingeflogen worden, teilte das IKRK mit. Auch das IKRK berichtet, dass das medizinische Personal an der Ausübung seiner Arbeit gehindert worden sei.
11:33
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Zehntausende Menschen halten auf dem Tahrir-Platz das Freitagsgebet ab. Die Stimmung ist sehr friedlich. Auf dem Platz wurde laut einem BBC-Reporter ein Feldspital eingerichtet. In den letzten Tagen ist immer wieder berichtet worden, dass Ärzte am Betreten des Platzes gehindert wurden.
11:27
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Die Arbeitsbedingungen von Journalisten am Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt Kairo werden zunehmend schlechter. Kurz vor Beginn des Freitagsgebets wurden Pressevertreter in einem anliegenden Hotel aufgefordert, nicht von den Balkonen aus zu filmen oder zu fotografieren. Das Militär werde von jedem, der dagegen verstosse, die Ausrüstung konfiszieren, hieß es nach Augenzeugenberichten in der Durchsage weiter
11:22
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Der geistliche Führer des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, hat die Volksaufstände in Ägypten und Tunesien als Zeichen für ein «islamisches Bewusstsein» in der Region bezeichnet. Während des Freitagsgebets in Teheran verglich er die Unruhen in Kairo mit der Islamischen Revolution im Iran 1979. Die iranische Opposition dagegen hat die Proteste mit ihren eigenen vom vergangenen Jahr verglichen.
10:51
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Schweizer Journalist freigelassen
Der Sonderkorrespondent der Freiburger Zeitung «La Liberté» war am Mittwoch verhaftet worden. Mehr als einen Tag lang wussten die Angehörigen und die Redaktion nicht, wo der Journalist festgehalten wurde.
Wie der Schweizer Botschafter in Kairo auf Anfrage von Radio 1 erklärte, wurde der Mann inzwischen wieder freigelassen. Er befinde sich bereits am Flughafen und sei auf dem Rückweg in die Schweiz.
10:43
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Die Armee hat ihre Präsenz um den Tahrir-Platz massiv verstärkt. Offenbar wollen die Streitkräfte neue Zusammenstösse zwischen Regierungsgegnern und Mubarak-Anhängern um jeden Preis verhindern.
10:35
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Loyalisten halten sich bisher zurück
Bisher ist von den Anhängern Mubaraks, die in den Vortagen Demonstranten und ausländische Journalisten angegriffen haben, in der Umgebung des Tahrir-Platzes nichts zu sehen. Im Bereich des Platzes kamen bei den Kämpfen bislang mindestens acht Menschen ums Leben, etwa 900 wurden verletzt.
10:29
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Der Ölpreis verharrt wegen der Eskalation in Ägypten und der Furcht vor einem Flächenbrand in der arabischen Welt knapp unter seinem Mehrjahreshoch. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im März kostete am Morgen 102,07 US-Dollar - dies waren 31 Cent mehr als am Donnerstagabend. Zuvor war der Preis für das Brent-Öl zeitweise bis auf 103,37 Dollar und damit dem höchsten Stand seit dem 26. September 2008 gestiegen, er rutschte dann aber vor allem wegen des stärker gewordenen Dollar wieder etwas ab.
10:16
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Während die Protestbewegung von einem «Tag des Abgangs» spricht, möchten die Mubarak-Anhänger den heutigen Freitag zu einem «Tag der Stabilität» machen.
10:14
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EU zögert weiter
EU-Aussenpolitikchefin Catherine Ashton mahnte die Führung in Kairo abermals zu einem sofortigen Übergang zur Demokratie. Eine klare Position zu einem Rücktritt von Staatschef Husni Mubarak bezog sie aber nicht.
10:13
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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die ägpytische Regierung zum Schutz der Demonstranten aufgerufen. «Wir fordern, dass die ägyptischen Sicherheitskräfte an diesem entscheidenden Freitag freie und friedliche Demonstrationen für die Menschen ermöglichen.»
10:04
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Regierung verzichtet auf Gewalt
Im TV-Interview mit der US-Journalistin Christiane Amanpour hat der ägyptische Vize-Präsident Omar Suleiman gesagt, dass die Regierung die Protestierenden auf dem Tahrir-Platz nicht gewaltsam vertreiben werde. Auf Nachfrage Amanpours wiederholte er seine Aussage: «Wir werden keine Gewalt gegen sie anwenden». Er wiederholte allerdings auch die Aufforderung an die Demonstranten, nach Hause zu gehen.
09:57
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Etwa zehntausend Menschen haben sich bereits jetzt auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo versammelt. Augenzeugen berichten, in der Innenstadt hätten insgesamt rund 1000 Soldaten Stellung bezogen. Polizisten seien, abgesehen von einigen Beamten der Verkehrspolizei, nicht zu sehen.
09:55
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Die BBC hat auf ihrer Website einen Lageplan des Tahrir-Platzes publiziert.
09:53
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Verteidigungsminister Tantawi und hohe Militärs machen sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo ein Bild von der aktuellen Lage, berichtet Reuters.
09:48
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Oppositionelle haben für heute zu einem «Tag des Zorns» in Syrien aufgerufen. Die Grossdemonstration richtet sich gegen die Regierung von Präsident Baschir el Assad. Die Oppositionellen wollen im ganzen Land gewaltlos gegen Armut und Arbeitslosigkeit zu demonstrieren. Nach offiziellen Angaben leben 14 Prozent der 22 Millionen Einwohner Syriens in Armut, jeder Fünfte ist arbeitslos.
09:22
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Ägyptens Wirtschaft ist wegen der Proteste wie gelähmt. Dem Land gehen täglich rund 420 Millionen Dollar verloren. Viele Läden in Kairo sind geschlossen, Fabriken stehen still.
09:12
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US-Geheimdienst unter Druck wegen Unruhen in Ägypten und Tunesien: Das Weisse Haus und der Kogress sind enttäuscht über ihren Geheimdinest. Präsident Obama ist der Meinung, der Sturz von Ben Ali in Tunesien und auch die Lage in Ägypten hätten vorausgesehen werden müssen. Auch, weil die Demonstranten das Internet benützten.
07:54
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Angespannte Ruhe in Kairo. Am Freitagmorgen ist es bisher ruhig in der Hauptstadt. Allerdings halten sich weiter Demonstranten rund um das Areal des Tahrir-Platzes auf. Die grosse Frage ist, was nach dem Freitagsgebet vom Mittag passiert. Danach sind weitere Kundgebungen gegen das Regime geplant. Ziel ist immer noch den verhassten Mubarak los zu werden.
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Die Situation am Freitagmorgen

Die USA drängen mit aller Macht auf eine Wende in Ägypten. Obwohl Präsident Hosni Mubarak die Macht nicht aus den Händen geben will, arbeitet Washington an einer Lösung.

Nach einem Bericht der «New York Times» diskutiert die Regierung von Präsident Barack Obama mit ägyptischen Regierungsbeamten einen Vorschlag für einen sofortigen Rücktritt Mubaraks.

Die Macht solle eine Übergangsregierung unter Vizepräsident Omar Suleiman an der Spitze übernehmen. Diese Regierung würde dann eine sofortige Verfassungsänderung einleiten mit dem Ziel freier Wahlen im September. In US-Regierungskreisen sei dabei von einem Vorschlag unter vielen die Rede, berichtete die Zeitung weiter.

Unterstützung der Armee

Die Übergangsregierung solle die Unterstützung des Militärs haben, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungsbeamte und arabische Diplomaten am Donnerstagabend (Ortszeit).

Auch der Generalstabschef der ägyptischen Armee, Generalleutnant Sami Hafis Anan, und Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi sollten hinter der Übergangsregierung stehen.

Es sollten auch andere politische Kräfte eingebunden werden, einschliesslich der Muslimbrüderschaft, schreibt das Blatt. Allerdings räumen die Regierungsbeamten ein, eine Lösung hänge von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der weiteren Entwicklung der Proteste. Ausserdem betonten sie, dass nicht direkt mit Mubarak verhandelt werde.

Angespannte Ruhe

Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo blieb es am frühen Freitagmorgen - im Gegensatz zur vorigen Nacht - zunächst ruhig. Hunderte Demonstranten bevölkern weiterhin das Areal. Es waren vergleichsweise wenig Militärfahrzeuge zu sehen. Im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete eine Korrespondentin, es herrsche eine «angespannte Atmosphäre».

Die Opposition kündigte weitere Massenproteste nach dem Freitagsgebet an. Eine Demonstrantin sagte dem Sender am frühen Freitagmorgen, nach den Übergriffen der vergangenen Tage befänden sich die Regierungsgegner auf dem Platz im Alarmzustand. Doch weiterhin gebe es nur ein Ziel: Den sofortigen Rücktritt Mubaraks.

Mubarak fürchtet das Chaos

Mubarak lehnt dies aber bisher strikt ab. «Wenn ich heute zurücktrete, wird Chaos ausbrechen», sagte er dem TV-Sender ABC. Er hält sich nach Angaben des Senders im schwer bewachten Präsidentenpalast in Kairo auf.

Unterdessen bot Vize Omar Suleiman der Opposition einschliesslich der Muslimbruderschaft umfassende Verhandlungen an. Der neue ägyptische Regierungschef Ahmed Schafik kündigte eine Bestrafung der Verantwortlichen für die Angriffe auf Regimegegner und eine Untersuchung der Vorgänge auf dem Tahrir-Platz in Kairo an.

Dabei wurden nach Angaben es Gesundheitsministeriums in den vergangenen Tagen 13 Menschen getötet.

(sda)