Streik

09. Dezember 2019 08:25; Akt: 09.12.2019 08:25 Print

Verkehr in Paris staut sich auf 600 Kilometern

Die Streiks der Bahngewerkschaften werden auf die neue Woche ausgeweitet. Rund um Paris herrscht Chaos auf den Strassen.

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An Weihnachten ist in Frankreich weiter keine Streikpause in Sicht. Ein Appell von Präsident Emmanuel Macron an die Gewerkschaften verhallte ungehört. Am 19. Protesttag gegen die Rentenreform fielen nach Angaben der Bahngesellschaft SNCF 60 Prozent der TGV-Schnellzüge sowie der Regionalzüge im Land aus sowie 75 Prozent der Intercity-Züge. Der Streik legte auch am Freitag weite Teile des öffentlichen Lebens lahm: Demonstranten in Rennes. (5. Dezember 2019) In Frankreich sind am Donnerstag, 5. Dezember 2019, in mehreren Städten Tausende auf die Strassen gegangen. Auch Gelbwesten waren unter den Demonstranten. Die Polizei musste in Paris Tränengas einsetzen. Es handelt sich um den grössten Streik im öffentlichen Dienst seit Jahrzehnten. Das öffentliche Leben war grösstenteils lahmgelegt. Der Protest richtet sich gegen die geplante Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron. Nichts geht mehr: Eine leere Metrostation in Paris. (4. Dezember 2019) Der Streik dauert bereits mehrere Tage. Ein Enddatum ist nicht festgelegt. (Archivbild) Der Streik betrifft auch den Flugverkehr. Am Flughafen Genf sollen am Donnerstag insgesamt 25 ankommende und 26 abfliegende Flüge aufgrund des Streiks gestrichen werden. Die Fluggesellschaft Swiss annullierte zudem mindestens zwei Flüge zwischen Paris und Zürich. Auch der Zugverkehr zwischen der Schweiz und Frankreich dürfte praktisch zum Erliegen kommen. Nach Angaben der französischen Bahn soll insgesamt nur jeder zehnte Pendler- und Hochgeschwindigkeits-TGV fahren.

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Die anhaltenden Streiks gegen die Rentenreform haben im Pariser Grossraum auch am Montag Hunderte Kilometer Staus verursacht. Gegen 8 Uhr am Morgen staute sich der Verkehr dort auf rund 600 Kilometern, wie der Verkehrsdienst Sytadin mitteilte. Normalerweise sind es etwa halb so viel.

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Auch am Montag wurden die Pariser Metro und Vorstadtzüge wieder bestreikt - es ist bereits der fünfte Tag in Folge, an dem es massive Störungen im öffentlichen Verkehr gibt. Auch die Züge des Fernverkehrs fahren nur sehr eingeschränkt, rund 20 Prozent der Hochgeschwindigkeitszüge TGV sind nach Angaben der französischen Staatsbahn SNCF im Einsatz.

Für die kommenden Tage ist keine Entspannung in Sicht. Der Streik richtet sich gegen die geplante Rentenreform der Mitte-Regierung. Für Dienstag haben die Gewerkschaften zu einem weiteren Massenprotest aufgerufen, am Mittwoch will Premierminister Édouard Philippe die Pläne im Detail vorstellen. Die Rentenreform ist eines der zentralen Projekte von Präsident Emmanuel Macron.

Nur zwei Linien werden normal betrieben

«Wir empfehlen, die öffentlichen Verkehrsmittel in den kommenden Tagen zu vermeiden», schrieb die Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP auf ihrer Internetseite. Pendler sollten stattdessen auf andere Verkehrsmittel wie Fahrgemeinschaften umsteigen.

Demnach sollen zehn der 16 Metro-Linien geschlossen bleiben und vier nur eingeschränkt verkehren. Die zwei autonom fahrenden Linien würden betrieben, jedoch sei mit überfüllten Waggons zu rechnen. Rund zehn Millionen Menschen sind täglich im Grossraum Paris auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen.

Fronten verhärtet

Premierminister Philippe sagte der Sonntagszeitung «Journal du Dimanche», er sei «entschlossen», die Pläne über seine Rentenreform weiterzuführen. «Wenn wir heute keine tiefgreifende, ernsthafte und progressive Reform vornehmen, wird morgen jemand anders eine noch viel härtere durchsetzen», sagte der Regierungschef.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, kündigte gegenüber der Zeitung an, nicht klein beizugeben, bis der Reformplan zurückgezogen werde. Für Dienstag riefen die Gewerkschaften zu einem erneuten landesweiten Massenstreik auf.

Öffentliches Leben lahmgelegt

In Frankreich gehen seit Donnerstag zahlreiche Menschen gegen die von der Regierung geplante Rentenreform auf die Strasse. Am Donnerstag protestierten nach Behördenangaben mehr als 800'000 Demonstranten, die Gewerkschaft CGT zählte 1,5 Millionen Teilnehmer.

Zugleich legte ein Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahm. Die Proteste waren deutlich grösser als jene gegen den Reformkurs von Präsident Macron auf dem Höhepunkt der «Gelbwesten»-Krise vor rund einem Jahr.

Im Louvre-Museum blieben einige Räume und im Grand Palais eine gesamte Ausstellung geschlossen. Auch die Pariser Oper, die Comédie Française sowie weitere Kultureinrichtungen sagten Vorstellungen ab.

Auch in anderen Städten gingen Menschen auf die Strasse. Aus Nantes, wo sich rund 2800 Menschen an der Demonstration beteiligen, sowie aus Lyon wurden Zusammenstösse zwischen Demonstranten und der Polizei gemeldet.

(vro/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franzose am 08.12.2019 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frankreich praktisch unregierbar

    Frankreich ist praktisch unregierbar geworden. Wenn ein Präsident, auch noch so berechtigt, Reformen durchführen und unsinnige alte Zöpfe abschneiden will, wird er mit Krawallen, Streiks und Zerstörung in die Knie gezwungen. In Frankreich müsste man die direkte Demokratie einführen. Dann sollen die Bürger selbst entscheiden, aber auch die Verantwortung tragen.

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  • Kachina am 08.12.2019 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben

    Die Franzosen glauben tatsächlich, dass bei lahmgelegter Wirtschaft höhere Renten winken. Logik war noch nie deren beste Disziplin.

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  • champedissle am 08.12.2019 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    kann man nicht vergleichen

    Hier werden zwei völlig verschiedene Anlässe miteinander verglichen. Letztes Jahr, die Gelbwesten, das waren einfache Leute, unorganisiert, spontan, denen der Kragen geplatzt ist, dies am Donnerstag waren die Gewerkschaften, die eine monatelang geplanten Generalstreik organisierten und die einmal mehr ihre Macht missbrauchten um Frankreich lahmzulegen um ihren Mitgliedern unverschämte Privilegien zu sichern (Pension mit 52, doppelte Rente).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MadChengi am 09.12.2019 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Frage des Tages lautet: Warum!?

    Das total geschockte Deutschland fragt sich (wie immer kollektiv) warum, warum Gott warum....haben bloss soviele gewalttätige Migranten im Land!?

  • MadChengi am 09.12.2019 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland ist geschockt

    Ganz Deutschland fragt sich urplötzlich: "Wie konnte das nur passieren!?" Warum und immer wieder warum...haben wir soviele Türken, Araber und Ghetto Gewalttäter im Land?

  • Moi, toi et le roi am 09.12.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Finde den Fehler

    Die Franzosen wollen maximal eine 35h Woche, am Liebsten aber nur Teilzeit arbeiten, bei 3'000 Euro Lohn bzw. 5'000 CHF in der Schweiz für Grenzgänger, mit 60 spätesten in Pension gehen, Vater- und Mutterschaftsurlaub bezahlt, Krippe bezahlt, beste Sozialleistungen und minimalste Steuern.. Finde den Fehler ... Ich liebe Frankreich aber deren Volk gibt mir zu denken !

  • EU-Gegner am 09.12.2019 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    und Präsident Cakron wünscht dass die

    EU alle Flüchtlinge aufnimmt und auf Kosten des Staten durchfüttert, bis die Welt zusammenbricht

  • didi191 am 09.12.2019 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht tragbar...

    Gewerkschaften entwickeln sich mittlerweile zu Staatsfeinden. Diese Reform ist nun wirklich mehr als notwendig, da der aktuelle Zustand nicht mehr finanzierbar ist. Ich bin absolut nicht für zusätzliche Verbote, aber dieser Demonstrations Wahnsinn (nicht nur in F.) muss ein Ende haben, also Demo-Verbot.