Bildmanipulation

11. Juli 2008 12:18; Akt: 11.07.2008 15:11 Print

Photoshop ist auch ein Kriegswerkzeug

Das nennt man moderne Kriegsführung: Um seinen Raketentests die nötige Dramatik zu verleihen, hat der Iran mit digitalen Spezialeffekten ein bisschen nachgeholfen. Die Mogelei hat ihren Zweck erfüllt: Die Bilder haben Israel und den Westen aufgeschreckt.

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Das Originalfoto (l.) mit dem Blindgänger und die manipulierte Version. (Bild: AFP)

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Es war als Demonstration der Stärke gedacht. Die iranischen Streitkräfte feuerten diese Woche mehrere Raketen ab. Die islamische Republik wollte ein Signal an Israel und die USA senden. Beide Länder liebäugeln mit einem Angriff auf die iranischen Atomanlagen. Ein eindrucksvolles Foto zeigt den Abschuss von vier Raketen auf einen Schlag. Grosse Zeitungen wie die «Los Angeles Times» und die «Financial Times» druckten es auf der Frontseite, renommierte Medien wie BBC und «New York Times» brachten es auf ihrer Website.

Verbreitet wurde es von der Agentur Agence France-Presse (AFP), die es nach eigenen Angaben von der Website Sepah News übernommen hatte, dem medialen Arm der iranischen Revolutionsgarden. Am Donnerstag musste AFP kleinlaut zurückkrebsen. Denn inzwischen hatte die Agentur AP ein Foto veröffentlicht, das beinahe identisch war. Allerdings stiegen nur drei Raketen zum Himmel. Die vierte hatte offenbar nicht gezündet, sie blieb auf der Startrampe stehen, wie im Vordergrund klar zu erkennen ist.

Diese Schmach wollte die iranische Elitetruppe offensichtlich nicht auf sich sitzen lassen. Sie griff zur digitalen Bildbearbeitung und retuschierte den Blindgänger kurzerhand weg. Ausserdem kopierte sie die zweite Rakete von links, samt eines Teils ihrer Rauchfahne, plus die Staubwolke der rechten Rakete, und fingierte so einen vermeintlich erfolgreichen Start. Es wäre nicht der erste Fall: Schon früher war den iranischen Medien vorgeworfen worden, sie würden Bilder manipulieren.

(pbl)