Air-France-Flug 447

05. Juli 2012 15:05; Akt: 06.07.2012 10:47 Print

Piloten waren völlig überfordert

Der Abschlussbericht zum Absturz eines Air-France-Flugs von Rio nach Paris liegt vor: Die Gutachter geben den Piloten die Hauptschuld. Bei dem Unglück starben alle 228 Menschen an Bord.

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Die Bergungkräfte entdeckten am 1. Mai 2011 die Blackbox mit dem Flugschreiber des Airbus A330-200. Sie befand sich in gutem Zustand. Der Airbus 330-200 des Flugs AF 447 von Rio de Janeiro nach Paris war am vor der brasilianischen Küste durch ein Gewitter mit starken Turbulenzen geflogen und abgestürzt. Im Bild: Eine Archivaufnahme des verschollenen Airbus. es gab keine Überlebenden. Auf dem Bild: Gedenkstätte auf den Fernando de Noronha Islands in Brasilien. der abgestürzten Air-France-Maschine entdeckt ... ... sowie ... ... und können bis zu 6000 Meter tief tauchen und Aufnahmen anfertigen. Sie suchen mittels Unregelmässigkeiten auf dem Meeresgrund ab. Die des Sonars zeigt Trümmerteile, die sich über eine Fläche von 600x200 Metern verteilen. Hunderte Trümmerteile wurden aus dem Atlantik geborgen. Das Wrack selbst blieb jedoch lange verschollen. Am tauchten erste Leichen und Wrackteile des abgestürzten Airbus auf. schwammen im Meer. Die suchte das Meer ab. Die Suchaktion startete, nachdem die Besatzung einer Maschine der brasilianischen Airline TAM Linhas Aereas auf dem Atlantik gemeldet hatte. Der Airbus war mit ausgestattet, die nach einem Absturzes noch tagelang Signale aussenden sollten. Doch keiner der drei Notfallsender der Maschine habe ein Signal ausgestrahlt. Experten äusserten in französischen Medien die Meinung, dass dies ein Zeichen dafür sei, Die Notsignale könnten bei dem Unglück zerstört worden sein. In Paris war der um 11.15 Uhr erwartet worden. Frankreichs Präsident drückte den Angehörigen sein Beileid aus. Er habe die USA gebeten, mit ihren Satelliten die Suche zu unterstützen. Mitgefühl und Anteilnahme gegenüber den äusserten auch Air France und Airbus. Die 228 Passagiere und Besatzungsmitglieder Darunter befanden sich nach Angaben von Air France 61 Franzosen, 58 Brasilianer und 26 Deutsche. befanden sich laut dem Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) unter den Fluggästen. Am Pariser Flughafen Charles De Gaulle wurde für die Angehörigen ein eingerichtet. kümmert sich ebenfalls ein CareTeam um die Familien und Angehörigen der Opfer.

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Fehler gesehen?

Die Air-France-Flugzeugkatastrophe am Pfingstmontag 2009 wurde nach dem abschliessenden Expertengutachten massgeblich durch Pilotenfehler verursacht. Wie die Unfallermittler mitteilten, war die Crew nach einer Vereisung der Geschwindigkeitssonden mit der grundsätzlich beherrschbaren Situation überfordert.

Sie habe im Cockpit der Airbus-Maschine komplett die Kontrolle verloren, heisst es im Gutachten. Die Maschine vom Typ Airbus A330-200 stürzte darauf ins Meer. 228 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen drei Schweizer. Sie waren auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris, als die Maschine in 11 000 Metern Höhe in ein schweres Gewitter geriet und die Sonden vereisten.

Ko-Piloten waren «verloren»

Eine Geschwindigkeitsmessung wurde dadurch fast unmöglich. Die beiden Ko-Piloten im Cockpit hatten keine Ausbildung für eine solche Extremsituation. Das Ergebnis: Die Maschine stürzte wie ein Stein ins Meer.

Die Daten der erst im Frühjahr 2011 aus 4000 Metern Tiefe geborgenen Flugschreiber hatten ergeben, dass die Piloten vor allem auf Warnungen über einen Strömungsabriss an den Tragflächen falsch reagiert hatten. Zudem gaben gemäss Bericht der französischen Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA) die Bordgeräte auch falsche Anweisungen.

«Die Besatzung war in der Lage praktisch völlig verloren», sagte der BEA-Ermittlungsleiter Alain Bouillard am Donnerstag vor den Medien in Le Bourget bei Paris. Es habe keine genauen Anweisungen für einen solchen Fall gegeben.

25 Empfehlungen

In ihrem Abschlusspapier gibt die BEA 25 neue Empfehlungen, wie die Flugsicherheit verbessert werden kann. Dazu gehören acht Empfehlungen für eine bessere Ausbildung von Piloten.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus versicherte umgehend, er werde die Empfehlungen umsetzen. Die fehlerhaften Sensoren der Firma Thales waren bereits kurz nach dem Absturz bei anderen Flugzeugen ausgewechselt worden.

Für Airbus und die angeschlagene französische Fluggesellschaft Air France geht es auch um wirtschaftliche Interessen. Seit Frühjahr 2011 ermittelt die französische Justiz gegen beide wegen fahrlässiger Tötung.

BEA-Chef Jean-Paul Troadec betonte am Donnerstag, es sei nicht Aufgabe seiner Behörde, die Verantwortlichen zu benennen. Dies sei Sache der Justiz.

Problem war schon früher bekannt

Die BEA wollte sich auch nicht konkret dazu äussern, ob die Fehler der Piloten auf unzureichende Schulung oder Fahrlässigkeit zurückzuführen waren. Air France wies bereits jede Schuld zurück und verwies auf die «äusseren Umstände», die eine bessere Reaktion der Piloten verhindert hätten.

Auf die Tatsache, dass bereits seit 2004 - fünf Jahre vor dem Absturz - die Probleme mit den Geschwindigkeitssensoren bekannt waren, geht der BEA-Abschlussbericht nicht ein.

Diesen Punkt greift ein am Mittwoch bekannt gewordener Bericht auf, den Untersuchungsrichterin Silvia Zimmermann in Auftrag gegeben hatte. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) habe es aber nicht für nötig gehalten, etwas dagegen zu unternehmen, heisst es darin.

Angehörige kritisieren BEA

Angehörige äusserten deshalb Zweifel an der Unabhängigkeit der BEA. Seiner Meinung nach sei es dieser darum gegangen, die Luftfahrtindustrie nicht allzu sehr zu belasten, sagte der Vorsitzende der deutschen Hinterbliebenen-Vereinigung Hiop AF 447, Bernd Gans. Beim Absturz waren auch 28 Deutsche gestorben.

«Das Drama des Flugs AF447 war kein Zufall. Es war vermeidbar und darf sich nie mehr wiederholen», forderte er. Auch Dominique Soulas von der französischen Vereinigung «Entreaide et Solidarité» forderte eine rasche Umsetzung der Sicherheitsempfehlungen.

Wie es zum Absturz kam (Video: CNN)

(sda/ap)