24. Dezember 2006 22:37; Akt: 24.12.2006 22:44 Print

Pinochets Rechtfertigung

Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet hat in einem posthum veröffentlichten Brief den Putsch von 1973 als letzte Rettung des Landes gerechtfertigt. Hinrichtungen und willkürliche Verhaftungen seien nicht zu vermeiden gewesen.

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Unter den selben Umständen würde er wieder so handeln, nur mit «mehr Weisheit», stand in dem Schreiben, das am Sonntag von seiner Familie veröffentlicht und in mehreren chilenischen Zeitungen abgedruckt wurde.

Bedauern äusserte Pinochet nicht. Er sei vielmehr stolz auf seine «enorme Anstrengung», die Marxisten und Leninisten vor der Machtergreifung in Chile gestoppt zu haben. Mit seinem Putsch gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende habe er das südamerikanische Land 1973 auch vor einem Bürgerkrieg bewahrt.

Methoden «notwendig»

«Die Anwendung verschiedener Methoden der militärischen Kontrolle wie vorübergehende Inhaftierungen, offizielle Verbannungen sowie Hinrichtungen durch Militärgerichte waren notwendig», erklärte Pinochet in dem Schreiben.

Während Pinochets Zeit als Diktator (1973-1990) wurden mindestens 3500 Regimegegner und Andersdenkende umgebracht oder verschwanden nach ihrer Festnahme. Zehntausende Menschen wurden gefoltert. Pinochet wurde für die Verbrechen nie verurteilt.

Vor zwei Jahren geschrieben

Am 10. Dezember starb Pinochet an den Folgen eines Herzinfarktes im Alter von 91 Jahren. In dem nach Angaben der Stiftung Pinochet bereits vor zwei Jahren geschriebenen Brief «an alle Chilenen, ohne Ausnahme» legte der Ex-Diktator fest, dass das Schreiben erst nach seinem Tode veröffentlicht werden dürfe.

«Ich möchte mich von Ihnen verabschieden, mit aller Herzlichkeit und Zuneigung. Ich verstehe, dass das für viele unverständlich ist. Aber es ist so», stand in dem Brief.

(sda)