Als «Schlampe» bezeichnet

05. Dezember 2018 08:40; Akt: 05.12.2018 08:46 Print

Politiker lästern über behinderte Aktivistin

In einer Bar in Island haben sich einige Parlamentarier über eine schwerbehinderte Frau lustig gemacht. Diese leidet unter einer seltenen Krankheit. Die Bevölkerung ist empört.

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Am 20. November trafen sich einige Parlamentarier in einer Bar in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Dort zogen sie boshaft über die schwerbehinderte Freyja Haraldsdottir her. Wie lokale Medien berichteten, befand sich auch Ex-Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson in der Runde.

Die ehemalige Parlamentarierin Haraldsdottir setzt sich für die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigung ein. Die Aktivistin leidet an der seltenen Glasknochenkrankheit und kann sich nur liegend in einem elektrischen Rollstuhl fortbewegen.

Seehundgeräusche gemacht

Die Gruppe von Parlamentsabgeordneten bezeichneten Haraldsdottir mehrfach als «Schlampe». Einer von ihnen soll sogar Seehundgeräusche gemacht und damit die Frau imitiert haben, wie Iceland Monitor berichtet.

Ein Bargast hat die derbe Unterhaltung mitangehört und sie mit seinem Handy aufgenommen. Die Aufnahmen spielte er lokalen Medien zu. Danach gingen sie viral. Die sexistische und beleidigende Konversation der Parteimitglieder zog sich über drei Stunden hin.

Rücktritt gefordert

Islands Bevölkerung ist geschockt und empört. Am Samstag haben sich rund 1000 Personen vor dem Parlament versammelt und den Rücktritt der Politiker gefordert, wie BBC berichtet.

Vier von sechs Involvierten haben inzwischen eine Entschuldigung verfasst, die dann von der Presse publiziert wurde. «Es war nicht unsere Absicht, jemanden zu verletzen, und es ist klar, dass diese Unterhaltung unentschuldbar ist», heisst es in dem Schreiben. Die Entschuldigung richtet sich auch an Familienmitglieder und Parteikollegen: «Wir werden unsere Lehre daraus ziehen.»

Haraldsdottir lehnt Entschuldigung ab

Ex-Premier Sigmundur David Gunnlaugsson hat sich den Berichten zufolge telefonisch bei Haraldsdottir gemeldet und sich entschuldigt. Zu den angeblichen Seehundgeräuschen, die einer der Parlamentariar gemacht haben soll, sagte er, dies sei das Geräusch eines Stuhls gewesen, der gerade verschoben worden sei.

Auf Facebook schreibt die Aktivistin, dass sie diese Entschuldigung nicht akzeptieren werde. «Es gibt tausendundeine Möglichkeit, Meinungsverschiedenheiten auszudrücken – aber nicht, indem man sich über den Körper und das Aussehen einer Frau lustig macht.»

Von Partei ausgeschlossen

Auch für Bryndis Snaebjörnsdottir, Vorsitzende der Behindertenorganisation «Throskahjalp» steht fest, dass die involvierten Politiker das Parlament verlassen müssen. Bislang hat jedoch noch keiner den Rücktritt angekündigt.

Zwei der in die Konversation involvierten Mitglieder wurden von der «Peoples Party» ausgeschlossen, wie BBC weiter schreibt. Ihr Plan sei jedoch, als Unabhängige im Parlament zu bleiben.

(kat)