Kundgebung in Madrid

13. Mai 2012 09:08; Akt: 13.05.2012 10:16 Print

Polizei löst «Empörten»-Demo auf

Spanien wurde von der Finanzkrise hart getroffen, fast 25 Prozent sind arbeitslos. Tausende Menschen gingen auf Strasse um gegen die Sparpolitik zu demonstrieren. Am Morgen schritt die Polizei ein.

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Wie hier in Barcelona gingen am 12. Mai in ganz Spanien tausende «Empörte» auf die Strassen. (Bild: Reuters)

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Die spanische Polizei hat am Sonntag mehrere Kundgebungen von Anhängern der Protestbewegung der «Empörten» aufgelöst. In Madrid vertrieben die Beamten in den frühen Morgenstunden mehrere hundert Demonstranten vom Platz Puerta del Sol im Zentrum der Hauptstadt. Nach Polizeiangaben gab es 18 Festnahmen.

Die Sicherheitskräfte wollten mit der Aktion verhindern, dass die Demonstranten auf dem Platz wie vor einem Jahr eine Zeltstadt errichten. Auch in Valencia, Cádiz und Palma de Mallorca löste die Polizei nächtliche Kundgebungen auf.

Zehntausende auf den Strassen

Aus Frust über strenge Sparmassnahmen der Regierung und hohe Arbeitslosigkeit sind am Samstag zehntausende Menschen in Spanien auf die Strasse gegangen. In Madrid strömten mindestens 30 000 Demonstranten am Samstagabend auf dem Platz Puerta del Sol zusammen und kündigten an, drei Tage bleiben zu wollen. Die Behörden erklärten zuvor, Zeltlager über Nacht würden nicht erlaubt. Auch nach Verstreichen einer für Mitternacht gesetzten Frist verharrten die Kundgebungsteilnehmer auf dem Platz. Die mehr als 2 000 Bereitschaftspolizisten versuchten jedoch zunächst nicht, sie zu vertreiben.

«Ich bin hier, um die Rechte zu verteidigen, die wir verloren haben - und für die jungen Leute, die es so schwer haben», erklärte der 57-jährige Lehrer Roberto Alonso. «Sie sind besser ausgebildet als jemals zuvor. Aber sie haben keine Arbeit. Sie haben gar nichts.»

Weitere Protestmärsche gab es in Barcelona, wo 22.000 Menschen demonstrierten, und in Bilbao, Malaga und Sevilla. Das spanische Innenministerium gab die Zahl der Demonstranten mit 72.000 an. Die Protestler erklärten jedoch, die Teilnehmerzahl sei viel höher ausgefallen.

Der 27-jährige Student Javier Colilla erklärte, er wolle protestieren, weil er das Gefühl habe, die wirtschaftliche Lage gerate völlig ausser Kontrolle. «Diese Krise dauert nun schon vier Jahre, aber es scheint, als würde sie erst beginnen», sagte er. Colilla lebt noch bei seinen Eltern und rechnet nicht damit, nach dem Abschluss eine Anstellung zu finden. «Derzeit denke ich, meine beste Option besteht darin, nach Deutschland zu gehen, wo ich als Tellerwäscher arbeiten, ein wenig Geld verdienen und Deutsch lernen kann», erklärte er. «Die Aussichten auf einen Job in Spanien sind praktisch nicht existent.»

Beginn der Protestaktionen vor einem Jahr

Die Demonstranten erinnerten auch an den Beginn der Protestaktionen vor einem Jahr. Damals beteiligten sich Hunderttausende an den Demonstrationen, campierten auf öffentlichen Plätzen vieler Städte und inspirierten andere Aktivisten in Europa. «Wir sind hier, um den Jahrestag seit dem Beginn der Bewegung zu feiern», sagte die Aktivistin Ana Pancorvo in Madrid. «Obwohl wir einiges erreicht haben, ist die Lage jetzt viel schlimmer, also müssen wir weiter kämpfen.»

Die Arbeitslosigkeit in Spanien beträgt fast 25 Prozent und ist damit die höchste in der Eurozone. Von den jungen Leuten unter 25 hat jeder zweite keine Arbeit. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat Sparmassnahmen beschlossen, um die Schuldenlast zu reduzieren. Zudem geht die Angst um, dass auch Spanien wie Griechenland, Irland und Portugal unter einen finanziellen Rettungsschirm schlüpfen muss.

Zu ähnlichen Protesten kam es am Samstag auch in anderen europäischen Städten, darunter Berlin, London, Brüssel und Lissabon. Die Demonstranten forderten unter anderem eine weltweite Steuerabgabe auf Finanztransaktionen sowie weitere demokratisch ausgerichtete Finanzbehörden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 13.05.2012 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nehmen ohne geben?

    Von nichts kommt nichts. Verlorene Rechte ist nett aber wer nicht arbeitet kann auch nicht essen. Und immer nur dem Staat die Schuld zuschieben ist einfach. Mehr Eigeninitiative ist gefragt. Sie sollen Firmen gruenden und selber das Risiko tragen. Der Staat soll nur das Klima und die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Gilt auch fuer Grichenland. Man kann nicht mehr nehmen als man gibt. Das ist auch als "Energie-erhaltungs-satz" bekannt.

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  • Abbas Schumacher am 13.05.2012 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Spanien selber schuld!

    Will man ein Haus, oder Geschäft kaufen, geht es nie ohne Anwalt. Das Kaufen ist so kompliziert mit den Zusatzzahlungen, wo man nie weiss wie hoch sie sind. Aber das passt zu König und seiner Hochwildjagd.

  • Fabri am 13.05.2012 02:54 Report Diesen Beitrag melden

    Das kommt davon...

    Wenn man zuviel feiert, schläft, streikt, in den Tag hinein lebt, das Vergnügen vor die Arbeit stellt usw... Und dann werden die Deutschen noch beschimpft weil sie einem das Geld nicht ohne Bedingungen in den Rachen schmeissen, zzzz, der EU-Norden verdient es dort zu stehen wo er ist und selbiges gilt für den Süden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • LieBot am 13.05.2012 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Olee

    Guten Morgen IWF, gute Nacht Demokratie.

  • Robo Bono am 13.05.2012 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk muss das Zepter übernehmen

    Glaube die Jungen müssten eigentlich einen Frust gegen die älteren Generationen haben. Die haben jahrelange alle miteinander über den Verhältnisse gelebt. Es ist einfach, Politiker zu wählen, die einfach Geld verteilen. Es braucht vermutlich viel mehr Staatsakunde für das Volk. Auch wenn Spanien ein Königshaus hat, der Souverän ist das Volk. Solange das Volk die Verantwortung nicht annimmt funktioniert kein Staat. Die Politiker handeln, wie überall, sowieso nur nach eigenem Vorteil. Von Berufs Politiker darf man überhaupt nichts erwarten. Die haben die Realität längstens verloren.

    • Ri Kr am 13.05.2012 17:18 Report Diesen Beitrag melden

      Systemisches Problem

      Das ist ein systematisches Problem. Etwa alle 50-80 Jahre bricht das System zusammen, je nach dem wie hoch der Zins ist. Das Geldvermögen und damit auch die Schulden nehmen exponentiell zu, ist also eine Kurve die immer schneller nach oben/unten geht. Da können selbst die Politiker nichts dafür, erst recht nicht wenn sie bald in der Finanzdiktatur (Stichwort: ESM-Vertrag) namens EU sind. Einzige Lösung ist ein Reset sprich alle Schulden tilgen und von Null anfangen, bis das System wieder zusammenbricht in 70 Jahren (falls sich nichts ändert..)

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  • Fritz Müller am 13.05.2012 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    Viva españa!!! Aber die Fiestas sind immer noch die allerbesten;))

    • torrero am 13.05.2012 15:20 Report Diesen Beitrag melden

      sangria.

      ja, aber lieber in villa bacho und nicht in villa riba, gell...

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  • Realist am 13.05.2012 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nehmen ohne geben?

    Von nichts kommt nichts. Verlorene Rechte ist nett aber wer nicht arbeitet kann auch nicht essen. Und immer nur dem Staat die Schuld zuschieben ist einfach. Mehr Eigeninitiative ist gefragt. Sie sollen Firmen gruenden und selber das Risiko tragen. Der Staat soll nur das Klima und die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Gilt auch fuer Grichenland. Man kann nicht mehr nehmen als man gibt. Das ist auch als "Energie-erhaltungs-satz" bekannt.

    • von mir am 13.05.2012 15:23 Report Diesen Beitrag melden

      Realist?

      Wenn man sich in die richtige Wiege gelegt hat, kann man locker solche Sprüche wagen. Auch für Firmengründung etc. braucht man das nötige Startkakpital.

    • Robo Bono am 13.05.2012 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      @von mir aus

      Geld war sehr viel und vorallem billig zu haben. Aber vom Staat zu leben, ist halt viel einfacher und risikolos. So sieht es in Spanien aus. Vergleiche es einfach mit Griechenland.

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  • El Loco am 13.05.2012 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Theoretisch wäre spanien gut

    Irgend etwas läuft schief 25% ohne Job. Irgendwie komisch, Tomaten,Erdbeeren, Fleisch & Wein Exportiert Spanien nach ganz Europa, Feriengäste vorallem aus D &GB bringen auch Geld. Aber Spanien Produziert auch Autos (ist zwar WV Konzern ) und ist ein Hauptlieferant für Airbus und stellt selbst erfolgreich Flugzeuge her, dazu noch die guten verbindungen zu den meisten Süd&mittelamerikanischen Staaten. Da wundert man sich schon warum das es 25% der spaniern so mies geht.