Russland

14. Dezember 2008 13:18; Akt: 15.12.2008 16:23 Print

Polizei nimmt Dutzende Kremlkritiker fest

Einen Tag nach der Gründung eines Bündnisses der russischen Opposition sind bei einer nicht genehmigten Kundgebung in Moskau Dutzende Demonstranten festgenommen worden.

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Auf dem zentralen Triumfalnaja-Platz sowie in einer angrenzenden Strasse wurden am Sonntag mehrere Dutzend Demonstranten in Gewahrsam genommen, wie Reporter westlicher Medien berichteten. Ein Polizeisprecher bestätigte dies, ohne die genaue Zahl der Festnahmen zu nennen.

Der Oppositionsführer und ehemalige Schach-Weltmeister Garri Kasparow hatte zusammen mit anderen Regierungskritikern zu einem «Marsch der Andersdenkenden» vom Triumfalnaja-Platz aus aufgerufen.

Die Oppositionellen protestierten gegen die Politik des Kreml in der Finanzkrise sowie gegen die aktuelle Verfassungsänderung zugunsten des Präsidenten, der künftig für sechs statt vier Jahre gewählt wird.

Augenzeugen berichteten von grober Gewalt durch die Sonderpolizei OMON gegen die Demonstranten. Auch in St. Petersburg kam es bei dem so genannten Marsch der Dissidenten zu mehreren Festnahmen.

Laut der Internetseite kasparov.ru wurde auch der Schriftsteller Eduard Limonow in Polizeigewahrsam genommen. Die OMON-Kräfte nahmen in Moskau laut Medien ausserdem etwa 50 ehemalige Offiziere gewaltsam fest, die sich der Demonstration von Kasparows Bewegung «Das andere Russland» anschliessen wollten.

Mehr als 100 Kreml-Gegner hatten am Samstag im Moskauer Vorort Chimki das Oppositionsbündnis «Solidarnost» (Solidarität) gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte Kasparow, der die Oppositionspartei Anderes Russland führt.

Oberstes Ziel der neuen Bewegung sei die Ablösung der Regierung von Ministerpräsident Wladimir Putin und Präsident Dmitri Medwedew, sagte Kasparow in seiner Rede. Dies sei die einzige Möglichkeit, um in Russland wieder für Freiheit und politischen Wettbewerb zu sorgen.

(sda)