Unglücksfähre «Sewol»

26. Juli 2014 03:22; Akt: 26.07.2014 03:22 Print

Polizei nimmt Sohn des Schiff-Besitzers fest

Die südkoreanische Fähre «Sewol» kenterte Mitte April mit 476 Menschen an Bord. Die Polizei hat nun den Sohn des Schiffseigners festgenommen.

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Der Kapitän der verunglückten «Sewol»-Fähre wurde amzu lebenslanger Haft verurteilt. Dies, nachdem er im November 2014 von einem Bezirksgericht zu 36 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Am verurteilt ein Gericht in Südkorea den Chef einer Reederei wegen des verheerenden Untergangs der Fähre «Sewol» zu zehn Jahren Haft. Fast die gesamte Mannschaft der gesunkenen Fähre Sewol wurde festgenommen. Laut Staatsanwalt müssen sie sich wegen Fahrlässigkeit und unterlassener Hilfeleistung verantworten. Das Servicepersonal bleibt auf freiem Fuss. Auf der Suche nach den Opfern des Fährunglücks müssen diese Taucher Korridore und Kabinen abtauchen. Offenbar sind gewisse Orte im Innern des Schiffes so unzugänglich geworden, dass unter Wasser auch Wände eingerissen werden müssen. Taucher Hwang Dae-sik und sein Team haben 14 Tote bergen können. Ihre Arbeit ist noch lange nicht getan: Noch werden über 110 Menschen im Innern des Schiffes vermutet. «Wir sind darauf spezialisiert, in schwierigen Verhältnissen zu tauchen. Aber es ist schwer, mutig zu sein, wenn du im dunklen Wasser auf Leichen stösst.» Fehlentscheidungen und Unentschlossenheit an Bord der Sewol - aber auch in der Politik - führten zur Katastrophe: Am sank die Fähre mit 476 Personen an Bord. Der Kapitän Lee Jung-seok wartete erst mal ab und ordnete dann fatalerweise an, dass sich die Passagiere nicht von der Stelle rühren sollten. Danach wurde nicht etwa ein Notsignal abgegeben, sondern ein Crew-Mitglied rief die - falsche - Küstenwache an. Dadurch verzögerte sich die Rettung erneut. Auszüge aus der Kommunikation zwischen dem Maat der Sewol und der Küstenwache von Jindo zeigen schliesslich: Der Seemann war in Panik und ohne Chef nicht handlungsfähig. Statt Fragen zu beantworten, wollte er immer wieder wissen, ob Rettung unterwegs sei. Diese Auszüge zeigen auch, dass zumindest einzelne Crewmitglieder unzureichend auf einen Notfall vorbereitet waren. Wer dafür letzten Endes verantwortlich ist, wird sich erst noch herausstellen. (Bild: Bojen zeigen an, wo sich die untergegangene Sewol befindet.) An Land sieht die Situation nicht weniger chaotisch aus. Der Katastrophenschutz von Südkorea war dem Unglück der Sewol nicht gewachsen. Nicht weniger als vier Ministerien haben sogenannte Notfallpläne. Doch die Kommunikation zwischen den einzelnen Ämtern artete zum Desaster aus. (Bild: Präsidentin Park Geun-hye an einer Sitzung.) Ein koordiniertes Handeln war unmöglich. (Bild: Präsidentin Park besucht die wartenden Angehörigen der Opfer.) Fazit: Auch die Regierung und die Rettungskräfte müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass wertvolle Zeit verloren ging. (Bild: Premierminister Chung Hong-won wird von wütenden Angehörigen attackiert.)

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Im Rahmen ihrer Ermittlungen zum Unglück der Fähre «Sewol» hat die südkoreanische Polizei den Sohn des Eigners, Yoo Dae-Kyun, festgenommen. Der seit Wochen flüchtige 44-Jährige sei in einem Vorort von Seoul gefasst worden, teilten die Behörden am Freitag mit.

Von ihm erhoffen sich die Ermittler weiteren Aufschluss über die Hintergründe des Schiffsunglücks. Sie vermuten, dass neben Inkompetenz der Besatzung auch Missmanagement des Schiffseigners sowie mangelnde Kontrolle der Behörden zum Untergang der Fähre geführt hatten.

Wochenlang stand der Patriarch der Reederei Chonghaejin Marine Co., Yoo Byung Eun, im Mittelpunkt der Ermittlungen. An der Suche nach dem 73-Jährigen beteiligten sich tausende Soldaten und Polizisten, dabei war er bereits seit Wochen tot.

Frau und Tochter ebenfalls inhaftiert

Am Dienstag gab die Polizei bekannt, dass seine stark verweste Leiche bereits am 12. Juni in einem Feld gefunden, aber erst jetzt identifiziert worden war. Die Todesursache konnte bis Freitag nicht festgestellt werden.

Zwischenzeitlich waren Yoos Frau und ihre in Paris lebende Tochter inhaftiert worden, nach dem Sohn wurde ebenfalls lange gefahndet. Wegen der schweren Ermittlungspanne mussten zwei ranghohe Polizisten und ein Staatsanwalt inzwischen ihren Hut nehmen.

Die «Sewol» war Mitte April mit 476 Menschen an Bord gekentert, nur 174 Insassen konnten gerettet werden. Die meisten Opfer waren Schüler auf einem Schulausflug.


(sda)