Explosive Lage

19. August 2014 02:54; Akt: 19.08.2014 11:13 Print

Polizei nimmt deutsche Reporter in Ferguson fest

Die Spannungen in der US-Kleinstadt Ferguson halten an. Die Polizei nahm am Montagnachmittag vorübergehend auch Journalisten fest. Obama ruft beide Seiten zur Mässigung auf.

Bildstrecke im Grossformat »
47 Personen wurden in der Nacht vom 19. auf den 20. August in Ferguson verhaftet. Die Demonstranten hatten Wasserflaschen auf die Polizei geworfen. Am Abend des 19. August protestieren die Bewohner von Ferguson zuerst friedlich gegen die brutale Vorgehensweise der Polizei gegen Afro-Amerikaner. Die Polizei verhaftet Demonstranten nach gewalttätigen Auseinandersetzungen am Morgen des in Ferguson. Die Polizei setzt am 17. August Tränengas ein, um eine Menschenmenge aufzulösen. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, rief am für die Stadt Ferguson den Notstand aus und verhängte eine nächtliche Ausgangssperre. Nachdem amder 18-jährige Michael Brown von Polizisten erschossen worden war, gingen die Menschen in Ferguson, Missouri, auf die Strasse und demonstrierten. Als die Pressekonferenz abgehalten wurde, versammelten sich Hunderte Menschen vor dem Polizeihauptquartier in Ferguson. Einige von ihnen marschierten mit erhobenen Händen zu einem nahegelegenen Polizeigebäude und skandierten «Erschiesst mich nicht!». Zuvor hatten Polizisten und Aktivisten versucht, die wütenden Demonstranten zu beruhigen. Später kamen einige Tausend Menschen zu einer Nachtwache am Tatort zusammen. Während Tausende auf den Strassen gegen die Polizei demonstrierten, räumten Plünderer in der Nachbarschaft Läden aus. Skrupellos nahmen sie alles mit. Lesley McSpadden trauert mit ihrem Mann Louis um ihren 18-jährigen Sohn. Michaels Stiefvater Louis Head demonstriert vor der Polizeistation in Ferguson. Freunde und Nachbarn trauern um Michael.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unter den festgenommenen Journalisten sind auch zwei deutsche Reporter. Die Polizei wirft ihnen vor, sich Anweisungen widersetzt zu haben. Einer der Festgenommenen schreibt für die «Welt»-Gruppe, wie «Die Welt» mitteilt. Ein weiterer Journalist arbeitet für deutsche Regionalzeitungen. Die beiden seien in Handschellen abgeführt und ins Gefängnis gebracht worden. Drei Stunden später wurden sie freigelassen.

Nach Darstellung der Reporter nahm die Polizei sie fest, weil sie auf der Strasse stehengeblieben sein sollen, obwohl sie von Polizisten zum Weitergehen aufgefordert worden waren. Die beiden bestreiten den Vorwurf und werfen der Polizei ihrerseits vor, sie eingeschüchtert und bei ihren Recherchen behindert zu haben.

Sie sprachen von einer «eklatanten Verletzung der Pressefreiheit». Die Polizei in Ferguson war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Kritik an Verhalten gegenüber Medien

Auch ein Fotograf der Bildagentur Getty Images wurde abgeführt. Die Umstände dieser Festnahme sind noch unklar. Das Vorgehen der Polizei gegen Journalisten war in den vergangenen Tagen kritisiert worden. Zwei Reporter waren etwa in einem Fast-Food-Restaurant festgenommen worden, darunter ein Journalist der «Washington Post». Ein Kamera-Team soll von der Arbeit abgehalten worden sein.

In einer Rede vor Journalisten hatte US-Präsident Barack Obama am Montag unter anderem gesagt, dass friedliche Proteste zulässig seien und dass Journalisten das verfassungsmässig verbriefte Recht hätten, über Unruhen zu berichten.

Obama ruft zur Mässigung auf

Nach den tagelangen Unruhen hat US-Präsident Barack Obama die Demonstranten wie auch die Polizei zur Zurückhaltung aufgerufen. Er verstehe die Wut der Menschen, sagte Obama weiter. Ihr jedoch «durch Plünderungen, dem Tragen von Schusswaffen oder gar Angriffe auf die Polizei» nachzugeben, erhöhe nur die Spannungen und führe zu Chaos. Umgekehrt gebe es keine Entschuldigung für ein unnötig hartes Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Angesichts der explosiven Lage in Ferguson schickt Präsident Barack Obama seinen Justizminister Eric Holder in die Kleinstadt im US-Staat Missouri. Dort werde sich Holder diese Woche mit FBI-Agenten treffen, die unabhängig im Fall Michael Brown ermittelten, sagte Obama am Montag vor Reportern in Washington.

Obama sagte, er werde die Aktionen der Nationalgarde in den kommenden Tagen daraufhin prüfen, ob sie der Sache helfen oder eher schaden würden. Zudem habe er Nixon klargemacht, dass die Operation einen begrenzten Umfang haben müsse.

Aufruf von Ban Ki-Moon

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon hatte die US-Behörden zur Achtung des Demonstrationsrechts aufgefordert. Die Versammlungs- und die Redefreiheit müsste gewahrt werden, sagte ein Sprecher Bans am in New York.

Nach tagelangen Auseinandersetzungen um den Tod eines schwarzen Teenagers kommt in Ferguson die Nationalgarde zum Einsatz. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, unterzeichnete am frühen Montagmorgen eine entsprechende Anordnung. Die Ausgangssperre, die in den vergangenen zwei Nächten gegolten hatte, hob Nixon indes auf.

(sda)