Affenhaus-Brand

15. Januar 2020 15:17; Akt: 15.01.2020 16:00 Print

Polizist musste verletzten Gorilla erschiessen

Der Schock nach dem Brand im Krefelder Zoo sitzt noch tief. Jetzt zeigt ein Bericht, wie schlimm die Nacht auch für die Einsatzkräfte und das Personal war.

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Ein 34-jähriger Polizist musste einen schwerverletzten Gorilla nach dem Brand im Krefelder Zoo mit einem Maschinengewehr erschiessen. Dies geht aus einem Bericht hervor, der dem Landtag Nordrhein-Westfalen vorliegt. Einsatzkräften und dem Personal sei nach der Katastrophe psychologische Betreuung angeboten worden. Nach dem Flammeninferno, bei dem 30 Tiere starben, öffnet der Krefelder Zoo wieder seine Tore. Teile des Zoos sind für Besucher abgesperrt. Der Zoo will eine Art Katastrophentourismus verhindern. Eine Beerdigung der Tiere soll nicht stattfinden. Auslöser des Feuers waren vermutlich Himmelslaternen. Die Anteilnahme in Krefeld ist nach dem Tod von mehreren Affen gross. Die Polizei ermittelt nun gegen eine Mutter und ihre zwei Töchter. Nur das Gerippe des Affenhauses ist noch übrig. Unter Tränen stellten vor dem Eingang zahlreiche Menschen Fotos von Affen auf. Bis zum Mittwochnachmittag war es eine grosse Menge von Blumen, Kerzen und Stofftieren. «Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock», sagt Zoodirektor Wolfgang Dressen. Ein Feuer hat in der Nacht zum Mittwoch das Affenhaus im Zoo von Krefeld in Nordrhein-Westfalen zerstört. Erste Notrufe seien bei der Feuerwehr 35 Minuten nach Mitternacht eingegangen, sagte Einsatzleiter Kai Günther (nicht im Bild). Die Feuerwehr sei innerhalb von fünf Minuten vor Ort gewesen und habe das Affenhaus «im Vollbrand» vorgefunden. Ein Übergreifen auf angrenzende Zooteile wurde verhindert. Das Affenhaus wurde jedoch komplett zerstört. Am Affenhaus war «nichts mehr zu retten». Eigentlich sei davon auszugehen gewesen, dass kein Tier das Feuer überleben könne, sagte der Einsatzleiter weiter. Nachdem sie jedoch Geräusche aus dem Gebäude gehört hätten, seien Feuerwehrleute gemeinsam mit Zoomitarbeitern hineingegangen. «Es grenzt an ein Wunder: Zwei Schimpansen haben diesen Feuermoloch überlebt», sagte Zoodirektor Dressen. Dabei handle es sich um das ältere Weibchen Bally und das junge Männchen Limbo. Tödlich endete der Brand für mehr als 30 Tiere. Die Polizei vermutet fahrlässige Brandstiftung.

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Beim Brand im Affenhaus im Krefelder Zoo sind in der Silvesternacht 30 Tiere ums Leben gekommen. Am Morgen danach fanden die Einsatzkräfte zwei schwerverletzte Tiere vor. Eines davon, ein Orang-Utan-Weibchen, konnte durch eine Tierärztin eingeschläfert werden. Beim zweiten Tier gelang ihr dies nicht. Der Gorilla musste von einem Polizisten mit einem Maschinenpistole erschossen werden, wie die «Bild» schreibt.

Dies gehe aus einem Bericht hervor, der dem Landtag in Nordrhein-Westfalen vorgelegt worden sei. Demzufolge hätten sich bereits während des Brandes Polizisten mit Maschinenpistolen rund um das Affenhaus in Stellung gebracht, um notfalls verletzte oder panische Tiere zum Schutz der Einsatzkräfte aufzuhalten.

Unklar ist, ob es sich bei dem erschossenen Tier um den ältesten Zuchtgorilla Europas handelt. In den Flammen starben laut deutschen Medien unter anderem fünf Orang-Utans, zwei Flachlandgorillas und ein Schimpanse. Zwei weitere Schimpansen überlebten das Unglück. Auch eine siebenköpfige Gorillafamilie in einem angrenzenden Gehege blieb verschont.

Hohe emotionale Belastung

Mit dem 34-jährigen Polizisten, der den Gorilla erschiessen musste, seien in den Tagen danach intensive Gespräche geführt worden. Die emotionale Belastung beim Zoopersonal und den Einsatzkräften sei immens gewesen, heisst es im Bericht weiter. Den Betroffenen sei psychologische Betreuung angeboten worden.

Derzeit wird gegen drei Frauen wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Ausserdem müssen die Verantwortlichen allenfalls für den Millionenschaden am Zoo aufkommen.


(kat)