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21. Januar 2015 19:15; Akt: 21.01.2015 19:50 Print

Poroschenko bringt den Krieg nach Davos

Wohlinszenierter Auftritt in Davos: Am Weltwirtschaftsforum zeigte der Präsident der Ukraine das durchlöcherte Teil eines Busses, in dem kürzlich zwölf Menschen gestorben waren.

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Petro Poroschenko präsentiert am WEF in Davos eine durchlöcherte Blechplatte.

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In einer bewegenden Rede zeigte der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, dem Publikum am Weltwirtschaftsforum (WEF) ein durchschossenes, gelbes Blechstück. Dies seien Reste des Beschusses auf den Bus, bei dem im Ort Wolnowacha kürzlich zwölf Zivilisten getötet worden seien, darunter ein 15-jähriges Mädchen.

Für den Anschlag Mitte Januar wurden prorussische Separatisten verantwortlich gemacht, die den Vorwurf aber zurückweisen.

Das Blechstück sei ein Symbol gegen Terror. Es mache für ihn die gleiche Aussage wie die Tafeln mit den Aufschriften «Ich bin Charlie». Der Staatsmann trug einen Anstecker mit dem Slogan «Je suis Wolnowacha». Für ihn sei indes klar, dass die Ukraine ein Land sei, das geeint sein wolle, meinte Poroschenko.

Ein Land, das sich verändert hat

Für den Präsidenten der Ukraine war der Kurzbesuch in Davos offenbar wichtig, um künftige Investitionen in sein Land zu sichern. Mindestens 600 Millionen Dollar seien ihm zugesichert worden, sagte er am WEF.

Die Investitionen kämen aus der EU, den USA und Kanada. Auch aus der Schweiz habe er grundsätzlich positive Signale erhalten.

Aus der ganzen Welt spüre er Solidarität und er spüre diese auch in Davos, sagte er am Mittwochnachmittag in seiner Rede. Er sei ein Präsident des Friedens und wolle die Ukraine zu einem Land machen, in das investiert werden könne und in dem es keine Korruption gebe.

Die Ukraine arbeite an Reformen, um das Investitionsklima zu verbessern, und sei auf gutem Weg, sich zu verändern.

Vor einem Jahr, also noch vor seiner Wahl im Mai, habe in der Regierung beispielsweise nur ein Mitglied Englisch gesprochen. Inzwischen seien die Verhältnisse gerade umgekehrt. Das sei ein Symbol des Willens zur Veränderung.

Poroschenko nennt Zahlen

Doch zuerst brauche es eine Waffenruhe. Rund 9000 russische Soldaten und rund 500 Panzer würden sich in der Ukraine befinden. «Wenn das nicht Aggression ist, was ist dann Aggression?», so Poroschenko.

Das Wiederaufflammen der Kämpfe in der Ostukraine bezeichnete er als besorgniserregend und als Terror. Er habe sich darum entschieden, nach seinem offiziellen Auftritt das WEF zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren. Er kündigte die Rückkehr bereits in der Nacht auf Mittwoch an.

(kle/sda)