Fall in Guatemala gelöst

14. Januar 2010 09:47; Akt: 14.01.2010 09:56 Print

Präsident liess Anwalt nicht ermorden

Ein guatemaltekischer Anwalt hatte im Mai Präsident Álvaro Colom in einem Video die Verwicklung in seine Ermordung vorgeworfen. Nun kam eine Kommission zum Schluss: Der Anwalt hatte seinen Tod selbst geplant.

Das Video von Rosenberg. (Quelle: YouTube)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Rodrigo Rosenberg war am 10. Mai 2009 vor seinem Haus mit mehreren Schüssen niedergestreckt worden. Am folgenden Tag erhielten alle wichtigen Medien des Landes ein vor dem Tod des Anwalts aufgenommenes Video, in dem er erklärte, falls ihm etwas zustosse, sei seine Ermordung von Präsident Álvaro Colom in Auftrag gegeben worden. Das Video hatte Guatemala in eine schwere politische Krise gestürzt. Zehntausende Menschen forderten eine Justizreform. Mit durchschnittlich 17 Morden pro Tag hat das zentralamerikanische Land eine der höchsten Gewaltraten der Welt. Nun stellte sich heraus: Alles war inszeniert.

Rosenberg habe über entfernte Angehörige mehrere Auftragsmörder engagiert, um einen angeblichen Erpresser zu töten, sagte der Vorsitzende der von der UNO eingesetzten «Internationalen Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala», Carlos Castresana, am Dienstag in Guatemala-Stadt. In Wirklichkeit sei jedoch er selbst das Ziel des Mordplans gewesen.

Dies hätten die beiden Verwandten nicht gewusst, sagte Castresana. Rosenberg habe sich sogar selber Erpressungsmeldungen von einem anderen Mobiltelefon gesendet. Die Kommission wertete zur Untersuchung des Falls unter anderem tausende von Rosenberg geführte Telefonate mit seinen Angehörigen aus.

Aufopferung oder persönliche Probleme?

Der Fall hatte auch international für Aufsehen gesorgt, weil Präsident Colom mit der Tat in Verbindung gebracht worden war. Die Regierung hatte jedoch jede Verstrickung in Rosenbergs Tod zurückgewiesen und erklärt, mit dem Video werde versucht, den Staatschef in Misskredit zu bringen. Rosenberg war ein prominenter Wirtschaftsanwalt und erklärter Gegner des gemässigt linken Präsidenten.

Laut der Untersuchungskommission hatte Rosenberg das ominöse Video mit Hilfe eines Freundes aufgenommen. Er habe wohl gedacht, ein Mordskandal würde die Öffentlichkeit gegen Coloms Regierung aufbringen, sagte Castresana. «Er hatte sich entschieden, sein Leben für einen Wandel im Land zu opfern.» Es gebe keine andere Erklärung für die Tat.

Gemutmasst wird in der Öffentlichkeit aber auch, dass der Anwalt nach einem schmutzigen Scheidungskrieg, dem Tod seiner Mutter und dem Doppelmord an seiner Geliebten und deren Vater offenbar stark unter persönlichen Problemen gelitten hatte. «Er war verzweifelt», bestätigte Castresana.

(pbl/sda)