Werbeschlacht in den USA

06. Juni 2011 15:35; Akt: 07.06.2011 11:53 Print

Präsidentenwahl goes Hollywood

von Senta Keller - Die ersten Republikaner versuchen, sich als Herausforderer des US-Präsidenten Barack Obama in Stellung zu bringen. Klar ist bereits jetzt: Ohne Hollywood-Dramatik geht gar nichts mehr.

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

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In den USA wird gewählt – zwar erst im Herbst 2012, aber es scheint nie früh genug zu sein, um mit ordentlich Pomp auf sich aufmerksam zu machen. US-Präsident Barack Obama hatte bereits anfangs April bekannt gegeben, dass er eine zweite Amtszeit anstrebt. Sollte sich der Amtsinhaber also nicht noch einen groben Schnitzer erlauben, werden demokratische Anwärter 2012 das Nachsehen haben. Nicht so die Republikaner. Im Kandidatenfeld tummeln sich bereits mehrere aussichtsreiche Politiker.

Um aller Welt zu beweisen, dass sie für das Amt des Präsidenten die ideale Besetzung sind, greifen die potenziellen Kandidaten daher tief in die Trickkiste. Besonders populär zurzeit: Die Inszenierung der eigenen Person in einem Werbespot. Das US-amerikanische Radio «NPR» schreibt auf seiner Homepage denn auch bereits, Washington DC werde das «Hollywood der hässlichen Menschen» genannt. Hässlich sei zwar Ansichtssache, soviel sei aber klar: Der Weg zur Macht führt über Hollywood.

Mit Werbespots auf Stimmenfang

Bester Beweis ist der Werbespot für das Buch «Courage to Stand» des republikanischen Hoffnungsträgers Tim Pawlenty. Mehr Dramatik lässt sich wahrlich kaum in einen Werbespot verpacken. Die Bilder sind geschichtsträchtig und schnell geschnitten. Die Musik ist pathetisch, schwillt an, gewinnt an Kraft und man wähnt sich in einem dunklen Kinosaal bei einem Vorfilm für einen Action-Streifen.

Tim Pawlenty erklärt derweil der Welt die Vereinigten Staaten und es ist völlig klar, dass er der Einzige ist, der das Land aus dem Elend führen kann...

...wenn es da nicht noch den inzwischen offiziellen Kandidaten Mitt Romney gäbe. Gut, an Pathos ist Tim Pawlenty nicht zu überbieten. Dafür greift Mitt Romney auf den Dokumentarfilm-Trick zurück. Romney spricht nie direkt in die Kamera, doch die Kamera ist dabei, als er seinen Anhängern verkündet, dass nur er Amerika nach Obamas miserabler Leistung wieder auf Vordermann bringen könne. Smart schaut er aus mit seinen feschen Haaren, frisch und ungeheuer kompetent.

Romney wählt für seinen Spot den Zeitraffer-Modus, die Wolken ziehen über seine Anhänger hinweg, die Heuballen werden drapiert. Die USA-Flaggen wehen im Wind und die Musik verkündet Zuversicht. Mit Mitt Romney – so viel wird klar – sieht die Welt wieder besser aus. Viel besser.

Eine Million für Palin

Auch die noch-nicht-wirklich-offizielle Kandidatin Sarah Palin lässt sich in Sachen Filmen nichts nehmen. Sie ist die Hauptperson in einem Dokumentarfilm, der eine Million Dollar gekostet hat und in mehr als 50 Supermärkten im ganzen Land gezeigt wird. Grund genug für «NPR» die Frage zu stellen, ob es sich tatsächlich um die Präsidentenwahl 2012 oder nicht vielleicht doch eher um ein Filmfestival handle.

Die Werbungen seien aber sehr gut, sagt Darrell West, der Autor des Buches «Air Wars: Television Advertising in Election Campaigns» gegenüber «NPR». «Sie zeigen einen neuen Trend, der in der Kampagnen-Werbung aufkommt. Die Linie zwischen Politik und Unterhaltung verwischt langsam.»

Inspiriert durch Obama

Inspiriert zu ihren kinoartigen Werbungen wurden die Republikaner vermutlich gar von ihrem jetzigen Gegner Barack Obama. Während des Rennens ums Präsidentenamt im Jahr 2008 liess der jetzige US-Präsident nämlich zur Prime-Time eine halbstündige Sendung ausstrahlen, die laut Darrell West die «Filmversion einer Wahlkampf-Werbung» gewesen sei. Obamas Sendung startet mit düsterer Musik ebenfalls einigermassen dramatisch. Dazu wehen goldgelbe Weizenähren im Wind. Fast so gut wie in der Toppas-Werbung. Anschliessend fängt Obama an, die zahlreichen Probleme aufzuzählen, unter denen die Vereinigten Staaten zu leiden haben. Und ja, auch Obama war damals der Einzige, der die Probleme lösen konnte.

«Wahlkampf verlangt heute die starke Handlung einer Geschichte», sagt West gegenüber NPR. «Es gibt so viele Informationen da draussen. Man braucht wirklich eine starke Geschichte, um durch das Informations-Wirrwarr durchzukommen.» Habe man das aber mit seiner Geschichte geschafft, sei die Belohnung umso grösser. 2008 hätten 80 Prozent der Wähler angegeben, dass das Fernsehen der einfachste Weg für sie sei, etwas über die politischen Kandidaten zu erfahren.

71 Prozent sagten, «politische Werbung hilft mir zu verstehen, wofür ein Kandidat steht». Das sei einer der Gründe, weshalb etwa die Hälfte des Wahlkampf-Budgets immer für TV-Werbung genutzt werde, so West. «Für Kampagnen-Strategen ist klar, dass sogar zu Zeiten des Internets die meisten Menschen ihre Informationen aus dem Fernsehen haben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geo Polito am 07.06.2011 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Uncle Sam

    Wenn 300 Mio Ami's 3 x Bush's wählen, egal mit welchen Wahlfälschungen, ist denen alles zuzumuten.

  • Ricardo Granda am 07.06.2011 03:52 Report Diesen Beitrag melden

    ?????

    Wie gesagt,es wird erst im Herbst 2012 gewählt.

  • Neuhaus Carmen am 07.06.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Paul Rayn

    Also wenn es um die Wahl des Präsidenten mit den besten Hundeblick ginge...das Foto sagt doch alles.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Neuhaus Carmen am 07.06.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Paul Rayn

    Also wenn es um die Wahl des Präsidenten mit den besten Hundeblick ginge...das Foto sagt doch alles.

  • Geo Polito am 07.06.2011 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Uncle Sam

    Wenn 300 Mio Ami's 3 x Bush's wählen, egal mit welchen Wahlfälschungen, ist denen alles zuzumuten.

  • Ricardo Granda am 07.06.2011 03:52 Report Diesen Beitrag melden

    ?????

    Wie gesagt,es wird erst im Herbst 2012 gewählt.

  • R V aus T am 06.06.2011 23:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul

    Ron Paul ist der einzige der die Welt mit offenen Augen betrachtet. Alle anderen sind billigie Marionetten der Grosskonzerne. Und da liegt das Problem. Ohne Unterstützung der Grossen und Reichen wir man (leider) nicht Präsident.

  • go ron paul am 06.06.2011 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul...

    ... ist eigentlich ein Libertärer und passt nur teilweise zur Tea Party. Paul ist vieles aber definitiv kein konservativer, sondern ultra-liberal. Obwohl er keine Chance hat, hoffe ich auf seine Wahl, ist er doch der einzige, der der Keynsianischen Wirtschaftspolitik ein Ende setzten würde. END THE FED !