Argentinien

29. Dezember 2014 10:49; Akt: 29.12.2014 11:14 Print

Präsidentin rettet Jungen vor Werwolf-Schicksal

Mit ihrer Unterschrift bewahrt die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner einen jüdischen Jugendlichen vor einem Leben als Monster.

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Yair Tawil ist der siebte Sohn einer Familie in Argentinien. Damit droht ihm ein schauerliches Schicksal: Er könnte sich in einen Lobisón – die argentinische Version eines Werwolfs – verwandeln. So zumindest will es die Legende.

So heisst es in der Mythologie des indigenen Volks der Guarani: Das siebte Kind einer Familie verwandelt sich in einen Dämon des Todes. Mit der Zuwanderung von Westeuropäern wuchs die Legende mit derjenigen des Werwolfs zusammen. Und so soll sich der Lobisón heute bei jedem Vollmond in ein Wolfsmonster verwandeln, das sich von Exkrementen, ungetauften Babys und dem Fleisch frisch Verstorbener ernährt. Das Ungeheuer soll unglaublich stark sein, und seine Bisse sollen den Fluch auf die Opfer übertragen.

Ein tödlicher Aberglaube

Doch es gibt eine Möglichkeit, die Betroffenen vor ihrem schrecklichen Schicksal zu erretten: die Adoption durch die amtierende Präsidentin. Und so unterschrieb Cristina Fernández de Kirchner an Heiligabend ein Dokument, das Yair Tawil zu ihrem Gottenkind macht.

Dass die Präsidentin einen potenziellen Lobisón adoptiert, geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Laut «Independent» war der Aberglaube derart weit verbreitet, dass manche Familien ihr siebtes Kind aussetzten oder töteten. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, verabschiedete die Regierung ein Dekret, wonach die Adoption durch den Präsidenten, die betroffenen Kinder vor ihrem Schicksal bewahrt. Seit 1973 können auch Mädchen und seit 2009 auch nicht katholische Kinder adoptiert werden.

Kirchners Wunsch bleibt geheim

«Es war magisch, Yair Tawil als erstes präsidiales Patenkind jüdischen Glaubens zu empfangen», sagte Kirchner laut «Hufington Post» und tweetete Bilder der Zeremonie (siehe Diashow oben). Die Tawils hatten zu dem Anlass eine Menora mitgebracht und forderten die Präsidentin auf, die Kerzen anzuzünden. Danach sprach Yair ein Gebet. Schliesslich durfte Kirchner die Kerzen ausblasen und sich etwas wünschen. Was, bleibt ihr Geheimnis: «Träumt weiter – ich werde euch bestimmt nicht sagen, was es war.»


(kmo)