Neuseeland

18. März 2019 21:08; Akt: 18.03.2019 21:08 Print

Premierministerin mit Kopftuch erobert Herzen

Mitgefühl und Entschlossenheit: Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern zeigt der Welt, wie gute Führung aussieht.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Schmerz einer Nation steht ihr ins Gesicht geschrieben: Nach der grössten Schiesserei in der Geschichte Neuseelands vom 15. März 2019 mit 50 Toten nimmt Premierministerin Jacinda Ardern vor den Medien Stellung. In einen Hidschab gehüllt, trifft die Staatschefin Angehörige der Terroropfer. Immer wieder umarmt sie muslimische Frauen und versucht, Trost zu spenden. Auch in der Hauptstadt Wellington besucht sie eine Moschee, um dort Blumen niederzulegen. Ihr seid nicht allein, ihr seid ein Teil von uns, so ihre Botschaft an die etwa 50'000 Muslime im Land. In Neuseeland hatte am Freitag ein Schütze das Feuer eröffnet. 50 Menschen verloren dabei ihr Leben. Unzählige weitere wurden verletzt. Das Opernhaus in Sydney zeigt aus Solidarität einen Silberfarn. CORRECTION - This hand out picture taken by Salty Dingo and released by the New South Wales (NSW) Government on March 17, 2019 shows the sails of the Sydney Opera House seen lit with the design of New Zealand's silver fern organised by the NSW government in a show of solidarity with victims of the Christchurch mosque attacks, in Sydney. - New Zealanders flocked to memorial sites to lay flowers and mourn the victims of the twin mosque massacres Sunday, as testimony emerged of epic heroism and harrowing suffering in the gun attack that has claimed 50 lives (Photo by Salty Dingo / STATE OF NEW SOUTH WALES / AFP) / ----EDITORS NOTE ----RESTRICTED TO EDITORIAL USE MANDATORY CREDIT " AFP PHOTO / NEW SOUTH WALES GOVERNMENT / SALTY DINGO / NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS- NO ARCHIVE / “The erroneous mention[s] appearing in the metadata of this photo by Salty Dingo has been modified in AFP systems in the following manner: [Sydney] instead of [Christchurch]. Please immediately remove the erroneous mention[s] from all your online services and delete it (them) from your servers. If you have been authorized by AFP to distribute it (them) to third parties, please ensure that the same actions are carried out by them. Failure to promptly comply with these instructions will entail liability on your part for any continued or post notification usage. Therefore we thank you very much for all your attention and prompt action. We are sorry for the inconvenience this notification may cause and remain at your disposal for any further information you may require.” Die Teilnehmer der Sydney Surf Pro haben eine Schweigeminute eingelegt. Mitglieder der Maori-Gemeinschaft zeigen den sogenannten Hakka-Tanz während eines Gebets im muslimischen College im Brisbane. Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft legen Blumen nieder. Das Land trauert. 36 Verletzte befinden sich noch im Spital. Premierministerin Jacinda Ardern sagte: «Neuseeland ist in Trauer vereint.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sorgenvoll hochgezogene Augenbrauen, die Lippen verschlossen, die Haare bedeckt von einem schwarzen Tuch mit goldenem Rand und ein Blick, der den Schmerz der ganzen Nation spiegelt: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern (38) erhält für ihre Auftritte nach dem rechtsextremen Terrorangriff in Christchurch, bei dem 50 Menschen ums Leben gekommen sind, in der internationalen Presse und in den sozialen Medien grosses Lob.


Das Foto (oben), das Jacinda Ardern mit Reflektionen im Gesicht bei einem Treffen mit der muslimischen Gemeinschaft in Christchurch zeigt, ging viral, weil es das Mitgefühl der Premierministerin perfekt abbildet, wie der Fotograf Kirk Hargreaves zu «Stuff.co» sagte.




Mit Kopftuch und Augenringen vor die Kameras

Seit die ersten Meldungen über die Schüsse eingetroffen sind, ist die Premierministerin ständig präsent. Mit tiefen Ringen unter den Augen steht sie täglich Rede und Antwort. Gleich am ersten Tag kündigte sie härtere Waffengesetze an.

Auch bei ihrem Besuch in Christchurch machte die sozialdemokratische Premierministerin eine gute Figur. Dass sie bei ihren Auftritten einen Hidschab trug, ist ein klares Symbol: Ihr seid nicht allein, ihr seid ein Teil von uns, so ihre Botschaft an die etwa 50'000 Muslime im Land. «Neuseeland ist in Trauer vereint. Wir sind in Trauer vereint», sagte sie vor laufenden Kameras.

Bei ihren Treffen mit den Angehörigen der Terroropfer nahm sie immer wieder muslimische Frauen in den Arm. Ardern nahm sich aber auch die Zeit, ohne Kameras mit Hinterbliebenen zu reden. Ihr Lebensgefährte Clarke Gayford, ein TV-Moderator, der sich um die Erziehung von Tochter Neve Te Aroha kümmert, war auch dabei. Die muslimische Gemeinde bedankte sich für die Unterstützung. Einer der Männer, Habib Ullah, sagte: «Das sind kleine Gesten, die für uns sehr viel bedeuten.»

Schärfere Waffengesetze – schon in zehn Tagen

Die Premierministerin gehörte auch zu den Leuten, denen der mutmassliche Täter, ein 28 Jahre alter Rassist aus Australien namens Brenton Tarrant, per E-Mail seine rechtsextremistische Kampfschrift schickte. Das Mail ging auf einer der Adressen in Arderns Büro ein, neun Minuten vor Beginn der Tat – zu spät, um noch etwas verhindern zu können.

Am Montag brachte Ardern ihr Kabinett zu einer Krisensitzung zusammen. Dabei ging es insbesondere um die geplante Verschärfung von Neuseelands Waffengesetzen.

Bislang hatte der nationalpopulistische Koalitionspartner New Zealand First (NZF), auf den Ardern zusammen mit den Grünen angewiesen ist, solche Überlegungen blockiert. Vize-Regierungschef Winston Peters sagt nun jedoch: «Unsere Welt hat sich für immer geändert. Deshalb werden sich auch unsere Gesetze ändern.»

Bei allem Entsetzen will sich Neuseelands Regierung jetzt aber erst einmal zehn Tage Zeit lassen, um die Details zu klären. Ardern: «Wir wollen uns die Zeit lassen, das richtig zu machen.»

(zos/sda)