Gegen den Trend

27. Oktober 2016 14:04; Akt: 27.10.2016 14:04 Print

Professoren erwarten Trumps Sieg

Im amerikanischen Wahlkampf sagen fast alle Umfragen einen Sieg Hillary Clintons voraus. Stimmt nicht, sagen zwei Professoren.

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Als würde er siegen: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump trifft am 25. Oktober in Florida ein. Umfragen zwei Wochen vor dem Wahltermin am 8. November 2016 sagen im Durchschnitt einen klaren Sieg der Demokratin Hillary Clinton voraus. Doch Trump misstraut den Umfragen. Er glaubt, sie seien verfälscht. Auch zwei Professoren sagen voraus, dass Clinton am Ende gegen Trump verlieren wird. Einer der Professoren ist der Politologe Helmut Norpoth von der Stony-Brook-Universität in New York. Er misst die Chancen der Kandidaten an ihrem Abschneiden in den Vorwahlen. Der Historike Allan Lichtman von der American University in Washington sagt Trumps Sieg aufgrund der Antworten auf 13 Schlüsselfragen voraus. In den Vorwahlen musste sich Trump gegen mehr als ein Dutzend andere Republikaner durchsetzen. Bild: Fünf verbliebene Kandidaten vor einer TV-Debatte vom 25. Februar 2016 in Houston, Texas. Dagegen musste Clinton im Wesentlichen bloss einen Rivalen bezwingen, den Sozialisten Bernie Sanders. Bild: in einer TV-Debatte am 4. Februar 2016 in Durham, New Hampshire. Ein Kriterium ist zudem die Stärke von Drittparteien. Gary Johnson von der libertären Partei gilt als nicht stark. Wichtig für die Wahlprognose ist auch, ob der amtierende Präsident eine aussenpolitische Schlappe erlitten hat. Bild: Verwüstung in Aleppo am 28. April 2016. Und wichtig ist auch, wie charismatisch die Kandidaten sind. Weder Clinton noch Trump können in Sachen Charisma Präsident Barack Obama das Wasser reichen.

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Die Zahlen sind so erdrückend, dass es eigentlich keine Diskussion mehr geben sollte. In einem von Real Clear Politics erstellten Umfrageschnitt führt Hillary Clinton mit über fünf Prozentpunkten vor Donald Trump (siehe unten). Zwei Wochen vor dem Wahltermin vom 8. November zitiert die gleiche Site Prognostiker von PredictWise mit der Voraussage, dass die Demokratin mit 91 Prozent gegen 9 Prozent Wahrscheinlichkeit gegen den Republikaner siegen wird.

Der politische Quereinsteiger Trump unterwirft sich diesen Zahlen natürlich nicht. Er wettert gegen angeblich «gefälschte» Umfragen. Den Demoskopen wirft er vor, die Zahl der erwarteten demokratischen Wähler gegenüber den republikanischen absichtlich zu hoch anzusetzen. Experten interpretieren Trumps Deutung als Ausdruck von Wunschdenken.

In den Primärwahlen stark

Dafür geben zwei Professoren Trumps Siegeserwartungen recht. Sie stützen ihre Prognosen nicht auf Umfragen, sondern auf eine genauen Beobachtung der politischen Lage und der Ereignisse im Vorwahlkampf.

Der Politikwissenschaftler Helmut Norpoth von der Stony-Brook-Universität in New York untersucht in seinem «Primary Model» die relative Stärke der Kandidaten in den Primärwahlen. Weil Trump über ein Dutzend republikanische Widersacher überwand, während Clinton mit bloss zweien Mühe hatte, gibt ihm Norpoth eine Siegeswahrscheinlichkeit von 87 bis 99 Prozent. Der Republikaner werde 52,5 der Stimmen erzielen, Clinton bloss 47,5 Prozent, behauptet der Politologe. Norpoth rühmt sich, dass sein Modell seit seiner Einführung 1996 noch nie falsch gelegen sei.

Bilanz von 13 «Schlüsseln»

Auf eine noch längere Serie korrekter Prognosen kann der Historiker Allan Lichtman von der American University in Washington zurückblicken: Sein Modell ergibt richtige Ergebnisse für Wahlen zur US-Präsidentschaft seit 1984. Für seine Voraussage stellt Lichtman 13 Fragen, die er als «Schlüssel» bezeichnet. Sie untersuchen verschiedene Aspekte der Stärke des Amtsinhabers. Sind sieben oder mehr Fragen mit «ja» zu beantworten, bleibt das Weisse Haus in derselben Hand. Lauten die Antworten siebenmal oder häufiger «nein», geht die Macht an die andere Partei über.

Hier sind Lichtmans Fragen und die für die laufenden Wahlen geltenden Antworten (aufgepasst auf doppelte Negationen):

1. Hat die bisherige Partei eine Mehrheit im Repräsentantenhaus? (nein)

2. Gab es bei der bisherigen Partei einen ernsthaften Nominationskampf? (ja)

3. Ist der Kandidat der bisherigen Partei der Amtsinhaber? (nein)

4. Gibt es keine starke Drittpartei? (ja)

5. Gibt es keine Rezession im Wahlkampf? (ja)

6. Ist das Wirtschaftswachstum in den zurückliegenden vier Jahren höher als der Schnitt der davorliegenden zwei Amtsperioden? (ja)

7. Hat der bisherige Präsident in der zu Ende gehenden Amtszeit grossen politischen Wandel bewirkt? (nein)

8. Gibt es keine sozialen Unruhen? (ja)

9. Gibt es keinen grossen Skandal in der bisherigen Regierung? (ja)

10. Erleidet die Regierung keine militärische oder aussenpolitische Schlappe? (nein)

11. Erfreut sich die Regierung eines grossen militärischen oder aussenpolitischen Erfolgs? (nein)

12. Ist die Kandidatin der bisherigen Partei charismatisch? (nein)

13. Ist der Kandidat der neuen Partei nicht charismatisch oder ein
Held? (nein)

Laut Lichtman sind nur sechs der Fragen mit «ja» zu beantworten und sieben mit «nein». Ergebnis: Donald Trump wird gewinnen.

Der Professor machte unlängst allerdings eine Einschränkung. «Nach meiner Analyse müsste 2016 eine Wandel-Wahl sein», schrieb er am Wochenende in «The Hill». Donald Trump sei jedoch ein «die Geschichte umstürzender Kandidat, der daran ist, eine Niederlage einzustecken, obwohl er eigentlich siegen müsste».

Interview von Allan Lichtman mit der BBC:

(sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D. Nussbaum am 27.10.2016 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Trump against TTIP, tip top Donald

    Es gibt keinen einzigen Grund, Trump oder Clinton zu wählen. Und doch gibt es einen wichtigen Grund, Trump zu wählen: er ist gegen TTIP, und das ist gut für unsere Tiere, unsere Natur, unser Wasser, unsere Luft und unser Essen.

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  • Marco am 27.10.2016 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden sehen!

    Trump mag mit seinem Verhalten wohl gar nicht gehen, trotzdem hat der noch richtig "Eier" und posaunt laut hinaus, was vermutlich viele denken, sich aber in unserer heute ach so politisch immer korrekten Gesellschaft nicht trauen. Wir werden sehen! Alles ist möglich!

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  • Florian Meier am 27.10.2016 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Trump - eine neue Ära

    trump wird Präsident, schon alleine weil die Classe Politique Clintons Sieg ständig propagiert und gerade gegen diese Klasse momentan der normale Bürger einen groll hegt. Mit einem Präsident Trump wird die heutige Weltordnung kräftig umgekrempelt. Das kleine Europa wird dabei keine Bedeutung mehr spielen - USA, Russland und China werden die Welt in ihre Interessenzonen aufteilen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tobias am 28.10.2016 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlen

    Ach wenn Wahlen etwas ändern würden wären sie verboten...

  • reto brun am 28.10.2016 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    was oft vergessen geht.....

    Was vergessen geht ist das Trump ein Polterer ist. Deshalb werden viele bei einer Strassenbefragung nicht die Wahrheit über ihr Wahlverhalten sagen (zugeben). Vor allem wenn noch andere Persone anwesend sind. Aus diesem Grunde bin ich der Meinung man sollte diese Umfragen mit grosser zurückhaltung betrachten. Und nicht vergessen, bei den Vorwahlen haben fast alle Trump belächelt und gedacht er werde es eh nie schaffen. Also bereits einmal falsch eingeschätzt. Bin gespannt welche dieser zwei eigentlich unwählbaren Personen es schaft.

  • John am 28.10.2016 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Trump wird sich auf USA konzentrieren

    Trump wird nicht Dritten Weltkrieg auslösen, denn er will sich auf den Wiederaufbau der USA konzentrieren. Nötig hat's unser Land nämlich, denn die Infrastruktur ist in schlechtem Zustand.

    • Heather B. am 28.10.2016 08:59 Report Diesen Beitrag melden

      Grösser als Militärausgaben

      Aber um die Infrastruktur der Vereinigten Staaten von Amerika zu aktualisieren, braucht's ein Budget, das grösser ist als alle Militärausgaben zusammen. Ein erster Schritt wäre aber gut.

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  • Trumpalumpa am 28.10.2016 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Trump

    Was ich mich frage, wieso werden fast wöchentlich neue "Skandale" welche Trump in die Karten spielen werden enthüllt und nie über Clinton? so sauber kann die ja nicht sein...

  • Hillary Trump am 28.10.2016 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Hillary Trump

    Gibt es eigentich spannende Dokus/Reportagen/Filme über Trump, die momentanen Wahlen oder sonst irgendwelche Themen welche mit dem momentanen zu tun haben, welche man sich im Internet anschauen kann?

    • Theo am 28.10.2016 09:53 Report Diesen Beitrag melden

      Trump grillt Clinton

      Schau Dir mal in youtube 'Hagen Grell' Trump grillt Clinton an. Sehr aufschlussreich.

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