Wegen brutaler Gewalt

21. Dezember 2011 04:15; Akt: 21.12.2011 10:20 Print

Protest der Ägypterinnen zeigt Wirkung

Der ägyptische Militärrat krebst zurück. Nach massiven Protesten von Frauen gegen die Misshandlung von Demonstrantinnen hat er sich halbherzig entschuldigt.

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Am 21. Dezember geben die Ägypter in einer zweiten Wahlrunde ihre Stimme ab. Nach tagelangen Unruhen verläuft die Wahl mehrheitlich ruhig. Am 20. Dezember sind in Kairo zehntausend Frauen auf die Strasse gegangen. Mit ihrem Aufmarsch wollten die Ägypterinnen gegen die massive Gewalt demonstrieren, die Soldaten der Militärregierung gegen Demonstrantinnen anwendet. Stein des Anstosses war insbesondere dieses Bild, auf welchem zu sehen ist, wie Soldaten eine verschleierte Frau über den Boden schleifen bis diese halbnackt ist. Zudem treten einige der Soldaten auf die Frau ein. Die Demonstrantinnen protestierten lautstark. «Schluss mit dieser Gewalt» forderten die Frauen am 20. Dezember 2011. Der Militärrat liess eine Entschuldigung folgen - allerdings erst, nachdem unter anderem auch US-Aussenministerin Hillary Clinton das Vorgehen der Sicherheitskräfte Ägyptens kritisierte. Am Wochenende des 17. und 18. Dezember war es auf dem Tahrir-Platz in Kairo zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei war massiv gegen die Demonstranten vorgegangen. Mindestens zehn Personen wurden getötet und über 300 verletzt. Am 28. November 2011 beginnen in Ägypten die ersten Wahlen nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak. Der Andrang ist riesig. Stundenlang stehen die Wähler geduldig in der Schlange, bis sie ihre Stimmen abgeben können. Die Wahllokale sind nach Geschlechtern getrennt. Grössere Zwischenfälle blieben bislang aus. Nicht mehr lange bis zur Wahlurne... Eine Ägypterin gibt ihre Stimme ab. Die Wahlurnen werden versiegelt. Es wird alles gemacht, damit nicht betrogen wird. Die versiegelten Urnen werden an einen sicheren Ort gebracht. Der gefärbte Daumen als Zeichen: «Ja, ich habe gewählt!»

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Etwa zehntausend ägyptische Frauen haben am Dienstag in Kairo gegen die jüngste Gewalt gegen Demonstrantinnen protestiert. Für Empörung hatten vor allem Bilder einer jungen Frau gesorgt, die während der Unruhen auf dem Tahrir-Platz von den Sicherheitskräften halb nackt ausgezogen und dabei brutal und lange geschlagen wurde.

Viele der Demonstrantinnen hielten Kopien eines Bildes der misshandelten Frau hoch und forderten den Rücktritt des regierenden Militärrats. «Die Töchter Ägyptens sind eine rote Linie», skandierten sie in Sprechchören. Auf dem Weg durch die Kairoer Innenstadt schlossen sich am Abend immer weitere Frauen der Kundgebung an.

Weltweite Empörung über prügelnde Soldaten

Die Fotos der Soldaten, die auf die verschleierte Demonstrantin einprügelten, hatten nicht nur in Kairo, sondern auch im Ausland für Empörung gesorgt. Unter anderen hatte US-Aussenministerin Hillary Clinton von einer «Entehrung der Revolution» gesprochen (s. Infobox rechts).

Die Proteste zeigten rasch Wirkung: Der Militärrat entschuldigte sich in der Nacht auf Mittwoch offiziell für das gewaltsame Vorgehen der Soldaten.

«Der Oberste Rat der Streitkräfte bietet den grossen Frauen Ägyptens sein tiefes Bedauern wegen der Übergriffe, die sich während der jüngsten Protestaktionen vor dem Parlament und Regierungskabinett ereignet haben», zitierte der Sender Al-Arabija aus einer vom Militärrat verbreiteten Erklärung. Der Militärrat kündigte ein hartes juristisches Vorgehen gegen die Verantwortlichen an.

Mehrere Tote

Nach Darstellung von Aktivisten sind während der Zusammenstösse in den vergangenen Tagen wiederholt Frauen von Soldaten geschlagen worden. Bei den Unruhen und Strassenschlachten sind seit Freitag nach offizieller Darstellung zwölf Menschen ums Leben gekommen. Aktivisten sprechen von 13 bis 16 Toten.

Die Proteste richten sich gegen die Militärführung, die nach dem Sturz von Hosni Mubarak im Februar die Macht übernommen hat, sowie gegen Ministerpräsident Kamal al-Gansuri. Unter anderem fordern die Demonstranten Gansuris Ablösung sowie einen raschen Wechsel zu einer Zivilregierung.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amira Al-Tawil am 21.12.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ach was solls

    In Syrien sterben jeden Tag Menschen wegen Demonstrationen und dann gibt es tatsächlich leute die sich wegen vermeintlicher Gleichberechtigung echauffieren...

  • fizei am 21.12.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    video

    Ich finde auch die Gewalt gegen den wehrlosen Mann im Video entsetzlich

  • Medina am 21.12.2011 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    gleiche Rechte für alle

    ich hoffe, dass die Frauen sich nicht unterkriegen lassen in Ägypten und für ihre Rechte kämpfen!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger am 21.12.2011 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Mutig!

    Zu demonstrieren war richtig und ist wichtig. Ich bewundere den Mut und die Courage der Frauen! Das ist wirklich vorbildlich.

  • Alexandria am 21.12.2011 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Brüder und Schwestern

    Wieder einmal ein paar ganz gescheite Kommentare betreffend egalitée. LOGISCH ist solch überbordende, sinnlose Gewalt IMMER zu verurteilen, egal ob das Opfer männlich oder weiblich ist. Aber es ist schon so, dass Frauen in Ägypten nicht die gleichen Rechte haben wie Männer. Und in der Regel ist ein Mann einer Frau auch körperlich überlegen. Gewalt ist immer abzulehnen, speziell aber gegen Schwächere. Darum gehts hier. Der Mensch ist oft brutal(er) wie ein Tier, die Bilder haben mich geschockt... Es freut mich sehr, dass die Ägypterinnen die Courage haben und für Ihre Rechte kämpfen!

  • Akimbo am 21.12.2011 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Situation in Kairo

    Hallo Schweiz! Wie wir alle wissen, verkaufen sich schlechte Nachrichten immer besser als gute. Ich befinde mich momentan in Kairo und man kann nichts von der Gewallt hier sehen. Alle Menschen leben ihr leben ganz normal weiter. Man kann hier immer noch sehr schöne Ferien verbringen. Die agyptische Bevölkerung ist auf die Touristen angewiesen und es ist sehr schade, dass Ihr Ruff in den Dreck gezogen wird. Ich kann bestätigen, dass nur auf dem Tharir-Platz wir weiterhin protestiert wird. Liebe Grüsse aus Kairo

  • fizei am 21.12.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    video

    Ich finde auch die Gewalt gegen den wehrlosen Mann im Video entsetzlich

  • Amira Al-Tawil am 21.12.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ach was solls

    In Syrien sterben jeden Tag Menschen wegen Demonstrationen und dann gibt es tatsächlich leute die sich wegen vermeintlicher Gleichberechtigung echauffieren...