Sibirischer Gulag

07. November 2013 18:40; Akt: 07.11.2013 18:53 Print

Pussy-Riot sitzt im Straflager Nr. 50

Wochenlang hörte die Familie von Nadeschda Tolokonnikowa nichts von ihr. Jetzt ist klar: Die Pussy-Riot-Aktivistin wurde in eines der strengsten Arbeitslager der Welt verlegt.

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Die inhaftierte Kremlgegnerin Nadeschda Tolokonnikowa von der Punkband Pussy Riot ist in Sicherheit – behaupten zumindest russische Menschenrechtsbeauftragten. Jetzt wird bekannt, dass die junge Frau in das sibirische Straflager Nummer 50 in der Stadt Nischni Ingasch verlegt worden ist.

Tolokonnikowa hatte vor einigen Wochen ihre Verlegung beantragt mit der Begründung, sie fühle sich von Mitgefangenen und Wärtern bedroht. Doch nun ist es fraglich, ob eine Verschiebung nach Siberien für die zierliche Frau nicht noch schlimmere Folgen haben könnte. Denn, wie die «Bild»- Zeitung berichtet, liegt die Strafkolonie IK-50 mitten in der russischen Taiga, an der Trasse der Transsibirischen Eisenbahn, rund 300 Kilometer östlich von Krasnojarsk entfernt.

Geburtstagsfest im Arbeitslager

Vier Zeitzonen und Tausende Kilometer trennen diese Einöde von Moskau. Im Winter versinkt die Region im Schnee und die Temperaturen erreichen bis minus 40 Grad. Im Sommer herrscht Bruthitze. Für Ehemann Pjotr Wersilow ist der Fall klar: Das Regime wolle seine Frau bestrafen, weil sie wegen ihren Haftbedingungen protestiert hatte. Diese grenzten an «Sklaverei» und erinnerten an das sowjetische Gulag-System, hatte Tolokonnikowa in einem Brief geschrieben.

Am Donnerstag hat Tolokonnikowas Verteidigung beim Obersten Gerichtshof Russlands die sofortige Freilassung der 24-Jährigen beantragt. «Wir verlangen die Aufhebung des Urteils», sagte Anwältin Irina Chrounowa der Nachrichtenagentur AFP. Sie selbst wisse nicht genau, wo sich Tolokonnikowa befindet. «Für den Gefangenentransfer gibt es keine Fristen, es kann also lange dauern», sagte sie weiter.

Auch die Menschrechtsorganisation Amnesty International mischte sich am Mittwoch in der Sache ein und forderte, dass Tolokonnikowas Familie «sofortig» informiert wird, wo sich die Inhaftierte befindet. «Wir befürchten, dass ihr eine Sanktion auferlegt wurde, weil sie sich beklagt hat.»

Die Gulags in Sibirien und in der kasachischen Steppe wurden einst zum Inbegriff stalinistischer Schreckensherrschaft. Sie dienten Stalin und der Sowjetführung als unerschöpfliches Reservoir von Arbeitskräften.

(kle)