Abschuss von MH17

14. November 2019 17:59; Akt: 14.11.2019 17:59 Print

Putin-Berater auf Telefon-Mitschnitt zu hören

Nach dem Abschuss von Flug MH17 wies Russland jede Verantwortung zurück. Jetzt gerät der Kreml wegen neuer Beweise erneut unter Druck.

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Am 14. November 2019 veröffentlichte das internationale Untersuchungsteam JIT Telefonmitschnitte, auf denen unter anderem Wladislaw Surkow, ein enger Berater des russische Präsidenten Wladimir Putin, zu hören sein soll. Die Mitschnitte sollen beweisen, dass die Separatisten direkten Kontakt zu russischen Regierungsbeamten hatten. Am 28. September 2016 hatte das JIT bereits bekannt gegeben, dass die Maschine mit einer russischen Buk-Rakete abgeschossen wurde. Den Abschuss von MH17 durch ein anderes Flugzeug konnte die internationale Ermittler-Gruppe damit ausschliessen. Das Flugzeug wurde von prorussischen Separatisten beschossen. Zurück kamen die Särge mit den sterblichen Überresten der Opfer von <nobr>MH 17:</nobr> Ehrenzeremonie am Flughafen von Kuala Lumpur. (21. August 2014) An der Absturzstelle sind nach Angaben der australischen Aussenministerin bis zu 80 Leichen noch nicht geborgen. (Juli 2014) Mussten zuerst wieder umkehren: Konvoi der OSZE-Ermittler nahe Donezk. (28. Juli 2014) Die Opfer werden geborgen: Alexander Hug, stellvertretender Leiter der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), in der Ukraine. Verloren auf Flug MH 17 ihre 25-jährige Tochter: Jerzy Dyczynski und Angela Rudhart-Dyczynski besuchen den Absturzort. (26. Juli 2014) Prorussische Aufständische bei der Absturzstelle eines der abgeschossenen ukrainischen Suchoi-25-Jets. (Screenshot aus einem Video der Pressestelle der Volksrepublik Donezk, 23. Juli 2013) Auf dem Weg nach Hilversum: Die Leichenwagen verlassen den Flughafen in Eindhoven. (23. Juli 2014) Auf dem Flughafen in Eindhoven: 40 Särge aus der Ukraine werden entladen. (23. Juli 2014) Auf dem Weg in die Niederlande: Ukrainer bei einer kurzen Gedenkfeier, als die ersten Särge in das Transportflugzeug verladen werden. (23. Juli 2014) Leichentransport in Kühlwaggons: Bewachter Zug trifft in Charkiw ein. (22. Juli 2014) Ein prorussischer Kämpfer legt eine Blackbox von Flug auf den Tisch während der inszenierten Übergabe an Behördenvertreter Malaysias. Im blauen Jackett Alexander Borodai, der selbst ernannte Regierungschef der Volksrepublik Donezk. (22. Juli 2014) Übergabe nach langem Tauziehen: Ein malaysischer Experte (Mitte) hält eine Blackbox. (22. Juli 2014) Gegenmittel: Ein Mitglied der OSZE-Mission versucht, mit einer Chemikalie den Verwesungsgeruch zu neutralisieren. (21. Juli 2014) Der Verwesungsgeruch ist unerträglich: OSZE-Beobachter und Mitglieder eines Forensikteams untersuchen die Leichen der Absturzopfer. (21. Juli 2014) Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der niederländische Botschafter in der Ukraine Kees Klompenhouwer (links) beim Niederlegen von Blumen bei der niederländischen Botschaft in Kiew. (21. Juli 2014) Der Geruch an der Absturzstelle ist so unangenehm, dass auch Rebellen ins Taumeln geraten sein sollen: Ukrainische Helfer bergen eine Leiche. (20. Juli 2014) Die Wut und Verzweiflung steigt: Blumen und Kuscheltiere am Absturzort in der Ukraine. (20. Juli 2014) Suche auf offenem Feld: Rettungshelfer mit möglichem Flugschreiber in der Hand. (20. Juli 2014) Angehörige helfen bei der Identifizierung: Ein indonesischer Polizist entnimmt der Schwester einer getöteten Passagierin eine DNA-Probe. (19. Juli 2014) Der Schrecken ist greifbar geworden: Ein prorussischer Separatist mit dem Plüschtier eines Absturzopfers in Grabowo. (18. Juli 2014) Unter Verdacht: Der selbst ernannte Gouverneur der Volksrepublik Donezk, Pawel Gubarew (Dritter von links), kontrolliert die Absturzstelle. (18. Juli 2014) «Vom Himmel geblasen»: Nach ersten Erkenntnissen wurde Flug MH 17 von einem Raketenabwehrsystem abgeschossen – ein Mitglied der ukrainischen Regierung besichtigt die Unglücksstelle bei Grabowo. (17. Juli 2014) Mindestens 189 Passagiere stammten aus den Niederlanden, 44 aus Malaysia: Widi Yuwono zeigt ein Foto der Familie seiner Schwester, die an Bord von MH 17 war. (18. Juli 2014) Ukrainische Kumpel bereiten sich auf eine Suchaktion vor. (18. Juli 2014) Koffer und persönliche Gegenstände nahe der Absturzstelle. (18. Juli 2014) Die Separatisten weisen die Schuld am Absturz von sich: Alexander Borodai, der Führer der Separatisten der Region Donezk, trifft in der Nacht an der Unglücksstelle ein. (18. Juli 2014) Ein Land in Trauer: Die niederländische Flagge weht auf halbmast über dem Parlament in Den Haag. (18. Juli 2014) 154 Niederländer waren an Bord der Maschine, die von Amsterdam nach Kuala Lumpur hätte fliegen sollen: Ein Verwandter eines Passagiers von Flug MH 17 ringt in einem Bus am Flughafen in Amsterdam um Fassung. (17. Juli 2014) Trauer auch in Malaysia: Eine Frau weint am Flughafen von Kuala Lumpur, wo die Boeing 777 für den frühen Morgen des 18. Juli erwartet worden war. (17. Juli 2014) Rettungskräfte treffen bei der Absturzstelle in Grabowo ein. (17. Juli 2014) Wrackteile liegen über mehrere Kilometer verstreut: Ein bewaffneter prorussischer Separatist steht auf der Heckflosse der Maschine von Malaysia Airlines. (17. Juli 2014) Ein Bild der Verwüstung: Das Flugzeug wurde völlig zerstört. (17. Juli 2014) Diese Maschine ist über der Ostukraine abgestürzt: Die Boeing 777-200 mit der Hecknummer 9M-MRD, hier beim Start vom International Airport in Los Angeles.

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Im Fall der abgeschossenen malaysischen Passagiermaschine MH17 haben Ermittler in den Niederlanden neue schwere Vorwürfe gegen Russland erhoben. Die Verbindungen zwischen der Führung der Separatisten und Russland seien enger als bisher bekannt, sagte Ermittler Andy Kraag vom internationalen Untersuchungsteam JIT in einer Videobotschaft.

Das JIT veröffentlichte am Donnerstag Telefonmitschnitte, auf denen unter anderem Wladislaw Surkow, ein enger Berater des russische Präsidenten Wladimir Putin, zu hören sein soll. Nach Darstellung von Kraag gingen die Kontakte deutlich über militärische Hilfe hinaus.

Separatisten hatten Kontakt russischen Beamten

Die nun veröffentlichten Mitschnitte sollen beweisen, dass die Separatisten direkten Kontakt zu russischen Regierungsbeamten hatten. Das wäre eine Sensation, weil Russland vehement bestreitet, die Separatisten militärisch zu unterstützen oder sie zu steuern.

So sollen der selbst ernannte frühere Regierungschef der Rebellen in der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, Alexander Borodaj, und dessen so bezeichneter damaliger Verteidigungsminister Igor Girkin (genannt Strelkow) Kontakt mit Surkow gehabt haben. Alle Verdächtigen sind in Russland.

Zeugenaufruf

Kraag rief Zeugen mit Blick auf die Mitschnitte auf, sich bei den Ermittlern zu melden. Herausfinden wollen die Ermittler demnach, von wem genau die Rebellen kontrolliert und kommandiert wurden. Der Vorwurf, dass dies von der Machtzentrale in Moskau aus geschieht, steht seit langem unbewiesen im Raum. Russland bestreitet vehement, etwas mit dem Abschuss der MH17 am 17. Juli 2014 zu tun zu haben. Damals starben alle 298 Menschen an Bord.

Im Juni hatte die Untersuchungskommission in den Niederlanden die Namen von vier Verdächtigen genannt, die für den Abschuss verantwortlich sein sollen. Zugleich hatte sie weitere Ermittlungen angekündigt.

Internationale Dimension

Bisherigen Erkenntnissen zufolge wurde das Flugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur von Separatisten im Kriegsgebiet Donbass im Osten der Ukraine abgeschossen. Sie sollen mit einem russischen Luftabwehrsystem Buk eine Rakete auf die Maschine abgefeuert haben.

Damit erhielt der blutige Konflikt zwischen ukrainischen Regierungstruppen und den aus Russland unterstützten Separatisten erstmals eine internationale Dimension. Bei dem Konflikt starben nach Uno-Schätzungen bisher rund 13'000 Menschen.

Die EU sicherte ihre Unterstützung zu, für die Opfer und ihre Hinterbliebenen Gerechtigkeit herzustellen. Zugleich hatte sie Russland dazu aufgefordert, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. In den Niederlanden soll im März 2020 der Prozess gegen die vier Verdächtigen beginnen. Allerdings will Russland die Männer nicht ausliefern.

(sda)