«Unbekannte Substanz»

19. Februar 2017 20:50; Akt: 19.02.2017 22:13 Print

Putin-Kritiker flüchtet nach schwerer Vergiftung

Der liberale Oppositionspolitiker Wladimir Kara-Mursa hat nach zwei Anschlägen auf sein Leben Russland verlassen.

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Der russische Oppositionspolitiker Wladimir Kara-Mursa ist nach einer schweren Vergiftung ins Ausland geflüchtet. Das teilte sein Anwalt Wadim Prochorow am Sonntag im sozialen Netzwerk Facebook mit.

Der 35-Jährige sei am Morgen ins Ausland geflogen, um seine «zweite schwere Vergiftung» auszukurieren. Kara-Mursas Frau Jewgenija hatte die Vergiftung vor knapp zwei Wochen publik gemacht, nachdem ihr Mann in ein Krankenhaus in Moskau eingeliefert worden war.

Vor zwei Jahren mit Schwermetallen vergiftet

Die Diagnose des Krankenhauses laute auf «Vergiftung mit einer unbekannten Substanz», sagte Prochorow. Höchstwahrscheinlich handle es sich um eine absichtlich herbeigeführte Vergiftung.

Vor zwei Jahren war Kara-Mursa nach einem plötzlichen Nierenversagen schon einmal in ein Moskauer Krankenhaus eingeliefert worden. Damals wurde eine hohe Konzentration an Schwermetallen in seinem Körper festgestellt.

Arbeitet für Chodorkowski-Stiftung

Kara-Mursa war bis zum vergangenen Jahr Vizechef der liberalen Parnas-Partei, die vom ehemaligen Ministerpräsidenten Michail Kasjanow geführt wird. Davor war er ein enger Verbündeter des prominenten russischen Oppositionellen Boris Nemzow, der 2015 in der Nähe des Kreml ermordet wurde.

Zuletzt koordinierte Kara-Mursa die Aktivitäten der Stiftung Offenes Russland des ehemaligen Ölmagnaten Michail Chodorkowski. Dieser war wegen Betrugs und Steuerhinterziehung fast zehn Jahre lang inhaftiert, bevor der von ihm bekämpfte russische Präsident Wladimir Putin ihn Ende 2013 überraschend begnadigte. Chodorkowski suchte bis Ende 2015 in Rapperswil SG Zuflucht, bevor er nach London zog.

Weitere Fälle

Kara-Mursa wäre nicht das einzige Opfer rätselhafter Vergiftungen, seitdem Putin regiert. Der «Spiegel» erinnert in dem Kontext etwa an den Tod des Journalisten Jurij Schtschekotschichin im Jahr 2003 und den Vergiftungsversuch an Anna Politkowskaja im Jahr 2004 (sie wurde später erschossen). Vielleicht am prominentesten war der Fall des ehemaligen KGB-Agenten Alexander Litwinenko, der 2006 in London an einer Vergiftung mit Polonium starb.

(mch/afp)