«Kontinent der Möglichkeiten»

23. Oktober 2019 09:51; Akt: 23.10.2019 10:32 Print

Putin lädt zum grossen Afrika-Gipfel

Wladimir Putin hat 44 Staats- und Regierungschefs vom afrikanischen Kontinent zu einem Gipfel eingeladen. Das Treffen soll zwei Tage andauern.

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203 vor allem russische Soldaten, drei Kampfhelikopter, Militärtechnik der neuesten Generation, zwei Arten von Militärlastwagen in Mosambik, zählt die südafrikanische Terrorismusexpertin Jasmine Opperman auf. Die Bewaffneten seien im September in Mosambiks gasreicher Unruhe-Provinz Cabo Delgado eingetroffen.

Auch wenn es an offiziellen Bestätigungen für diese Militärpräsenz oft mangelt: Russland zeigt wieder Flagge in Afrika. Der beste Beweis dafür ist der erste Russland-Afrika-Gipfel in der Schwarzmeer-Stadt Sotschi.

Bis Donnerstag erwartet Gastgeber Wladimir Putin bei den zweitägigen Treffen 44 Staats- und Regierungschefs vom afrikanischen Kontinent. Eingeladen sind 10'000 Gipfelteilnehmer aus 54 afrikanischen Staaten und Russland. «Afrika wird immer mehr zu einem Kontinent der Möglichkeiten», sagte Putin der Staatsagentur Tass vor dem Gipfelstart. Er kündigte Milliardeninvestitionen für Afrika an.

Dabei will Russland rund drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus an alte Kontakte aus Sowjetzeiten anknüpfen. Unter dem Einfluss Moskaus hätten damals die früheren Kolonien des Westens ihre Freiheit erlangt, erinnerte der russische Afrika-Experte Leonid Fituni in einem Beitrag der «Nesawissimaja Gaseta». Die Sowjetunion habe den Ländern damals geholfen, eine eigene Wirtschaft aufzubauen. Hunderttausende Afrikaner seien in Russland ausgebildet worden.

Rüstungsgüter, Technik und Chemie

Der Vizechef des Afrika-Instituts der russischen Akademie der Wissenschaften ist überzeugt, dass Russland heute von der «Goldgräberstimmung» in Afrika profitieren könnte. Fituni verweist auf die Chinesen, die schon seit Jahren ihren Einfluss auf dem Kontinent ausbauen.

Unter dem Druck antirussischer Sanktionen der USA und der EU könne das Land den afrikanischen Wachstumsmarkt für sich nutzen. «Grosses Interesse haben sie an unseren Waffen, besonders seit sie erfolgreich in Zonen regionaler Konflikte eingesetzt wurden», meinte Fituni.

Wenn Putin mit Ägyptens Präsident Abdel-Fattah al-Sisi als Vorsitzender der Afrikanischen Union den Gipfel führt, soll es aber um mehr als um Rüstungsgüter gehen. Russland will etwa Getreide und landwirtschaftliche Maschinen, Flugzeuge und Weltraumtechnik, Lastwagen, chemische und pharmazeutische Produkte exportieren.

Das Handelsvolumen könnte von 20 Milliarden US-Dollar (2018) in den kommenden Jahren um das Dreifache steigen, heisst es. Zum Vergleich: Das chinesisch-afrikanische Handelsvolumen liegt schon jetzt um das Zehnfache höher – und zwar bei 204 Milliarden US-Dollar (2018).

Geopolitisches Kalkül

Klar ist aber auch, dass es neben wirtschaftlichen Interessen für Russland stark um geopolitisches Kalkül geht. Die unter Putin wieder selbstbewusste Grossmacht will Afrika weder China noch dem Westen – besonders den USA – überlassen.

Russische Kommentatoren haben Afrika schon zum Schlachtfeld eines neuen Kalten Krieges mit dem Westen erklärt. Mit etwa 30 afrikanischen Staaten haben die Russen Medien zufolge zuletzt militärische und politische Vereinbarungen getroffen.

«Russland engagiert sich vor allem auch militärisch stark in der Zentralafrikanischen Republik», weiss etwa Günter Nooke, der Afrika-Beauftragte der deutschen Regierung. Vom Kongo über Ägypten, vom Sudan bis zur Zentralafrikanischen Republik mehren sich die Hinweise auf ein verstärktes russisches Afrika-Engagement.

Oft sind es – wie in Mosambik – als privat deklarierte para-militärische Bewachungsdienste oder Militärberater, die Russland entsendet. «Private militärische Unternehmen sind nicht unbedingt schlecht», erklärte der neue russische Botschafter in Südafrika, Ilja Rogaschow, bei einem Seminar der Universität Pretoria. Auf Nachfrage bestätigte er dem Nachrichtenportal «Daily Maverick», dass Moskau auch die politische Kontrolle über sie habe.

Berichte über diese para-militärischen Gruppen sind nicht einfach, Nachforschungen mitunter lebensbedrohlich. Drei russische Journalisten, die im Vorjahr in der Zentralafrikanischen Republik über den angeblichen Einsatz von Söldnern aus ihrer Heimat recherchierten, waren bei ihrer Arbeit getötet worden. Die Hintergründe der Tat und Machenschaften der so bezeichneten privaten Wagner-Gruppe blieben unklar.

Verwobene Interessen

Es geht aber nicht immer nur um Rohstoffe wie in Mosambiks Cabo Delgado-Provinz, wo ausländische Konzerne bei der Ausbeutung der reichhaltigen Gasvorkommen gerade durch den Terror islamistischer Terroristen behindert werden. Strategische und kommerzielle Interessen sind bei Russlands afrikanischem Comeback oft eng verwoben.

Russland kann sich dabei – wie im einstigen Bürgerkriegsland Mosambik – oft auf alte Kontakte berufen. In Afrika gab es Stellvertreterkriege, bei denen im Kalten Krieg sowjetisches Militär eine Rolle spielte. Zudem wurden viele afrikanische Politiker einst in Russland ausgebildet.
Auch in Südafrika werden immer weiter Kontakte geknüpft. Die beiden Länder arbeiten in der Gruppe aufstrebender Schwellenländer zusammen – mit Brasilien, Indien und China – kurz Brics.

Nachdem Russland lange Zeit vergeblich versucht hat, dem Nach-Apartheid-Staat - wie einigen anderen Staaten auf dem Kontinent auch – Atomkraftwerke zu verkaufen, sucht es dort nun militärisch den Schulterschluss. Ende November könnte es daher im südafrikanischen Marine-Stützpunkt Simons Town eng werden, wenn Kriegsschiffe aus China und Russland dort im Vorfeld eines geplanten Drei-Nationen-Manövers erwartet werden.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandro Studer am 23.10.2019 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Ordnung

    Russland, China und ein paar Despoten teilen sich die Welt neu auf, Europa mit seiner komplexen Struktur hat International nichts mehr zu melden. Keine namhafte Armee mehr und völlig unglaubwürdig. Amerika ist ebenfalls im Abseits. Die geopolitische Kräfteverteilung wird neu geordnet.

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  • Tanja Weiss am 23.10.2019 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Weg

    Klar handeln Russland und China aus Eigeninteresse. Wer tut das nicht beim Handeln. Die beiden behandeln andere Länder aber auf Augenhöhe im Gegensatz zum Westen. Die sanktionieren lieber oder beuten aus.

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  • Erstaunter "Bürger" am 23.10.2019 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dass ich das noch erleben darf

    Wow für einmal ein sachlicher und neutral verfasster Artikel. Wünste ich mir auch mal über die Abgründe des Westens wie die Politikhetze in Amerika.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus S. am 24.10.2019 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal vorher in seinem Land für lebenswerte Werte so

    Putin soll eher mal in seinem Land für Reformen sorgen, wie z.B. Demokratie, freie Meinungsäusserung, die immense Armut und Ungleichheit bekämpfen, Unterdrückung, kriegerische Auseinandersetzungen und deren Einmischung beenden, Vetternwirtschaft, immense Korruption, Unterdrückung von Minderheiten, Staatsterrorismus usw.....

    • Beat Meier am 24.10.2019 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Russland

      Waren Sie in Russland, haben sie in Russland gelebt, kennen Sie jemanden aus Russland? Meine Bekannten, Verwandten, Kollegen aus Russland loben Putin, sie sind erstaunt, was für ein Anti-Russlandbashing in Europa permanent betrieben wird. Die Lebensituation der Russen hat sich seit Putin für fast alle Russen stetig verbessert. Klar gibt es Kreise (wie überall), die das nicht bestätigen, aber grundsätzlich ist es so.

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  • Jürüg Ödermatt am 23.10.2019 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Käse vs Türkksch Kebab

    Die Schweizer sind für die Türken zu wenig scharf :-)

  • Roger Campos am 23.10.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
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    • Mark Müller am 24.10.2019 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      Migration

      Sind das die neuen Schutzbedürftigen der Grünen die so gerne auf Kosten des Schweizer Steuerzahlers bis an ihr Lebensende durch füttern dürfen? Ja die haben den Jack Pot geknackt.

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  • Mensch am 23.10.2019 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Alle lachten über Putin...und wir schweizer, kuschen vor den Amis... das Weltbild wird sich ändern, schneller noch, als das Klimaproblem.

    • Mickey House am 23.10.2019 20:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Mensch

      Die Schweiz kuscht nicht nur vor den Amis, sondern noch weit mehr vor der EU. Aber Putin lassen wir besser dort, wo er ist: Im Osten.

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  • Dimitrej Türkovski am 23.10.2019 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nazdrovje und scherefe

    Die Türkei hat mit Russland ein Friedensabkommen bzw. die Sicherheitszone in Nordsyrien auf Papier realisiert.... Nun werden türkisch-russische Truppen das Gebiet von der Terrororganisation PKK/YPG und der IS beschützen, damit Europa und der Westen in Ruhe schlafen kann..... ;-)