Sergej Sobjanin

21. Oktober 2010 23:39; Akt: 21.10.2010 23:47 Print

Putins Mann im Moskauer Rathaus

Moskaus neuer Bürgermeister Sergej Sobjanin ist das genaue Gegenteil seines vom Kreml gefeuerten Vorgängers Juri Luschkow.

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Moskaus neuer Bürgermeister Sergej Sobjanin ist das genaue Gegenteil seines Vorgängers. (Bild: Keystone)

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Kommentatoren beschreiben Sobjanin als loyalen Technokraten ohne eigene politische Ambitionen und als treuen Gefolgsmann von Regierungschef Wladimir Putin.

Für die Putin-Partei Geeintes Russland zog er in den vergangenen Jahren hinter den Kulissen die Fäden. Beobachter sind sicher, dass der oft als skandalfrei, aber farblos beschriebene Sobjanin nie den Einfluss des exzentrischen Luschkow erreichen kann.

Vielmehr soll der aus der Kälte Sibiriens kommende Mann mit dem streng zurückgekämmten grauen Haar wieder die Macht des Putin-Lagers in der grössten Stadt Europas stärken.

Die Karriere des neuen Bürgermeisters ist eng mit Putin verwoben: Der derzeitige Regierungschef holte 2005 als damaliger Präsident Sobjanin als Leiter der Kremlverwaltung nach Moskau. Später organisierte Sobjanin für Putins Nachfolger Medwedew den «Wahlkampf».

Als Vizeministerpräsident war er danach wieder in Putins Nähe. Seit Luschkows Entlassung nach Korruptionsberichten Ende September zählte er zu den Favoriten für den Bürgermeistersessel.

Entspannen auf der Jagd

Am 21. Juni 1958 im sibirischen Gebiet Tjumen geboren, arbeitete Sobjanin zunächst als Schlosser und Werkmeister in einem Rohrwalzwerk am Ural. Nachdem der promovierte Jurist jahrelang Parlamentspräsident im Autonomen Bezirk der Chanten und Mansen in Nordsibirien war, wurde er 2001 Gouverneur seines ölreichen Heimatgebiets Tjumen.

Vorwürfe der Opposition, er sei kein gebürtiger Moskauer und daher nicht für das wichtige Amt geeignet, stören Sobjanin offenbar nicht. Er lebe lange genug in der Millionenmetropole und kenne deren Probleme gut, entgegnet der Vater zweier Töchter seinen Kritikern.

In einem seiner wenigen Interviews gab der als medienscheu geltende Mann als eins seiner Hobbys die Jagd an. Mit einer doppelläufigen Flinte in der Hand lasse sich emotionaler Druck im Wald gut abbauen.

(sda)