Tausende fordern sofortigen Brexit

29. März 2019 20:52; Akt: 29.03.2019 22:53 Print

«Wir wollen unser Land zurück»

von Anna Miller* - Während das britische Parlament das EU-Austrittsabkommen zum dritten Mal ablehnte, gingen in London Tausende Menschen auf die Strasse. Sie verlangen den sofortigen Austritt aus der EU.

Video: Anna Miller/Joel Bedetti
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Beim Parliament Square, ein paar Meter vom Britischen Parlament entfernt, protestieren heute Freitagabend Tausende englische Bürger lauthals gegen das politische Establishment. Dass der Brexit nicht, wie ursprünglich geplant, heute am 29. März stattfindet, lässt sie wütend und enttäuscht zurück.

Viele von ihnen fordern einen sofortigen Austritt. Sie sagen: «Unsere Stimme, die Stimme des Volkes, wurde nicht gehört.» Viele, die mit Fahnen und Plakaten bewaffnet die Strassen säumen, fühlen sich verraten und gedemütigt. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort, der Verkehr im Zentrum kam teilweise zum Stillstand.

Völkerwanderung nach London

Am 23. Juni 2016 hatten sich 51,89 Prozent der Wähler für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ausgesprochen – knapp 17 Millionen Bürger. Hunderte von den Brexit-Befürworterinnen und -befürwortern haben vor 14 Tagen begonnen, aus allen Ecken des Landes in die Hauptstadt London zu marschieren – unter der Führung des Konservativen Nigel Farage und der Kampagne «Leave means leave» verlassen
heisst verlassen.

Der heutige Marsch wurde als historische Rally angekündigt. Im Vergleich zum Grossaufmarsch vor rund einer Woche, wo laut Angaben der Veranstalter über 1 Million Menschen gegen den Brexit protestierten, bleibt der heutige Auflauf eher klein.

Doch viele der Brexit-Befürworter sehen den Marsch als letzte Chance, den Politikern in London zu zeigen, dass sie mit dem Hin und Her nicht einverstanden sind. Und erst recht kein drittes Referendum wollen. Sondern sofort aus der EU raus, um jeden Preis.

Auf Facebook kündigten einige Brexiteers Strassensperren und Gewalt an, sollte Grossbritannien die EU nicht wie geplant um 23 Uhr Londoner Zeit verlassen. Die Abgeordneten im britischen Unterhaus haben das Brexit-Abkommen von Premierministerin Theresa May derweil vor ein paar Stunden zum dritten Mal abgelehnt.

Testabstimmungen am Montag

Nun droht dem Land entweder ein Austritt ohne Abkommen am 12. April oder eine lange Verschiebung des Brexit mit einer Teilnahme an den Europawahlen Ende Mai. EU-Ratspräsident Donald Tusk kündigte kurz nach Bekanntgabe des Resultates via
Kurznachrichtendienst Twitter einen EU-Sondergipfel am 10. April an.

Am Montag soll nun das britische Parlament eine zweite Runde von Testabstimmungen über Alternativen zu dem Abkommen abhalten. Bei der ersten Runde hatten sich die Parlamentarier noch nicht auf eine Option einigen können – alle acht zur Abstimmung stehenden Vorschläge wurden abgelehnt.


*Anna Miller ist freie Journalistin und Autorin

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sunny am 29.03.2019 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie in der Schweiz

    Klingt wie eine Abstimmung in der Schweiz. Passt das Resultat den Politikern nicht, wird lange gewartet oder so lange abgestimmt, bis das Resultat passt.

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  • Xy am 29.03.2019 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Füdlepolitik

    Ist langsam ähnlich wie bei uns. Auch hier wird der Volkswillen nicht umgesetzt... So kann es nicht weitergehen!

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  • Minütli am 29.03.2019 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp England!

    Geht endlich raus und last euch nicht noch länger in die Suppe spuken. Die Suppe wird nie so heiss gegessen, wie sie gekocht wird!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • W. Chselgeld am 30.03.2019 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An: Wir wollen unser Land zurück

    Das Dumme ist nur: Nach Brexit habt ihr euer Land zurück weniger Schottland, und vielleicht mit der Zeit auch Nordirland. Aus Grossbritannien wird Nordbritannien ("Südbritannien" liegt dann in Frankreich)

  • Neutral und kein-Abnicker am 30.03.2019 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Diese EU ist krank und stirbt! S.W.

    Eine Politikerin die ich am meisten Schätze lebt leider in Deutschland. Die Medien in der Schweiz berichten selten von ihr bis gar nicht. Aber zum Thema EU würde ich mir mehr Politiker/inn wie sie Wünschen. Unten werde ich den Namen nennen weil sonst kommen wieder die Blender die Versuchen alles in die Rechte ecke zudrücken ihr einziges Gegenargument wenn sie nichts mehr Wissen. Sara Wagenknecht Die Linke Deutschland. Die Briten hatten einfach genug von der Ungebremsten Einwanderung. Als Tourist merkt man da wenig von. In ganz EU werden die Kritischen stimmen lauter auch ohne Medienberichte.

  • km am 30.03.2019 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie weiter?...

    Die Briten sollen doch endlich austreten. Heute noch. Wir werden dann ja sehen wie es sich so leben lässt im vertragslosen Zustand. Denn als nächste wären wir dann dran um der SVP zu folgen und die Billatetalen Verträge zu künden. Die Schwarmintelligenz eines Volkes ist nicht immer zum Besten.

  • Beuteschweizer am 30.03.2019 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schade...

    Es ist so einfach alles schwarz oder weiss zu sehen. Wenn die EU zerbricht - zerbricht auch der Frieden, der auch unsere Schweiz gross gemacht hat.

  • jimmy lee am 30.03.2019 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ni hao

    Das einzig vernünftige wäre, sich china anzuschliessen. Die eu ist dem untergang geweiht und die usa taugen auch nichts. Die zukunft ist china.

    • Lee Li am 30.03.2019 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jimmy lee

      Ja die Chinesen suchen immer wieder Land wo sie sich ausbreiten können.

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