29. April 2008 12:53; Akt: 29.04.2008 13:37 Print

Reaktor in Syrien: «Beweise» dank Photoshop?

von Peter Blunschi - Die US-Regierung beschuldigt Syrien, mit Hilfe Nordkoreas einen Atomreaktor gebaut zu haben. Die als «Beweis» vorgelegten Fotos lassen jedoch den Verdacht aufkommen, die CIA habe digital «nachgebessert».

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Fassade und Anbau erscheinen schärfer als der Rest der Aufnahme. (Bilder: LA Times)

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Die betreffende Anlage in Syrien wurde im vergangenen September vermutlich durch einen israelischen Luftangriff zerstört. Letzte Woche versuchte die US-Regierung Mitglieder des Kongresses davon zu überzeugen, dass es sich um einen Atomreaktor handelte, der mit nordkoreanischer Hilfe gebaut worden war. Als «Beweise» wurden Fotos vorgelegt. Es gebe «gute Gründe», davon auszugehen, dass der Reaktor «nicht zu friedlichen Zwecken bestimmt war», meinte Dana Perino, Sprecherin des Weissen Hauses.

Dagegen bestritt der syrische Botschafter in Washington, Imad Mustafa, energisch, dass es sich bei der zerstörten Anlage um einen Nuklearreaktor gehandelt habe. Es sei vielmehr ein «leeres Militärgebäude» gewesen, sagte er in einem Interview des Fernsehsenders CNN. Auch die Kongressmitglieder zeigten sich skeptisch, stellten die Informationen aber nicht grundsätzlich in Frage. Im Ausland hingegen fühlte man sich an die «Beweise» für irakische Massenvernichtungswaffen erinnert, die der damalige Aussenminister Colin Powell vor Beginn des Krieges 2003 dem UNO-Sicherheitsrat präsentiert hatte.

Zweifelhafte Fotos und offene Fragen

Diese Skepsis erhält nun neue Nahrung. Ein Blogger der Zeitung «Los Angeles Times» veröffentlichte Informationen, die William Beeman, Nahost-Experte an der University of Minnesota, von einem Kollegen «mit Zugang zu klassifizierten Unterlagen» erhalten hatte. Dieser ungenannte Informant verweist auf Ungereimtheiten bei den vorgelegten Fotos. Er beschuldigt den Geheimdienst CIA, die Aufnahmen «nachgebessert» zu haben. Ein Beispiel ist das Bild ganz oben: Fassade und Anbau erscheinen deutlich schärfer als der Rest der Aufnahme, was auf einen digitale Nachbearbeitung hindeute.

Eigenartig wirkt auch der Vergleich der beiden Aufnahmen rechts. Der Informant stellt zudem einige Fragen zu den Fotos. Warum sind auf den Satelliten-Aufnahmen keine Luftabwehr-Waffen zu sehen, wie sie etwa bei der iranischen Nuklearanlage Natanz vorhanden sind? Warum hat es keine militärischen Checkpoints auf den Strassen zum Gebäude, warum sind keine elektrischen Leitungen vorhanden? Ein Vergleich mit einer Atomanlage in Nordkorea zeige zudem, dass diese aus mehreren Gebäuden bestehe. In Syrien existierte nur gerade das eine, zerstörte Bauwerk.

«Plutonium für bis zwei Bomben»

Trotz dieser Zweifel beharrt die US-Regierung auf ihrer Version. CIA-Direktor Michael Hayden sagte am Montag in Washington, der Reaktor sei kurz vor der Fertigstellung gewesen. Er habe die Kapazität gehabt, Plutonium für ein bis zwei Bomben im Jahr zu produzieren. Botschafter Imad Mustafa dagegen sprach erneut von einem Märchen der Geheimdienste: «Damit wird sich die US-Regierung erneut blamieren. Sie haben über Massenvernichtungswaffen im Irak gelogen und glauben, sie können es nun noch einmal machen.» Syrien kündigte eine Zusammenarbeit mit der Atomenergiebehörde IAEA an.