Flug MH17

21. Juli 2014 11:26; Akt: 21.07.2014 11:26 Print

Reporter wühlt in Gepäck der Absturzopfer

Nach einer Live-Berichterstattung vom Absturzort der MH17 im Osten der Ukraine muss sich der Nachrichtensender Sky News für einen seiner Reporter entschuldigen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Inmitten des Trümmerfelds steht der britische TV-Journalist Colin Brazier und beschreibt die Situation auf der Absturzstelle des malaysischen Flugzeugs MH17 im Osten der Ukraine. Die Kamera zeigt Gepäck der Opfer, einige Taschen und Koffer sind geöffnet. «Kinderkleider, Reiseführer, T-Shirts, Bilderbücher, Sonnenbrillen», zählt Brazier auf.

Dann greift er nach einigen persönlichen Gegenständen – einem rosafarbenen Täschchen und einem Schlüsselbund – und wirft sie wieder zurück. Offenbar rechnete Brazier bereits da mit negativen Reaktionen, die er damit auslösen würde, und sagte gleich darauf: «Wir sollten das eigentlich nicht tun.»

Postwendend kam der Sturm der Entrüstung, im Internet hagelte es Kritik. «Sky! Bringt euren Reporter dazu, mit dem Durchstöbern aufzuhören», twitterte die BBC-Journalistin Shelgah Fogarty.


Der Medienprofessor Joe Watson von der Baker University in Kansas nannte den Vorfall einen «schrecklichen Moment für den Journalismus».


Zahlreiche Nutzer des Kurznachrichtendienstes empfanden Braziers Aktion dermassen pietätlos, dass sie unter dem Hashtag #sackcolinbrazier seine Entlassung forderten.

Sky News distanziert sich von Bericht

Nach dem Shitstorm auf den sozialen Medien und etlichen Beschwerden der Zuschauer sah sich der Sender zu einer Stellungnahme gezwungen. «Colin hat den Zuschauern den Inhalt der Tasche von einem der Opfer gezeigt. Er hat sofort erkannt, dass das nicht angemessen war und das auch live gesagt», sagte eine Sprecherin. «Sowohl Colin als auch Sky News bitten um Entschuldigung für die entstandene Verärgerung.»

Auch vier Tage nach dem Abschuss sollen an der Absturzstelle noch chaotische Zustände herrschen. US-Aussenminister John Kerry sprach von einem grotesken Schauspiel: «Betrunkene Separatisten stapeln Leichen auf Lastwagen und entfernen Material aus der Gegend.» Weiter gab es Berichte, wonach Kreditkarten von Absturz-Opfern vom Trümmerfeld «gestohlen» worden seien. Die Behinderung der Ermittlungsarbeiten und die Missstände bei der Bergung von Leichen am Absturzort machten weltweit Schlagzeilen.

Gemäss den ukrainischen Behörden sind mittlerweile 251 Leichen geborgen worden. Insgesamt waren 298 Menschen an Bord der Maschine.

(kko/sda)