Sexueller Missbrauch

09. Dezember 2011 06:34; Akt: 09.12.2011 10:06 Print

Reporterinnen wollen keine Bevormundung

von Barbara Marti, infosperber.ch - Erneut ist eine Reporterin in Kairo sexuell misshandelt worden. Dennoch wehren sich Journalistinnen gegen einen Aufruf zum «Rückzug» aus Ägypten.

Caroline Sinz berichtet über den sexuellen Übergriff. (Video: YouTube)
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Die französische TV-Reporterin Caroline Sinz ist in einer Seitenstrasse des Tahrir-Platzes in Kairo von rund 20 jungen Männern sexuell schwer misshandelt worden. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte sie, die Männer hätten ihr die Kleider vom Leib gerissen und sie drei viertel Stunden lang in einer Art misshandelt, die «der Definition der Vergewaltigung entspricht».

Kurz zuvor hatte die ägyptisch-amerikanische Journalistin Mona Eltahawy berichtet, man habe sie in Polizeigewahrsam sexuell schwer misshandelt und geschlagen. Dabei seien ihr beide Handgelenke gebrochen worden.

«Medien sollen Frauen aus Kairo zurückziehen»

Aufgrund dieser beiden Übergriffe hat die französische Sektion der Berufsorganisation «Reporter ohne Grenzen» die Medien aufgerufen, keine Reporterinnen mehr nach Kairo zu schicken. Dieser Aufruf löste unter Journalistinnen weltweit einen Sturm der Entrüstung aus. Kurz darauf zog die Berufsorganisation die Warnung wieder zurück und empfahl «spezielle Schutzmassnahmen» für Reporterinnen.

Zu den heftigsten Kritikerinnen gehörte die britische TV-Journalistin Lindsey Hilsum, die jahrelang aus Konfliktgebieten berichtet hat. An «Reporter ohne Grenzen» schrieb sie: «Journalistinnen haben jahrzehntelang dafür gekämpft, dass die Herausgeber sie gleich wie ihre Kollegen behandeln. Ich kann nicht verstehen, wie eine Organisation, die sich für die Pressefreiheit einsetzt, eine solche Diskriminierung von Journalistinnen empfehlen kann.»

«Auch Männer werden angegriffen und getötet»

Gegenüber dem «Guardian» sagte Hilsum, sexuelle Belästigung sei insbesondere für Kriegsreporterinnen ein grosses Problem. Das dürfe aber kein Grund sein, um Journalistinnen aus Konfliktgebieten fernzuhalten: «Immer wieder werden männliche Kriegsreporter angegriffen und getötet. Aber niemand verlangt, sie müssten deshalb die Konfliktgebiete verlassen.» Reporter und Reporterinnen müssten selber entscheiden, ob ein Ort für sie zu gefährlich sei.

Ruth Pollard, Ägypten-Korrespondentin des «Sydney Morning Herald», teilt diese Meinung. Die Situation in Kairo werde für Frauen nicht sicherer, wenn die Medien ihre Journalistinnen zurückziehen. Heather Blake von den britischen «Reportern ohne Grenzen» sagte, die Berichte von Journalistinnen hätten im arabischen Frühling eine wichtige Rolle gespielt. Diese Stimmen dürften nicht zum Schweigen gebracht werden.

Die meisten Kriegsreporterinnen und -reporter müssten vor ihrem ersten Einsatz spezielle Kurse besuchen, die sie auf die Arbeit in einem feindlichen Umfeld vorbereiten. Sie verlangt, dass sexuelle Belästigung und Übergriffe in diesen Kursen auch ein Thema sein müssen.

Vor knapp einem Jahr war Lara Logan, Star-Reporterin des US-Fernsehsehnders CBS, auf dem Tahrir-Platz in Kairo massiv sexuell attackiert und geschlagen worden. Ihr wurden die Kleider vom Leib gerissen und hunderte Männer schlugen und betaschten ihren nackten Körper und machten Handy-Aufnahmen. Lara Logan machte die Attacke öffentlich und löste damit in den USA eine kontroverse Debatte über Kriegsreporterinnen aus.

Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hanny schmied am 09.12.2011 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Aufregung versteh ich nicht

    Offenbar gibt es immer noch Leute, die den Koran nicht gelesen haben.

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  • Sandra am 09.12.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Verständnis

    Ich verstehe einfach nicht, wieso man als Journalistin oder Reporterin immer noch in solche Länder reist. Job hin oder her, da wäre mir meine Sicherheit wichtiger. Dass es in gewissen Ländern immer noch wie im Mittelalter zu un her geht sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben. Einfach nicht mehr da hin gehen, Punkt.

  • Alexandra HG am 09.12.2011 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Krisengebieten wird es immer...

    Gewalt geben. Egal ob Frau oder Mann, das Risiko Opfer zu werden ist omnipräsent. Reporter haben einen gefährlichen Job, sie kennen die Risiken. Wenn sie sich täuschen, kann dies furchtbar oder/und tödlich für sie enden. Egal ob Frau oder Mann, solange jemand meint er müsse Macht demonstrieren oder sich dazu mitreissen lassen, wird es immer solche Vorfälle geben. Reporter berichten über das Leben und manchmal über sich selbst, wenn sie dann noch können. Wir sollten ihre Arbeit dementsprechend wertschätzen und das unsere für den Weltfrieden leisten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ilovenour am 11.12.2011 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Reporter können noch nicht mal ganz rein

    Der Tahreer ist crazy, hatte mal harmlos angefangen...die Reporter können nicht mal ganz rein, sondern sind sehr ausserhalb...drinnen gehts erst richtig ab. Unfreiwillig war ich zwei mal an den ganz schlimmen Orten...das ist eine echte Hölle, es wird Nervengas eingesetzt, nicht bloss Tränengas...ich hatte noch einige Tage hier in der Schweiz, Flecken am ganzen Körper und war krank, Vergewaltigung, Kidnapping, Verletzte, Dreck, Tote. Verarbeite es in den Träumen...aber ich bin froh, so etwas einmal hautnah erlebt zu haben, es hat mir gezeigt, wie ich mein Leben künftig leben soll - in Liebe

  • repi am 10.12.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mutig

    Es geht gar nicht um mutige Frauen. Ich kann leider nur selber schuld sagen , weil jede und jeder weiss wie es in solchen Länder zu und her geht. Die machen nämlich was sie wollen. In solchen Ländern ist man ausgeliefert und Hilfe muss man auch nicht von Gesetztes Vertretern erwarten, die sind noch schlimmer.

    • Ilovenour am 11.12.2011 17:09 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht das Land ist schlecht...

      Die Mehrheit des Landes ist gut, es ist ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung Cairos (20Mio.), die völlig ausgerastet sind. Die Polizei und andere Leute, die vorher dem Land anständig gedient haben tun das auch weiterhin. Eine Revolte ist schlimm, ich finde es viel extremer als Krieg, ich bin auch Journalistin, ich war aber unfreiwillig in diese Revolte geraten - als Muslimin landete ich auch voll drinnen...mashallah. Ein Mann kam dann und sagte: "Gehe raus, es ist dein Leben, du schaffst es, blicke nicht rechts und links, gehe einfach raus und nie wieder rein". Ich befolgte den Rat.

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  • Tony am 09.12.2011 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld

    die fahren in Kriesengebiete um dort Kapital aus dem Leid der Leute zu schlagen. Also ist es gut wenn sie dieses Leid auch am eigenen Körper spüren!

    • Ilovenour am 11.12.2011 17:12 Report Diesen Beitrag melden

      Sensationslust der Leute

      Steckt dahinter nicht auch die Sensationslust der Leute, die es gerne lesen. Ich las es auch immer gerne und dachte, es trifft nur die anderen....bis es mich selbst traf, am eigenen Leib - heute weiss ich es besser. Ich beschäftigte mich viel zu viel mit Kriegen und Revolten, las zuviel Zeitung und dachte zuviel darüber nach, - "wie innen so aussen", dann wurde der üble Traum wahr und ich musste selber kämpfen, da wieder heil raus zu kommen aus dieser Corrida de Huomos...

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  • Sandra am 09.12.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Verständnis

    Ich verstehe einfach nicht, wieso man als Journalistin oder Reporterin immer noch in solche Länder reist. Job hin oder her, da wäre mir meine Sicherheit wichtiger. Dass es in gewissen Ländern immer noch wie im Mittelalter zu un her geht sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben. Einfach nicht mehr da hin gehen, Punkt.

  • Alexandra HG am 09.12.2011 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Krisengebieten wird es immer...

    Gewalt geben. Egal ob Frau oder Mann, das Risiko Opfer zu werden ist omnipräsent. Reporter haben einen gefährlichen Job, sie kennen die Risiken. Wenn sie sich täuschen, kann dies furchtbar oder/und tödlich für sie enden. Egal ob Frau oder Mann, solange jemand meint er müsse Macht demonstrieren oder sich dazu mitreissen lassen, wird es immer solche Vorfälle geben. Reporter berichten über das Leben und manchmal über sich selbst, wenn sie dann noch können. Wir sollten ihre Arbeit dementsprechend wertschätzen und das unsere für den Weltfrieden leisten.