Präsidentschaftswahl 2012

24. Mai 2011 00:00; Akt: 24.05.2011 00:06 Print

Republikaner verlieren einen Hoffnungsträger

von Peter Blunschi - Die US-Republikaner kommen bei ihrer Suche nach einem Gegner für Barack Obama nicht vom Fleck. Jetzt hat sich ein weiterer möglicher Kandidat zurückgezogen.

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

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Die Gelegenheit wäre eigentlich günstig: Die Wirtschaft schwächelt, Arbeitslosigkeit und Benzinpreis sind hoch. Der Amtsinhaber ist eine Figur, die polarisiert. Und doch wächst in den Reihen der republikanischen Partei langsam die Verzweiflung: Nach wie vor haben sie keinen überzeugenden Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2012. Denn am Sonntag hat jener Mann den Verzicht erklärt, auf den sich zuletzt die Hoffnungen konzentrierten.

Er werde sich nicht um die Präsidentschaft bewerben, teilte Mitch Daniels mit, Gouverneur von Indiana und ehemaliger Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush. Der 62-Jährige gilt als gemässigt und damit akzeptabel für unabhängige Wähler in der Mitte. Er berief sich auf seine Familie als Grund für den Verzicht. Sein Privatleben hätte ohnehin zu reden gegeben. Ehefrau Cheri hatte sich schon einmal von Daniels scheiden lassen und ihn mit den vier Töchtern sitzen gelassen, ehe sie zu ihm zurückkehrte und ihn erneut heiratete.

Das Feld lichtet sich

Letzte Woche hatten bereits Mike Huckabee, ehemaliger Gouverneur von Arkansas, und Immobilienmogul Donald Trump das Handtuch geworfen. Newt Gingrich, der frühere Vorsitzende des Repräsentantenhauses, gab zwar seine Kandidatur bekannt, doch schon kurz darauf zog er den Zorn seiner Partei auf sich, als er die republikanischen Sparpläne im Gesundheitswesen scharf kritisierte. Viele halten Gingrich bereits für erledigt.

In der Not wurden am Wochenende erneut Namen ins Spiel gebracht wie Jeb Bush, Ex-Gouverneur von Florida und Bruder des Ex-Präsidenten, Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, und der Kongressabgeordnete Paul Ryan, als eiserner Sparpolitiker derzeit einer der Stars der Republikaner. Doch alle drei erklärten prompt und nicht zum ersten Mal, sie stünden nicht zur Verfügung. Nach wie vor unklar ist zudem, wie sich Sarah Palin und die Abgeordnete Michele Bachmann, zwei Lieblinge der Tea Party, entscheiden werden.

Romney gilt als Favorit

Dafür wird Tim Pawlenty am Montag offiziell seine Kandidatur bekannt geben (siehe unten). Der frühere Gouverneur von Minnesota gilt als farblos. Er hat es in den letzten Monaten, in denen er seine Bewerbung vorbereitet hat, nie geschafft, die Leute zu begeistern. Deshalb konzentrieren sich viele Hoffnungen auf Jon Huntsman. Der frühere Regierungschef von Utah war erst kürzlich als US-Botschafter in China zurückgetreten. Nach Mitch Daniels Verzicht hat er sein Interesse an einer Kandidatur deutlich durchblicken lassen.

Als Favorit gilt derzeit jedoch Ex-Gouverneur Mitt Romney. Er ist Mormone und stammt aus dem liberalen Massachusettts, was ihn vielen in der Partei suspekt macht. Ausserdem konnte er bei seiner ersten Kandidatur 2008 nicht überzeugen. Doch das Magazin «Time» verweist auf die Gewohnheit der republikanischen Basis, sich stets für den «wählbarsten» Kandidaten zu entscheiden, und das dürfte trotz allem Romney sein. «Er kann die Nomination nur verlieren», meinte ein Parteiveteran gegenüber der «Huffington Post».

Obama erwartet knappes Rennen

Im Lager von Barack Obama könnte man sich angesichts der Nöte der Opposition die Hände reiben. Doch dem ist nicht so. Demokratische Strategen verweisen auf die tiefe Spaltung des Landes. Wer das Vorwahl-Prozedere als Sieger überstehe, werde auf eine starke und entschlossene Basis und grosse finanzielle Ressourcen zählen können. Ein Mitarbeiter von Obamas Wiederwahl-Kampagne brachte es gegenüber der «Washington Post» auf den Punkt: «Sofern es nicht Palin oder Gingrich ist, erwarten wir ein sehr knappes Rennen.»


Tim Pawlentys Bewerbungsvideo. (Video: YouTube)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Baumgartner am 24.05.2011 05:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul

    Der Kongressabgeordnete und frühere Presidentschaftskandidat Ron Paul aus Texas wurde wohl einfach so aus Versehen vergessen als neuen Kandidaten aufzuführen? Ron Paul hat neben anderem den Bestseller "End the FED" verfasst. Er hält die Federal Reseve Bank als Hautschuldige für die Wirtschaftsmisere der USA, und will sie abschaffen. Er würde den "Weltpolizisten USA" abschaffen, die Kriege in Afganistan und Irak sofort beenden und die Soldaten nach Hause bringen. Er will endlich sparen und den Staatsapparat abbauen. Er befürwortet Gold und Silber als konstutionelles Geld der USA.

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  • Markus Baumgartner am 24.05.2011 05:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul

    Der Kongressabgeordnete und frühere Presidentschaftskandidat Ron Paul aus Texas wurde wohl einfach so aus Versehen vergessen als neuen Kandidaten aufzuführen? Ron Paul hat neben anderem den Bestseller "End the FED" verfasst. Er hält die Federal Reseve Bank als Hautschuldige für die Wirtschaftsmisere der USA, und will sie abschaffen. Er würde den "Weltpolizisten USA" abschaffen, die Kriege in Afganistan und Irak sofort beenden und die Soldaten nach Hause bringen. Er will endlich sparen und den Staatsapparat abbauen. Er befürwortet Gold und Silber als konstutionelles Geld der USA.