15. April 2005 16:51; Akt: 17.04.2005 19:50 Print

Rover: Over and out

Nach gescheiterten Verhandlungen haben die Konkursverwalter des britischen Automobilherstellers Rover die Zerschlagung des Unternehmens beschlossen.

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Die 5.000 Beschäftigten sollen entlassen werden, wie die Konkursverwalter am Freitag in London mitteilten.

Der chinesische Investor SAIC will definitiv nicht beim zahlungsunfähigen britischen Autobauer einsteigen. Fast 5000 Beschäftigte im Hauptwerk Longbridge in Mittelengland werden entlassen.

Dies kündigte Insolvenzverwalter Ian Powell von der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers am Freitag an. SAIC hatte zuvor der britischen Regierung in einem Schreiben mitgeteilt, Rover in seiner jetzigen Form nicht übernehmen zu wollen.

Geschlagener Blair

«Das ist ein furchtbarer Schlag», sagte Premierminister Tony Blair, der einen Wahlkampfaufritt abbrach. Er kündigte an, persönlich in die West Midlands zu fahren, wo Rover seinen Stammsitz hat.

In der Region hängen auch rund 18 000 Arbeitsplätze in der Zuliefererindustrie von Rover ab. Die Fusion mit SAIC war der letzte Rettungsanker für den hundert Jahre alten britischen Autokonzern.

Blair kündigte drei Wochen vor den britischen Parlamentswahlen ein neues Hilfspaket an. Hilfen in grösserem Ausmass, um die Produktion wieder aufzunehmen, wurden jedoch nicht erwartet. Der Premier betonte, dass in der vergangenen Woche alles dafür getan worden sei, die Zukunft von Longbridge zu sichern.

Mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Regierung waren die Löhne und Gehälter der Rover-Beschäftigten eine Woche lang gezahlt worden. Ohne diesen Kredit wären nach Angaben von PricewaterhouseCoopers bereits vor einer Woche 5300 Menschen entlassen worden.

Weitere Gespräche

Nun sei aber kein Geld mehr da, um die gesamte Belegschaft zu bezahlen, sagte Insolvenzverwalter Powell. Nach seinen Angaben sollen aber weiter Gespräche mit möglichen Interessenten geführt werden. Der Chef der Transportgewerkschaft TWGU, Tony Woodley, wertete den Rückzug von SAIC als «katastrophalen Entwicklung».

Die Rover-Eigentümer hatten vor einer Woche einen Insolvenzverwalter für das Unternehmen bestellt, nachdem sich der Ausstieg von SAIC bereits abgezeichnet hatte. Rover ist der letzte grosse unabhängige Autobauer in Grossbritannien und stand schon mehrfach kurz vor der Pleite.

Das Unternehmen war im Jahr 2000 durch eine Gruppe britischer Geschäftsleute gerettet worden, die das Unternehmen vom BMW-Konzern übernommen hatte. Dabei zahlte das Phoenix-Konsortium ganze zehn Pfund für die Verluste schreibende Firma und erhielt von BMW auch noch einen Kredit zur Sanierung. Sein erstes Auto hatte MG Rover im Jahr 1904 produziert.

(sda)