Homs

10. Mai 2014 15:48; Akt: 10.05.2014 15:48 Print

Rückkehr in eine zerstörte Heimat

Die Rebellen sind aus der monatelang belagerten Stadt Homs abgezogen. Tausende der vertriebenen Bürger kehren wieder in die Ruinenstadt zurück. Dort lauern viele Gefahren.

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Nach dem Abzug der syrischen Rebellen aus Homs sind am Samstag Tausende ehemalige Bewohner zum ersten Mal seit fast zwei Jahren in die geräumten Viertel zurückgekehrt. Sie liefen durch die zerstörten Strassenfluchten und schauten in ihren ehemaligen Häusern nach dem Rechten. Einige Menschen transportierten aus ihren Wohnungen Kleidung und Habseligkeiten ab. Es gab vereinzelt Vorwürfe, die Rebellen hätten geplündert.

«Mein Haus wurde vollständig zerstört und niedergebrannt, aber ich habe einige Fotos gefunden», sagte SarmadMussa aus dem Stadtviertel Hamidije. «Sie werden mir ein Andenken an die schönen Tage bleiben, die wir hier hatten.»

Gefährliche Ruinen

Eine Jugendband zog mit Trommeln und Fotos des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad durch die Gegend. Der syrische Rote Halbmond versorgte Bewohner, die in ihre Häuser zurückkehren wollten, mit sauberem Wasser, Nahrungsmitteln und Kerzen, wie Gouverneur Talal Barasi sagte. Bulldozer räumten Trümmerteile von der Strasse.

Ganz sicher konnten sich die Rückkehrer aber nicht fühlen: Nach Angaben Barasis wurden ein Mann, eine Frau und ein Kind bei drei separaten Explosionen in Homs getötet, als von Rebellen platzierte Minen in ihren Häusern detonierten. Mindestens fünf Militärfahrzeuge mit Soldaten suchten die Gegend nach weiteren Sprengsätzen ab.

Einige Bewohner schmiedeten bereits Pläne, in ihrem Zuhause zu bleiben. Sie kehrten Trümmerteile und Glasscherben aus ihren Häusern. «So Gott will, werden wir heute Nacht in unseren Häusern schlafen, nicht morgen», sagte ein Mann dem libanesischen Fernsehsender Al-Majadin.

Rebellen wollen zurückkehren

Regierungstruppen hatten die von den Assad-Gegnern gehaltenen Viertel monatelang belagert und dort auch zahlreiche Zivilisten eingekesselt. In der vergangenen Woche schlossen beide Seiten eine Vereinbarung, die den Rebellen freies Geleit gewährte. Hunderte Kämpfer zogen sich in andere von den Aufständischen gehaltene Gebiete zurück.

Die Rebellen hätten Homs verlassen, «um sich auszuruhen und behandeln zu lassen», sagte ein oppositioneller Aktivist mit dem Namen Thaer Chalidija. «Aber sie wollen zurückkehren, um Homs zu befreien.»

Der Krieg in Syrien tobt seit mehr als drei Jahren. Nach Angaben von Aktivisten hat er mehr als 150000Menschen das Leben gekostet. Zuletzt hatten Assads Truppen militärische Erfolge errungen. Der Abzug der Rebellen aus Homs wird wenige Wochen vor der geplanten Präsidentschaftswahl als Sieg für den Amtsinhaber gesehen. Es wird erwartet, dass Assad die Abstimmung am 3. Juni gewinnt und er dadurch ein Mandat erhält, weiter gegen die Aufständischen vorzugehen.

(sda)