Katastrophe in

18. Juni 2011 12:42; Akt: 18.06.2011 19:10 Print

Rückschlag im AKW Fukushima

Kaum in Betrieb genommen, musste die Abwasserreinigung schon wieder gestoppt werden. Jetzt muss ein neuer Plan für die Dekontaminierung des Wassers her - und die Zeit drängt.

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Die Inbetriebnahme eines neuen Systems zur Reinigung hochgradig verseuchten Wassers musste am Samstag nach wenigen Stunden unterbrochen werden, wie der Betreiber der Atomruine mitteilte.

Bei einem der Komponenten, das Cäsium absorbieren soll, seien die Strahlenwerte schneller auf die Höchstgrenze gestiegen als gedacht. Das betroffene Teil müsse nun zunächst ausgetauscht werden, teilte der Energiekonzern Tepco mit.

Als Grund für das technische Problem nahm das Unternehmen an, dass entweder besonders stark verseuchter Dreck in die Wasserwiederaufbereitungsanlage eingedrungen ist und sie verschmutzt hat oder dass das verstrahlte Wasser höhere Strahlenwerte aufweist als bisher gemessen.

Es war zunächst unklar, wann die Reinigung des Wassers weitergehen kann. Ein Erdbeben und ein nachfolgender Tsunami hatten im März die Kühlsysteme der Atomanlage zerstört. Seitdem wird Wasser in die Reaktoren gepumpt, um die Kerne zu kühlen. Nun soll das bereits verwendete Wasser dekontaminiert werden, um es danach wieder für die Kühlung einzusetzen.

Volle Auffangbehälter

Bisher haben sich mehr als 100 000 Tonnen radioaktiv verstrahltes Wasser angesammelt - genug, um 40 Sportschwimmbecken zu füllen. Die Auffangbehälter drohen in den kommenden Wochen überzulaufen.

Tepco droht das Problem nun über den Kopf zu wachsen, denn zur Kühlung der beschädigten Reaktorblöcke müssen weiterhin grosse Mengen Wasser eingeleitet werden.

«Wenn wir die Prozedur nicht innerhalb einer Woche wieder in Gang bringen können, werden wir Probleme bekommen, das kontaminierte Wasser unterzubringen», sagte der Sprecher. Anfang April hatte Tepco bereits rund 10 000 Tonnen ins Meer abgelassen. Dies führte zu Kritik der Nachbarländer China und Südkorea.

Gedenkfeiern an der Pazifikküste

Unterdessen gedachten die Menschen in der Katastrophenregion am Samstag der Opfer des Erdbebens und Tsunamis, die vor genau 100 Tagen die Region im Nordosten des Landes heimgesucht hatten.

An vielen Orten entlang der Pazifikküste des Landes nahmen tausende Hinterbliebene an Seelenmessen teil. Mehr als 15'400 Leichen wurden bisher geborgen. Mehr als 7700 Menschen gelten weiter als vermisst.

Die japanische Bevölkerung steht der Atomkraft seit der Katastrophe skeptisch gegenüber. Die Regierung von Ministerpräsident Naoto Kan hat eine Energiewende angekündigt und will künftig mehr auf erneuerbare Energien setzen.

(sda)