420 Milliarden Dollar

09. Dezember 2019 04:13; Akt: 09.12.2019 05:54 Print

Rüstungsverkäufe steigen um fast 5 Prozent

Die 100 führenden Rüstungskonzerne der Welt verkauften 2018 Waffen im Wert von 420 Milliarden Dollar, mehr als je zuvor.

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Nicht berücksichtigt sind die Güter von chinesischen Unternehmen: Militärparade in Peking. (Archivbild) (Bild: Reuters/Thomas Peter)

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Die 100 führenden Rüstungskonzerne der Erde haben ihre weltweiten Waffenverkäufe im vergangenen Jahr um fast fünf Prozent gesteigert. 2018 wurden von ihnen Rüstungsgüter und militärische Dienstleistungen im Gesamtwert von 420 Milliarden Dollar verkauft.

Dies entsprach einem Zuwachs von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervor geht. Demnach wurde die Zunahme vor allem von höheren Verkaufszahlen der grössten Konzerne angetrieben.

Nicht berücksichtigt wurden Güter von Unternehmen aus China – zu diesen fehlt es weiter an ausreichenden Daten für verlässliche Schätzungen.

Absoluter Spitzenreiter bei den Verkäufen bleiben abermals die USA. Erstmals seit 2002 – seit dem Jahr verfügt Sipri über vergleichbare Daten inklusive Material aus Russland – nehmen Konzerne mit Sitz in den Vereinigten Staaten gleich alle fünf Toppositionen unter den führenden Rüstungsunternehmen ein.

Diese fünf – Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, Raytheon und General Dynamics – verkauften zusammen Rüstungsgüter im Wert von insgesamt 148 Milliarden Dollar. Insgesamt machten US-Unternehmen 246 Milliarden Dollar aus, was 59 Prozent aller Verkäufe der Top 100 und einem Zuwachs von 7,2 Prozent im Vergleich zu 2017 entspricht.

Einen wichtigen Trend in den USA sehen die Friedensforscher darin, dass grössere Rüstungskonzerne kleinere Unternehmen übernehmen. «Die US-Unternehmen bereiten sich auf das neue Waffenmodernisierungsprogramm vor, das Präsident Trump 2017 angekündigt hat», sagte Sipri-Waffenexpertin Aude Fleurant. «Grosse US-Firmen fusionieren, um in der Lage zu sein, die neue Generation von Waffensystemen produzieren zu können und damit in einer besseren Position zu sein, um Verträge von der US-Regierung zu gewinnen.»

Grossbritannien führend in Europa

Europa macht ein gutes Viertel der weltweiten Waffenverkäufe aus (24 Prozent). Die 27 in der Liste vertretenen europäischen Waffenproduzenten verkauften Güter im Wert von 102 Milliarden Dollar, was einen leichten Zuwachs um 0,7 Prozent bedeutete.

Die Zahlen der vier gelisteten deutschen Konzerne nahmen dagegen insgesamt um 3,8 Prozent ab. Wachsenden Lieferungen militärischer Fahrzeuge von Rheinmetall an die Bundeswehr stehe ein Rückgang der Verkaufszahlen beim Schiffbauer ThyssenKrupp entgegen, sagte Sipri-Experte Pieter D. Wezeman.

Damit hat Deutschland einen Anteil von 2,0 Prozent an den weltweiten Waffenverkäufen und rangiert somit hinter Italien, Japan und Israel, aber vor Indien und Südkorea. Airbus wird bei der Sipri-Auswertung als «transeuropäischer» Konzern gelistet, weil das Unternehmen seinen Sitz in mehr als nur einem Land hat.

Die Verkäufe britischer Rüstungskonzerne sanken unter anderem wegen Verzögerungen beim Waffenmodernisierungsprogramm ihres Landes um 4,8 Prozent, die französischer Unternehmen stiegen um 2,4 Prozent. Grossbritannien bleibt dennoch Europas Waffenverkäufer Nummer eins, gefolgt von Frankreich.

Russland fast unverändert

Fast unverändert blieben die Rüstungsverkäufe aus Russland: Die zehn in den Top 100 gelisteten russischen Konzerne verkauften Güter und Dienste im Gesamtwert von 36,2 Milliarden Dollar, was einem minimalen Rückgang von 0,4 Prozent entsprach. Fünf der Unternehmen verzeichneten demnach Zuwächse, fünf Einbussen.

Als Waffenverkäufe bezeichnet Sipri jeglichen Verkauf militärischer Güter und Dienstleistungen an militärische Abnehmer im In- wie im Ausland. Seit 2002 haben die Verkäufe laut den Friedensforschern insgesamt um knapp 47 Prozent zugenommen.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geissenpeter am 09.12.2019 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir bauen ab

    weil wir davon träumen im Land der Einhörner zu leben... die Welt ist aber die Hölle und davor schützt man sich nicht indem man die Augen verschliesst und träumt.

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  • Chrigu75 am 09.12.2019 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade ums Geld

    420 Milliarden. Was man mit dem alles sinnvolles machen könnte. Wir haben doch weitaus grössere Probleme als uns zu bekämpfen zu müssen.

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  • Reto am 09.12.2019 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inhumamste Industrie

    Eigentlich eine der inhumansten Industriezweige. Die Menschen, vor allem die Eliten, sind viel zu egoistisch geworden und müssen ihre auf Kosten anderer Menschen ergaunerte Besitztümer schützen. Eine kleine Minderheit zwingt mit Hilfe der Produkte der Waffenindustrie der Mehrheit der Weltbevölkerung ein Wirtschaftsystem auf, welches sie übermässig bevorteilt und den Rest mehr oder weniger am Hungertuch nagen lässt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Matthias S. am 11.12.2019 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das wirklich Freiheit

    Wer nicht gewillt ist, auf der Seite der USA zu stehen, ihre Meinung teilt und auch gehorchsam sein will, wird von den USA unter Druck gesetzt, gedroht und bedroht. Die Mentalität und Taktiken der USA sind Kriege zu führen, schwarz zu malen, zu sanktionieren, ... und AUF DER GANZEN WELT MILITÄRISCH PRÄSENT ZU SEIN. Wer nicht gehorch, wird DRUCK ausgesetzt und SANKTIONIERT!!! Das ist wohl die westliche Werte für Freiheit, die die USA uns vorschreiben!!! Das sehen bestimmt nicht alle so!

  • Die US-Kriege am 11.12.2019 00:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kriege führen zu grossen Einnahmen

    Die Verkäufe von tödlichen Waffen sind die grösste Einnahme der USA. Es ist doch kein Zufall, dass die USA die meisten Kriege führt. Kriege führen der USA zu grossen Einnahmen.

    • Marcel am 11.12.2019 00:23 Report Diesen Beitrag melden

      USA sind bekannt für Doppelmoral!

      Und es ist auch keine Ausnahme für die USA, überall unter verschiedenen Deckmanteln Unruhen zu stiften, um Kriege zu verursachen. Das nennt man US-Scheinheiligkeit!

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  • Florian am 10.12.2019 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Amerikanische Arroganz und Bedrohung

    Kein Wunder, wenn die USA überall und die ganze Welt bedroht und mit ihren Kriegschiffen um die Welt fahren, um Druck und Dominanz zu präsentieren. Wer würde sich schon stets solche amerikanische Frechheit und amerikanische Arroganz erlauben???

  • Fake News am 10.12.2019 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Die SCHEINHEILIGEN USA

    Aha, absoluter Spitzenreiter bei den Verkäufen von tötlichen Waffen bleiben abermals die USA. Die SCHEINHEILIGEN USA zeigen aber stets mit den Fingern auf anderen!!!

  • HellVeticus am 10.12.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ci vis pacem.

    ...parabellum. Oder auch ein guter Zaun macht gute Nachbarn.