Rüstungsindustrie

16. Dezember 2008 19:15; Akt: 16.12.2008 19:33 Print

Russen exportieren Waffen für acht Milliarden

Russland hat 2008 Waffen für mehr als acht Milliarden US-Dollar in rund 80 Länder exportiert. Seit 2000 hat sich damit die Exportquote verdoppelt.

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Mikhail Kalashnikov beim Festakt zum Jubiläum «50 Jahre Kalashnikov». (Bild: Keystone)

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«Wir gehören damit weltweit zu den drei führenden Rüstungslieferanten», sagte Vize-Regierungschef Sergej Iwanow am Dienstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax in Moskau.

Russland exportiert Waffen in etwa 80 Länder, Abnehmer sind unter anderem Indien und China. 2007 hatte die Regierung in Moskau bereits einen geschätzten Erlös von 7,5 Milliarden US-Dollar aus Rüstungsverkäufen erzielt. Damit habe Russland seine jährlichen Waffenausfuhren seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt, sagte ein Regierungssprecher in Moskau.

Der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow kündigte die Lieferung von zehn Jagdflugzeugen des Typs MiG-29 an Libanon an. Moskau hoffe sehr auf «neue Impulse» in der militärtechnischen Zusammenarbeit mit Beirut.

Interesse an russischen Atom-U-Booten

Ein Mitarbeiter der Behörde für Rüstungsexporte in Moskau teilte mit, dass Indien an russischen Atom-U-Booten interessiert sei. Verhandlungen über ein Leasing hätten bereits begonnen.

Iwanow sagte, die weltweite Finanzkrise habe nicht zu Auftragsverlusten in der russischen Rüstungsindustrie geführt. «Russland wird unermüdlich fortfahren, seine Autorität und seinen Einfluss in allen Sphären des Erdballs zu festigen», betonte er.

Möglicher Erwerb von Aufklärungsdrohnen aus Israel

Russland erwägt erstmals den Kauf von Verteidigungstechnik aus Israel. Wie der russische Generalstabschef Nikolai Makarow der Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag sagte, interessiert sich Moskau für hochmoderne israelische Aufklärungsdrohnen.

Beim Kaukasus-Krieg im vergangenen Sommer hatte die georgische Armee mit ihren unbemannten Flugzeugen aus israelischer Herstellung einen strategischen Vorteil gegenüber den russischen Streitkräften.

Die Zeitung «Kommersant» berichtete, das russische Militär habe Ende November Gespräche mit Vertretern des israelischen Verteidigungsministeriums und des Rüstungsunternehmens Israel Aerospace Industries (IAI) geführt.

Das Blatt erfuhr aus Armeekreisen, dass ein Auftrag an IAI für den Bau von Drohnen «fast sicher» sei. Israelischen Presseberichten zufolge beläuft sich die Kaufsumme auf umgerechnet 11,5 bis 13,7 Millionen Franken.

«Gewagte Entscheidung»

Der russische Verteidigungsexperte Ruslan Puchow, Direktor des Centre of Analysis of Strategies and Technologies, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Moskau habe noch nie zuvor Militärtechnik aus Israel gekauft. «Das ist eine ziemlich gewagte Entscheidung», sagte Puchow.

Sowohl die US-Regierung als auch die russische Rüstungsindustrie würden über den möglichen israelisch-russischen Handel nicht glücklich sein. Rüstungsgeschäfte zwischen den beiden Ländern sind ausserdem wegen der russischen Waffenverkäufe an Israels Erzfeinde Iran und Syrien ein heikles Thema.

Während des Kaukasus-Krieges im vergangenen August konnte die georgische Armee den russischen Einheiten dank ihrer Aufklärungsdrohnen aus israelischer Herstellung schmerzvolle Verluste zufügen.

(sda)