Marco Weber

04. Dezember 2013 15:46; Akt: 04.12.2013 16:04 Print

Russische Justiz ist «unberechenbar»

Erstmals hat Greenpeace-Aktivist Marco Weber über seine Freilassung gesprochen. Er hegt keinen Groll gegen Russland und will sich einem allfälligen Prozess stellen.

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Die aus russischer Haft freigekommene argentinische Greenpeace-Aktivistin Camila Speziale fordert am 28. Dezember 2013 eine Entschuldigung von Russland für die wochenlange Inhaftierung. Mit dem Australier Colin Russell kam am der letzte Greenpeace-Aktivist frei. Am Morgen des kann der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber das Gefängnis verlassen. Damit ist Weber zwei Tage nach der Ankündigung, die Kaution sei für ihn bezahlt worden, auf freiem Fuss. Wann und ob er überhaupt ausreisen darf, bleibt aber noch unklar. Am hat die russische Justiz den Greenpeace-Aktivisten Marco Weber gegen Kaution freigelassen. Einem nach dem anderen gewährt die russische Justiz den Mitgliedern der «Arctic 30» die Freiheit gegen Kaution. Zuletzt waren das Die Kaution beträgt jeweils 2 Millionen Rubel (über 56'000 Franken). Am Abend des gegen Kaution freizulassen. Etwas früher am gleichen Tag wurde bereits die Ärztin Jekaterina Saspa gegen Kaution freigelassen. Über die weiteren Fälle soll im Laufe der Woche entschieden werden. Auch der russische Fotograf Denis Sinyakov wurde gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt. Trostlos: Die 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten, die nach einer Protestaktion in der Arktis inhaftiert worden waren, werden am 11. November vom nördlichen Murmansk nach St. Petersburg verlegt. Selbst Wachhunde sind im Einsatz. Am 21. Oktober haben die Niederlande den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg angerufen, um Russland zur Freilassung der in Murmansk inhaftierten Greenpeace-Aktivisten zu bewegen. Doch Russland will den Prozess boykottieren, wie die Regierung zwei Tage später, am 23. Oktober, mitteilte. Marco Weber bleibt weiter in Haft: Das Gericht in Murmansk hat die Beschwerde gegen die Inhaftierung des Schweizer Aktivisten abgelehnt, wie Greenpeace am 21. Oktober 2013 mitteilte. Mit diesem Schreiben meldet sich der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber erstmals zu Wort. In der Sonntagspresse vom 13. Oktober 2013 berichtet Weber aus Murmansk: «Macht euch keine Sorgen um mich - vorerst.» Am 4. Oktober nahmen Vertreter von Greenpeace und der Vater des verhafteten Schweizer Aktivisten Marco Weber in Zürich Stellung zu der Aktion in Russland und den Folgen. Eduard Weber sagte, die Situation sei für Marcos Familie sehr schwer. Marco sei aber nicht leichtsinnig gewesen und habe gewusst, dass er ein Risiko eingehe. Tags zuvor hat ein russisches Gericht angeordnet, die Untersuchungshaft für mehrere der 30 Greenpeace-Aktivisten zu verlängern. Davon ist auch Marco Weber betroffen. Der 28-Jährige muss für zwei Monate in Untersuchungshaft, wie Greenpeace auf Twitter mitteilte. Insgesamt müssen acht Greenpeace-Aktivisten bis zum 24. November hinter Gitter: Neben dem Schweizer sind dies der US-amerikanische Kapitän der «Arctic Sunrise», Peter Willcox, ... ... der neuseeländische Mechaniker Jonathon Beauchamp, ... ... die Niederländerin Faiza Oulahsen, ... ... der Ukrainer Ruslan Yakushev, ... ... die Finnin Sini Saarela, ... ... der Franzose Pisanu Francesco Pierre und ... ... der australische Bordfunker Colin Russell. Russlands Präsident Vladimir Putin sagte, die Aktivisten hätten gegen internationales Recht verstossen. Am 20.09. begann die russische Küstenwache mit dem Abschleppen der Arcitic Sunrise, am traf die Crew in Murmansk ein. Am 20. September 2013 demonstrierten laut Greenpeace 75 Aktivisten vor der russischen Botschaft in Bern gegen die Verhaftung des Schweizers Marco Weber und weiterer Umweltschützer in der Arktis. Insgesamt habe es Protestaktionen in rund 30 Ländern gegeben. Am 18. September 2013 hatten Marco Weber (hier im Hintergrund beim Hochklettern des Schiffs) und eine Greenpeace-Aktivistin aus Finnland die Gazprom-Ölplattform Priraslomnaja geentert. Sie wurden von Wachen gestoppt, während die russische Küstenwache ihre Helfer mit gezogenen Waffen in Schach hielt. Marco Weber (28) wurde verhaftet und auf das Schiff der Küstenwache gebracht. Er befindet sich noch bis im November in Untersuchungshaft. Die vermummten Sicherheitskräfte zückten Waffen und Messer und drohten sogar damit, die «Arctic Sunrise» zu beschiessen, wenn die Aktivisten mit ihr das Gewässer nicht sofort verliessen. Sie sollen elf Warnschüsse abgegeben haben. Laut Greenpeace stürmten die Grenzschützer am 19. September dann die «Arcitic Sunrise». Der russische Inlandsgeheimdienst FSB rechtfertigte die Aktion damit, dass eine «reale Gefahr» für die Plattform bestanden habe. Die russischen Sicherheitskräfte seilten sich von Helikoptern auf die Arctic Sunrise ab. Dort bedohrten sie die Aktivisten mit gezogenen Waffen. Die Aktivisten liessen sich widerstandslos festnehmen. Indem sie die Ölplattform hochkletterten, wollten die Greenpeace-Aktivisten gegen die Bohrungen in einem «ökologisch sensiblen Gebiet» protestieren. Ein Ölunfall würde dort eine Umweltkatastrophe anrichten. Mehr Erfolg hatten die Aktivisten 2012, als es sechs von ihnen gelang, die Plattform Priraslomnaja für mehrere Stunden zu besetzen.

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Der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber, der in St. Petersburg seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis am 22. November mit weiteren Aktivisten auf einen Prozess wartet, hegt keinen Groll gegen Moskau. «Russland ist nicht mein Feind», sagte der 28-Jährige.

In einem schriftlichen Interview mit dem Online-Portal «Tages-Anzeiger.ch/Newsnet» zeigte sich Weber erfreut über die Tatsache, dass der Internationale Seegerichtshof die Beschlagnahmung des Greenpeace-Eisbrechers «Arctic Sunrise» und die Verhaftung von dessen Crew am 18. September durch die russische Küstenwache als «illegal» taxierte.

Die Machthaber in Russland hätten auf ihre Aktion reagiert, «wie sie es für richtig empfanden», sagte Weber. «Auch wenn ich nicht damit einverstanden bin, ist das ihr Recht.» Jetzt sei es aber an Russland, das internationale Recht anzuerkennen und sie freizulassen.

Hoffen auf baldige Ausreise

Die Haftzustände beschrieb der Greenpeace-Aktivist als schwierig, es seien zwei «harte» Monate gewesen. «Das Problem ist hauptsächlich, dass die persönlichen Rechte nicht automatisch eingehalten werden und man immer dafür kämpfen muss», erklärte Weber. Das mache wütend und zehre an den Kräften.

Das russische Justizsystem bezeichnete er als «nicht willkürlich, jedoch sehr wohl unberechenbar». Sie hätten weiterhin kein Visum und somit keine Aufenthaltsbewilligung, sagte Weber. «Jedoch dürfen wir uns, mit Spezialbewilligung, frei bewegen, aber nicht ausreisen. Auch der Kontakt zu seinen Angehörigen sei möglich. «Sie dürfen mich besuchen, müssen dafür jedoch ein Visum beantragen.»

Weber will sich Prozess stellen

Weber, der sich auch in Zukunft als Teil der Greenpeace-Bewegung sieht, wird sich einem allfälligen Prozess stellen. «Ich habe mich, ohne jemanden zu gefährden, für den Schutz der Arktis eingesetzt und werde dafür auch vor Gericht erscheinen.»

Für den Fall, dass sich der Prozess noch lange hinzieht, glaubt er an eine baldige Rückkehr in die Schweiz. «Ich gehe davon aus, dass wir, falls das noch lange dauert, nach Hause gehen dürfen.» Für das Auswerten des beschlagnahmten Computermaterials brauche man sie schliesslich nicht vor Ort. Zudem seien die Befragungen bald abgeschlossen.

Lange Haftstrafe droht

Die 28 Aktivisten und 2 Journalisten aus 18 Ländern waren zunächst in der nordrussischen Hafenstadt Murmansk inhaftiert und wurden später nach St. Petersburg verlegt. Trotz der Freilassung auf Kaution droht ihnen immer noch eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren.

Die russische Küstenwache hatte die «Arctic Sunrise» in der Barentssee aufgebracht, nachdem Aktivisten versucht hatten, eine Bohrplattform des Energiekonzerns Gazprom zu besteigen. Mit der Protestaktion wollten sie auf die Gefahren der Ölförderung für die Umwelt in der Arktis aufmerksam machen.

Dieses Ziel hat die Aktion gemäss Weber erreicht. «Ich denke, es ist uns sehr gut gelungen, eine breite Öffentlichkeit über die Situation in der Arktis zu informieren und dafür zu sensibilisieren.» Die Arktis sei aber noch nicht geschützt - es brauche «wohl noch einiges», bis sie so weit seien. «Aber wir haben einen langen Atem und eine breite Unterstützung.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kleinschreiber am 04.12.2013 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das einzige was ihnen gut gelungen ist,

    ist schweizer steuergelder zu verschwenden

    einklappen einklappen
  • Mike Müller am 05.12.2013 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Russland lässt sich halt von Brüssel nicht steuern. Die sind noch Herr im Lande und ich hoffe für Sie, dass Sie so schön in einem sybirischen Arbeitslager schufften dürfen. Russland zeigt halt noch wie man in ihrem Land sich aufzuführen hat. Stehen Sie endtlich zu ihrer Tat und gehen Sie der Schweiz nicht auf den Sack.

  • Pietro am 04.12.2013 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu wenig konsequent

    es gibt Personen, die einfach nicht wissen, wie man sich gegenüber anderen Ländern und Sitten zu verhalten hat, es ist nicht überall Schweizer Hoheitsgebiet und ich finde es nicht mehr als recht, wenn solche Radikalen mit aller Härte des Gesetzes der jeweiligen Staaten bestraft werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dave A. am 05.12.2013 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Justiz

    Meiner Meinung nach sollte ihn die schweizer Justiz nach schweizer Recht verurteilen, wenn es die Russen nicht richtig tun. Natürlich, es ist lächerlich zu erwarten, dass ihn die Schweiz ordentlich verurteilt, wenn es nichtmal die Russen tun; aber dieser Ökoterrorist gehört bestraft! Man sollte ihn einsperren, sodass er keine neue Plattform für seine mit Spendengeldern finanzierte Selbstinszenierung geboten kriegt.

  • Mike Müller am 05.12.2013 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Russland lässt sich halt von Brüssel nicht steuern. Die sind noch Herr im Lande und ich hoffe für Sie, dass Sie so schön in einem sybirischen Arbeitslager schufften dürfen. Russland zeigt halt noch wie man in ihrem Land sich aufzuführen hat. Stehen Sie endtlich zu ihrer Tat und gehen Sie der Schweiz nicht auf den Sack.

  • Werner Zimmerli / Zell am 05.12.2013 02:01 Report Diesen Beitrag melden

    ..auf und davon

    Flug auf seine Kosten buchen und zurück in den Knast...

  • BHuBär am 04.12.2013 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mut nicht verlieren!

    Es ist wie's ist. Wenn jemand mal etwas Aussergewöhnliches, Mutiges macht und nicht Duckmäusern wie die grosse Masse, dann wird auf ihm herumgehackt.Lieber die Umwelt vor die Hunde gehen lassen, denn es geht uns in unserem Land ja soooo gut.Was kümmert uns das Ausland und was dort so geschieht. Keine gute Einstellung, vor allem nicht langfristig gedacht.Vielleicht machen unsere Gross-/Urgrosskinder gegen ihre Vorfahren die Faust.Ich persönlich hätte den Mut nicht als Greenpeaceaktivist mitzumachen.Dafür bewundere ich diese Leute - auch unser Schweizer Marco Weber. Darum den Mut nicht verlieren

    • Dave A. am 05.12.2013 09:33 Report Diesen Beitrag melden

      Aussergewöhnlich stupid!

      Es wird herumgehackt, weil die Aktion aussergewöhnlich stupid und sinnbefreit war - und weil diese Ökoterroristen wichtige Themen zur Selbstdarstellung missbrauchen. Die Leute, die sich wirklich einsetzen, verschwenden keine hunderttausend und aberhunderttausende Franken an Spendengeldern, um auf diversen Titelseiten abgebildet zu werden; Nein, sie setzen das Geld dazu ein, Lösungen zu finden! Einfach mal zu sagen 'ihr dürft diese Ölplattform nicht mehr nutzen' funktioniert - Oh Wunder - nicht.

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  • r.buel am 04.12.2013 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Dem Verfahren stellen??

    Wenn es geht, irgendwie abhauen. Russische Justiz, heisst = Putins Launen. Frauen mag er übrigens nicht zu mögen!!