Verhaftete Russin

19. Juli 2018 14:54; Akt: 19.07.2018 14:54 Print

Angebliche Spionin in den USA bot Sex für einen Job

Waffennärrin Maria Butina soll eine russische Agentin sein. Sie wurde am Wochenende in den USA festgenommen und steht jetzt vor Gericht.

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Sie studierte in den USA, ist 29 Jahre jung und posiert auf Facebook gern mit Waffen: Die Russin Maria Butina. Seit wenigen Tagen stürzen sich die Medien auf ihre Geschichte. Wegen versuchter Infiltration politischer Organisationen der Vereinigen Staaten nahmen die US-Behörden die Russin am Sonntag in der US-Hauptstadt Washington fest. Jetzt steht sie vor Gericht.

In einer ersten Gerichtsanhörung am Mittwoch plädierte sie auf nicht schuldig. Sie kommt vorerst nicht gegen Kaution frei. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft vor Fluchtgefahr bei der Angeklagten gewarnt. Laut ««Tages-Anzeiger»» hatte die junge Frau bereits ihre Wohnung gekündigt und war dabei, Geld ausser Landes zu schaffen. Die Bundesanwaltschaft in Washington beschuldigt Butina, an einer Verschwörung der russischen Regierung zur Beeinflussung der US-Politik beteiligt gewesen zu sein.

Sex als Gegenleistung

Aus einem Gerichtsdokument geht hervor, dass Butina unter anderem Kontakte zu US-Politikern sowie zu der mächtigen Waffenlobby NRA geknüpft und an Treffen von Lobbyistenvereinigungen teilgenommen haben soll. Auch habe sie Sex als Gegenleistung für einen Job angeboten, bei dem sie Einfluss auf US-Politiker nehmen konnte.

Laut Ermittlungen der Bundespolizei FBI habe sie unter anderem «private» Kommunikationskanäle zu US-Politikern herstellen wollen, um in den «nationalen Entscheidungsapparat der Vereinigten Staaten einzudringen» und so die Interessen der russischen Regierung zu «befördern».

Liaison mit Republikaner

Der BBC zufolge war Butina mit dem republikanischen Politiker Paul Erickson aus South Dakota liiert – dies laut Anklage aber nur zum Schein und für ihren Job als Agentin.

Die junge Frau war den Angaben zufolge im August 2016 mit einem Studentenvisum in die USA eingereist. Einem Bericht der «New York Times» zufolge soll sie im Präsidentschaftswahlkampf 2016 zweimal versucht haben, ein Geheimtreffen zwischen dem damaligen republikanischen Kandidaten Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu arrangieren. In den Anklage-Dokumenten des Justizministeriums taucht Trumps Name nicht auf.

Die US-Justiz wirft Butina vor, enge Verbindungen zu einem «russischen Amtsträger» gepflegt zu haben, der ihren Einsatz in den USA gesteuert habe. Sein Name wird in den Justizunterlagen nicht genannt. Nach US-Berichten handelt es sich um den Putin-Vertrauten Alexander Torschin. Dieser war früher Parlamentsabgeordneter und hat inzwischen einen leitenden Posten bei der russischen Zentralbank.

Russen im Visier

Veranlasst wurde Butinas Festnahme vom Büro der US-Bundesanwaltschaft in Washington, nicht vom Sonderermittler Robert Mueller. Dieser geht unter anderem der Frage nach, ob die mutmassliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf mit dem Trump-Team abgesprochen war.

Butinas Festnahme reiht sich in eine Serie von Strafverfolgungsaktivitäten der US-Behörden gegen mutmassliche russische Einmischungen in die US-Politik ein. Erst am vergangenen Freitag hatte ein Geschworenengremium zwölf Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU wegen Hackerangriffen auf die Demokratische Partei und deren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im Wahlkampf 2016 angeklagt.

Bereits im Februar waren 13 andere russische Staatsbürger wegen Desinformationskampagnen im Internet unter Anklage gestellt worden.

(mlr/sda/afp)