Greenpeace

09. Oktober 2013 17:02; Akt: 09.10.2013 17:48 Print

Russland wirft Aktivisten Drogenbesitz vor

Die russische Justiz erhebt neue Vorwürfe gegen die festgenommenen Greenpeace-Aktivisten. Auf ihrem Schiff seien Drogen gefunden worden. Greenpeace wittert eine Verschwörung.

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Die aus russischer Haft freigekommene argentinische Greenpeace-Aktivistin Camila Speziale fordert am 28. Dezember 2013 eine Entschuldigung von Russland für die wochenlange Inhaftierung. Mit dem Australier Colin Russell kam am der letzte Greenpeace-Aktivist frei. Am Morgen des kann der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber das Gefängnis verlassen. Damit ist Weber zwei Tage nach der Ankündigung, die Kaution sei für ihn bezahlt worden, auf freiem Fuss. Wann und ob er überhaupt ausreisen darf, bleibt aber noch unklar. Am hat die russische Justiz den Greenpeace-Aktivisten Marco Weber gegen Kaution freigelassen. Einem nach dem anderen gewährt die russische Justiz den Mitgliedern der «Arctic 30» die Freiheit gegen Kaution. Zuletzt waren das Die Kaution beträgt jeweils 2 Millionen Rubel (über 56'000 Franken). Am Abend des gegen Kaution freizulassen. Etwas früher am gleichen Tag wurde bereits die Ärztin Jekaterina Saspa gegen Kaution freigelassen. Über die weiteren Fälle soll im Laufe der Woche entschieden werden. Auch der russische Fotograf Denis Sinyakov wurde gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt. Trostlos: Die 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten, die nach einer Protestaktion in der Arktis inhaftiert worden waren, werden am 11. November vom nördlichen Murmansk nach St. Petersburg verlegt. Selbst Wachhunde sind im Einsatz. Am 21. Oktober haben die Niederlande den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg angerufen, um Russland zur Freilassung der in Murmansk inhaftierten Greenpeace-Aktivisten zu bewegen. Doch Russland will den Prozess boykottieren, wie die Regierung zwei Tage später, am 23. Oktober, mitteilte. Marco Weber bleibt weiter in Haft: Das Gericht in Murmansk hat die Beschwerde gegen die Inhaftierung des Schweizer Aktivisten abgelehnt, wie Greenpeace am 21. Oktober 2013 mitteilte. Mit diesem Schreiben meldet sich der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber erstmals zu Wort. In der Sonntagspresse vom 13. Oktober 2013 berichtet Weber aus Murmansk: «Macht euch keine Sorgen um mich - vorerst.» Am 4. Oktober nahmen Vertreter von Greenpeace und der Vater des verhafteten Schweizer Aktivisten Marco Weber in Zürich Stellung zu der Aktion in Russland und den Folgen. Eduard Weber sagte, die Situation sei für Marcos Familie sehr schwer. Marco sei aber nicht leichtsinnig gewesen und habe gewusst, dass er ein Risiko eingehe. Tags zuvor hat ein russisches Gericht angeordnet, die Untersuchungshaft für mehrere der 30 Greenpeace-Aktivisten zu verlängern. Davon ist auch Marco Weber betroffen. Der 28-Jährige muss für zwei Monate in Untersuchungshaft, wie Greenpeace auf Twitter mitteilte. Insgesamt müssen acht Greenpeace-Aktivisten bis zum 24. November hinter Gitter: Neben dem Schweizer sind dies der US-amerikanische Kapitän der «Arctic Sunrise», Peter Willcox, ... ... der neuseeländische Mechaniker Jonathon Beauchamp, ... ... die Niederländerin Faiza Oulahsen, ... ... der Ukrainer Ruslan Yakushev, ... ... die Finnin Sini Saarela, ... ... der Franzose Pisanu Francesco Pierre und ... ... der australische Bordfunker Colin Russell. Russlands Präsident Vladimir Putin sagte, die Aktivisten hätten gegen internationales Recht verstossen. Am 20.09. begann die russische Küstenwache mit dem Abschleppen der Arcitic Sunrise, am traf die Crew in Murmansk ein. Am 20. September 2013 demonstrierten laut Greenpeace 75 Aktivisten vor der russischen Botschaft in Bern gegen die Verhaftung des Schweizers Marco Weber und weiterer Umweltschützer in der Arktis. Insgesamt habe es Protestaktionen in rund 30 Ländern gegeben. Am 18. September 2013 hatten Marco Weber (hier im Hintergrund beim Hochklettern des Schiffs) und eine Greenpeace-Aktivistin aus Finnland die Gazprom-Ölplattform Priraslomnaja geentert. Sie wurden von Wachen gestoppt, während die russische Küstenwache ihre Helfer mit gezogenen Waffen in Schach hielt. Marco Weber (28) wurde verhaftet und auf das Schiff der Küstenwache gebracht. Er befindet sich noch bis im November in Untersuchungshaft. Die vermummten Sicherheitskräfte zückten Waffen und Messer und drohten sogar damit, die «Arctic Sunrise» zu beschiessen, wenn die Aktivisten mit ihr das Gewässer nicht sofort verliessen. Sie sollen elf Warnschüsse abgegeben haben. Laut Greenpeace stürmten die Grenzschützer am 19. September dann die «Arcitic Sunrise». Der russische Inlandsgeheimdienst FSB rechtfertigte die Aktion damit, dass eine «reale Gefahr» für die Plattform bestanden habe. Die russischen Sicherheitskräfte seilten sich von Helikoptern auf die Arctic Sunrise ab. Dort bedohrten sie die Aktivisten mit gezogenen Waffen. Die Aktivisten liessen sich widerstandslos festnehmen. Indem sie die Ölplattform hochkletterten, wollten die Greenpeace-Aktivisten gegen die Bohrungen in einem «ökologisch sensiblen Gebiet» protestieren. Ein Ölunfall würde dort eine Umweltkatastrophe anrichten. Mehr Erfolg hatten die Aktivisten 2012, als es sechs von ihnen gelang, die Plattform Priraslomnaja für mehrere Stunden zu besetzen.

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Neues Ungemach für die in Russland festsitzenden Greenpeace-Aktivisten: Neben Piraterie wirft ihnen die russische Justiz nun weitere «schwere Verbrechen» vor. An Bord des am 19. September aufgebrachten Greenpeace-Schiffs «Arctic Sunrise» seien Drogen und andere illegale Güter entdeckt worden, teilten die Ermittler heute Mittwoch in Moskau mit.

Die neuen Vorwürfe werden gegen einige der 30 festgenommenen Greenpeace-Aktivisten erhoben, denen bereits nach den bisherigen Vorwürfen bis zu 15 Jahre Haft drohen. Ob der Schweizer Marco Weber unter ihnen ist, war zunächst nicht klar. Auf der «Arctic Sunrise» sei «offenbar Mohn und Morphium» aufbewahrt worden, hiess es in einer schriftlichen Erklärung der Ermittler.

Greenpeace wehrt sich

Die Umweltorganisation wies die neuen Vorwürfe zurück. Die eigenen Regeln würden Drogenbesitz verbieten, sagte der Jurist Michail Krejndlin der Agentur Interfax. Zudem liege das Schiff schon lange ohne Crew im Hafen von Murmansk vor Anker. «Ich will niemanden beschuldigen, aber dort kann man finden, was man will», sagte Krejndlin.

Derweil wendet sich Greenpeace-Chef Kumi Naido in einem offenen Brief an Russlands Präsident Wladimir Putin. Er bietet an, im Falle ihrer Freilassung persönlich für die Umweltschützer zu bürgen. Sollten sie auf Kaution entlassen werden, biete er sich als Garant für die gute Führung der Aktivisten an. Ausserdem bittet Naido Putin um ein Treffen, um die Sache zu klären.

30 Umweltschützer aus 18 Ländern hatten am 18. September versucht, eine Bohrinsel des russischen Gazprom-Konzerns in der Arktis zu entern, um auf Umweltrisiken durch die Gas- und Ölförderung in dem Gebiet aufmerksam zu machen. Ihr Schiff wurde jedoch von der russischen Küstenwache aufgebracht und nach Murmansk gebracht. Seither sitzen die Aktivisten in Untersuchungshaft.

(rey)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Outfinder am 09.10.2013 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sucht der findet

    Haben die Russen ein Mohnbrötchen in der Kombüse und das Schmerzmittel Morphium in der Notfallapotheke gefunden? Sorry aber meine Expeditions Apotheke ist auch mit Morphium ausgerüstet.

  • Roman am 09.10.2013 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht....

    ...hat man ja wirklich ein kleine Menge Gras gefunden. Könnte ich mir noch gut vorstellen:-)

  • Phippu am 09.10.2013 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Pulver verschiessen

    Im Grunde ist das wofür Green-Peace sich einsetzten ja schon ok, allerdings wollen Sie das mit den komplett verkehrten Mitteln erreichen. Was hat die Umwelt davon wenn ein paar Green-Peacler mehr im Knast sitzen und dafür ein Paar Plakate gezeigt haben - NICHTS! Solche Aktionen sind einfach nur was für Adrenalin Junkies und nicht im Sinne der Sache. Klar ist das was da abgeht nicht in Ordnung, aber es war doch im voraus klar das dies gegen Russisches Gesetz verstösst und dementsprechend bestraft wird, ganz besonders wenn die Welt zuschaut. Auch Green Peace steht nicht über den Dingen!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Green am 09.10.2013 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Show!

    Ach was soll das wieder... ab in den Knast mit den Aktivisten. Das was Greenpeace macht ist einfach nur SHOW!! Teure Show die dann die Steuerzahler berappen müssen. Geht mal anständig arbeiten anstatt zu randalieren und rumklettern. Das bringt ja nix! Umweltschutz macht man mit Kopf nicht mit Kino-Action!

  • urs wi am 09.10.2013 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Drogen

    Das würde mich nicht überaschen

  • Roman am 09.10.2013 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht....

    ...hat man ja wirklich ein kleine Menge Gras gefunden. Könnte ich mir noch gut vorstellen:-)

  • S. Otschi am 09.10.2013 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gasprom Riot

    Wenn das mit diesen Russen nur gut kommt... :-((

  • Herbert Herzog am 09.10.2013 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsbruch ist Rechtsbruch

    Die Greenpeace-Aktivisten haben keine Sonderrechte auf dieser Welt. Und diese Aktion wie auch die in Basle ist rechtswidrig. Putin, d.h. Russland hat recht, wenn es diese nervigen Aktivisten wegen Verletzung der Seegrenze/Landfriedensbruch/Rechtsbruch verurteilen will. Piraterie trifft wohl kaum zu. Ich stimme mitnichten für Putin, aber um so mehr für die Einhaltung von Gesetzen, welche für Alle gelten. Aber Putin kann auch gnädig sein - wird er auch - und die angedrohten langjährigen Gefängnisstrafen stark herabsetzen.