USA

09. Februar 2011 21:54; Akt: 09.02.2011 21:54 Print

Sarah Palin will die Medien retten

von Senta Keller - Für die ehemalige Kandidatin fürs Vizepräsidentenamt ist klar: Die Medien sind zu belanglos. Um dies zu ändern, bietet Sarah Palin den Journalisten ihre Hilfe an.

Im Interview mit dem TV-Sender «CBN» äussert sich Sarah Palin über Ägypten, US-Präsident Barack Obama und die Probleme in der Medienlandschaft. (Quelle: CBN)

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Als Kandidatin fürs Vizepräsidentenamt neben John McCain war Sarah Palin 2008 erstmals in Erscheinung getreten. In den Medien war sie daraufhin hauptsächlich durch ihr Nichtwissen aufgefallen: Von der Bush-Doktrin hatte sie keine Ahnung und zu Russland fiel ihr nur ein, dass man das Land von Alaska aus sehen könne. Die Präsidentenwahl konnte das Duo Palin/McCain nicht für sich entscheiden - seither sorgt die Republikanerin als Galionsfigur der Tea Party Bewegung und mit scharfen Worten gegen die Regierung Obamas für Aufregung.

Die Medien hatten Palins Unwissenheit regelmässig gross aufgezogen, jeden Patzer schadenfreudig thematisiert. An Sarah Palins Selbstbewusstsein hat dies nicht gekratzt – im Gegenteil. In einem Interview mit dem christlichen TV-Sender «CBN» pries sie sich als Expertin für Medienfragen und bot US-Journalisten ihre Hilfe an. Auf dass diese lernen könnten, ihren Job besser zu machen. Schliesslich laufe bei den Medien zurzeit einiges schief: «Viele Mainstream-Medien sind heute sehr belanglos. Da die meisten nicht ausgewogen berichten, erhält man keine wahrheitsgetreue Informationen.»

Sarah Palin greift ein

Deshalb fühlt sich Sarah Palin berufen, einzugreifen: «Ich möchte den Journalisten helfen. Ich habe einen Abschluss in Journalismus. Das habe ich studiert. Die Eckpfeiler unserer Demokratie sind Pressefreiheit und guter fundierter Journalismus. Ich möchte den Journalisten helfen, ihren Ruf zurück zu gewinnen.»

Ähnliche Töne hatte Palin bereits vor einem Jahr in einem Interview mit Fox News angeschlagen: „Ich möchte dabei helfen, die Lage des heutzutage so bedauernswerten Journalismus aufzuräumen. Ich habe einen Abschluss in Kommunikation. Ich habe Journalismus studiert. Ich werde mit Reportern sprechen, die dies noch immer als Eckpfeiler unserer Demokratie verstehen. Die Öffentlichkeit erwartet, dass die Wahrheit berichtet wird. Damit wir uns eine eigene Meinung bilden, die auf den Fakten basiert.

Schielen aufs Weisse Haus

Dass Sarah Palin mit dem Gedanken spielt, 2012 fürs Weisse Haus zu kandidieren, macht sie gegenüber «CBN» deutlich, indem sie erklärt, wie sie sich in einem allfälligen Wahlkampf verhalten würde: «Ich würde meinen Kurs beibehalten und mich nicht darum kümmern, was andere Menschen über mich sagen oder mich nicht über Dinge ärgern, die aufgebauscht werden. Gleichzeitig würde ich eine dicke Haut behalten und ein stählernes Rückgrat.»

Ob sich Palin mit ihrem Hilfsangebot bei Journalisten beliebt gemacht hat, ist fraglich. Kommentator Jonathan Capehart gibt sich in der «Washington Post» nicht sonderlich begeistert von Palins Aussagen: «Es ist richtig, dass der Eckpfeiler der Demokratie die Pressefreiheit ist. Aber das bedeutet auch, dass Journalisten Menschen, welche eine Machtposition und Einfluss haben, für ihre Handlungen und Worte haftbar und verantwortlich machen. Darüber setzt sich Palin hinweg.»

Wie könne das amerikanische Volk dem trauen, was die Medien über Palin sagen, wenn sie selbst nicht erlaube, aufgrund einer intensiven Überprüfung beurteilt zu werden, fragt Capehart. Palin bleibe bei sicheren Netzwerken wie Twitter und Facebook und wenn sie selbst einmal Fragen beantworte, dann höchstens von einem mit ihr sympathisierenden Interviewer oder dem ihr gesonnenen Sender «Fox News».