Absurd

28. Oktober 2010 13:43; Akt: 28.10.2010 14:08 Print

Saudi-Arabien macht auf Gleichberechtigung

von E. Lederer, AP - Frauen dürfen nicht Auto fahren und haben auch sonst kaum Rechte: Saudi-Arabien hält das aber nicht davon ab, für die UNO-Frauenbehörde zu kandidieren.

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Saudische Frauen besuchen eine Automesse in der Hafenstadt Dschidda – fahren dürfen sie mit den Autos aber nicht. (Bild: AFP)

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Vor Absurditäten sind sie nicht gefeit, die Organe der UNO. So sitzt zum Beispiel Libyen seit Mai 2010 im Menschenrechtsrat der Organisation. Bald könnte die Liste um einen Eintrag länger sein: Der Iran und Saudi-Arabien bemühen sich um Sitze im Aufsichtsrat einer neuen UN-Behörde für die Gleichberechtigung von Frauen. Das sorgt für Empörung bei Menschenrechtsaktivisten.

Schliesslich haben die beiden nahöstlichen Staaten den Ruf, Frauenrechte eher hinten anzustellen als zu fördern. So geriet der Iran jüngst international in die Kritik, weil das Land eine 43-Jährige wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt hatte. In Saudi-Arabien ist Frauen das Autofahren und der Zutritt zu vielen von Männern genutzten Einrichtungen untersagt.

Dennoch wollen die beiden Länder ein Mitspracherecht im eigens für die Angelegenheiten von Frauen geschaffenen Dachverband der Vereinten Nationen, UN Frauen. Die Gründung der Organisation war im Juli im Rahmen einer Resolution beschlossen worden.

Besorgnis über mögliche Mitgliedschaft des Irans

Die Mitgliedschaft des Irans «würde am Anfang dieser aufregenden neuen Initiative das falsche Signal senden», sagt Mark Kornblau von der US-Delegation bei den Vereinten Nationen. «UN Frauen ist eine wichtige neue Behörde, die die Aufgabe hat, die Gleichstellung von Männern und Frauen und die Stärkung von Frauen weltweit zu fördern.» Mit Blick auf den schlechten Ruf Teherans im Zusammenhang mit Menschenrechten und dem Umgang mit Frauen seien nicht nur die USA, sondern auch viele andere Länder über die Auswirkungen einer iranischen Mitgliedschaft besorgt, sagt er.

Die im Juli verabschiedete Resolution sieht vor, dass der Behörde UN Frauen ein Aufsichtsrat mit insgesamt 41 Mitgliedern vorsteht, der am 10. November von den 54 Mitgliedern des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen gewählt werden soll. 35 Mitglieder des neuen Gremiums werden von regionalen Gruppen festgelegt, sechs Plätze sind für wichtige Geberländer reserviert, darunter die USA, Grossbritannien, Spanien und Norwegen. Laut Resolution sollen zwei Plätze an Geberländer aus Entwicklungsländern gehen. Wie aus UN-Kreisen verlautete, sind Saudi-Arabien und Mexiko die beiden Kandidaten für diese zwei Sitze.

Der Iran ist nach UN-Angaben eines von zehn Ländern, die von der asiatischen Gruppe für den Aufsichtsrat des Frauen-Büros vorgeschlagen wurden. Die anderen neun sind demnach Bangladesch, Indien, China, Malaysia, Indonesien, Südkorea, Japan, Kasachstan und Pakistan. «Es ist rätselhaft, dass der Iran den Nerv haben würde, ein Kandidat für den Aufsichtsrat von UN Frauen zu sein», sagt Philippe Bolopion, der die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch bei den Vereinten Nationen vertritt. «Es ist sogar noch rätselhafter, dass die asiatische Gruppe den Iran damit durchkommen lässt.»

Nominierung ist unanfechtbar

Gegen Nominierungen, die von der asiatischen Ländergruppe ausgehen, können andere UN-Mitgliedsstaaten keinen Einspruch erheben. Diese unanfechtbare Vorauswahl der regionalen Gruppen stösst bei Menschenrechtsaktivisten auf Kritik. Leider sei für eine Nominierung für den Aufsichtsrat von UN Frauen nicht nur entscheidend, wie die Vergangenheit eines Landes im Zusammenhang mit Frauenrechten aussehe, sagt José Luis Díaz, ein Vertreter von Amnesty International bei den Vereinten Nationen. «Eine weisse Weste sichert Ländern einen Sitz im Exekutivorgan, ohne Rücksicht auf ihre Leistung beim Schutz von Frauenrechten oder bei der Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen.»

Wenn nicht nur der Iran, sondern auch Saudi-Arabien im Aufsichtsrat von UN Frauen sässe, würde dies «eine Beleidigung zu einer Verletzung hinzufügen», sagt Bolopion. Die mögliche Mitgliedschaft beider Länder sei «ein Affront gegen Frauen auf der ganzen Welt, die ihre Hoffnungen auf UN Frauen setzen». Er hoffe, dass die Gesamtzusammensetzung des Gremiums dafür sorge, dass weder der Iran noch Saudi-Arabien ihre Sitze darin dazu nutzen könnten, die Arbeit von UN Frauen zu unterminieren, sagt Bolopion.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rene am 02.11.2010 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung / Lohnfrage

    Wie werden die Unterschiede eigentlich berechnet ? Wird da berücksichtigt, dass die Frauen 3 Jahre weniger arbeiten ? wird der Militärersatz berücksichtigt ? Falls dies nicht berücksichtigt wird ist mir klar, wieso frauen scheinbar weniger verdienen....

  • Mr Meggen am 28.10.2010 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Delta-Blues in Saudi-Arabien

    Gewisse Kreise gehören einfach weg !!! Gleichberechtigung bei Saudi-Arabien ??? LOL

  • mhm. am 28.10.2010 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    manche sind blind

    ach.. die uno. eine vermeindlich schützende organisation welche genau so korrupt ist, wie jede regierung der welt. warum manche immer noch glauben diese organisation hat eine wirklichen nutzen.. ihr tut mir leid.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rene am 02.11.2010 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung / Lohnfrage

    Wie werden die Unterschiede eigentlich berechnet ? Wird da berücksichtigt, dass die Frauen 3 Jahre weniger arbeiten ? wird der Militärersatz berücksichtigt ? Falls dies nicht berücksichtigt wird ist mir klar, wieso frauen scheinbar weniger verdienen....

  • P.Bassi am 28.10.2010 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr wisst

    Saudis bevorzugen helle Frauen.. das sagt alles. Und glaubt mir.. Propaganda ist ein Fremdwort...

  • Paul Rein am 28.10.2010 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    30 Jahre zurück

    ... und da wars auch bei uns noch nicht weit mit der Gleichberechtigung. Und jetzt gross Schreien... das sollte zu denken geben!

    • Peschä am 01.11.2010 11:54 Report Diesen Beitrag melden

      Offenbar hat hier die Mehrheit

      wenigstens schon vor fast 40 Jahren umgedenkt (1971: Frauenstimmrecht). Immerhin 2/3 der Männer waren dafür, zukünftig das Stimmrecht mit den Frauen zu teilen. Es ist aus heutiger Sicht falsch, dass dieses Recht nicht schon viel früher eingeführt wurde. Immerhin wird es aber heute vom grössten Teil der Bevölkerung als selbstverständlich erachtet. Saudi Arabien steht aber diesbezüglich noch ein weiter Weg bevor.

    • andrea am 02.11.2010 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      @paul rein

      ja, ich als frau schreie auf wenn ich höre wie an anderen orten frauen misshandelt, unterdrückt und ausgebeutet werden nur weil sie als frauen geboren werden! ich habe das glück dass andere menschen für meine freiheit gekämpft haben, und darum habe ich auch verantwortung für diejenigen, denen dieses glück bis jetzt gefehlt hat.

    • Martin am 02.11.2010 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      @PaulRein

      Mit der Gleichberechtigung? Aber das ist es auch heute noch nicht, nur das heute in der Schweiz die Männer die Dödel sind die benachteiligt werden!

    einklappen einklappen
  • Tina am 28.10.2010 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Wörter

    Wer aus einem Land kommt, indem das Frauenstimmrecht erst seit 1990 für alle Kantone gilt sollte den Mund nicht zu weit aufreissen ;)

    • Peschä am 01.11.2010 11:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Tina

      Das Frauenstimmrecht wurde in der Schweiz am 7. Februar 1971 eingeführt. Einzig im Kanton Appenzell Innerrhoden wurde das kantonale Frauenstimmrecht erst 1990 eingeführt. Beides ist natürlich reichlich spät... Dafür dürfen Frauen in der Schweiz schon viel länger autofahren, als in Saudi Arabien ;-)

    • Beatrice M. am 02.11.2010 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      UND

      wir durften auch jederzeit schon vorher unsere Meinung sagen, ohne dafür gesteinigt zu werden. Das Frauenstimmrecht alleine ist nicht Gleichberechtigung. Wir hatten davor auf jedenfalls unermesslich mehr Rechte, als die Frauen der muslimischen Horror- und Terror-Diktaturen.

    • andrea am 02.11.2010 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      @tina

      sorry, wir haben früher auch "hexen" verbrannt... muss ich jetzt dafür auch ie steinigung in arabischen ländern tollerieren? nur weil die schweizer herren etwas spät waren mit dem frauenstimmrecht heisst das noch lange nicht dass man desswegen alles übel der frauen in der welt tolleriern muss oder?

    einklappen einklappen
  • Jean de Carouge am 28.10.2010 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    passt ausgezeichnet ...

    ... jede zusätzliche Stimme bringt einen neue Facette zum Thema Gleichberechtigung ein. Das kann dem Diskurs nur gut tun. Je mehr Facetten, desto besser ist ein allfälliger der Entscheid am Schluss.