Naher Osten

03. Januar 2016 21:17; Akt: 05.01.2016 10:38 Print

Saudiarabien kappt Beziehung zu Iran

Der Streit zwischen den beiden Regionalmächten am Golf eskaliert. Die Saudis verweisen alle iranischen Diplomaten des Landes.

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Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen zum Iran: Der saudische Aussenminister Adel al-Jubeir (25. Oktober 2015). Nach Protesten kappt auch Bahrain die Beziehungen zum Iran. Demonstranten in Teheran. (3. Januar 2016) Der Tod des Geistlichen Nimr al-Nimr sorgt für Aufruhr: Proteste in der Stadt Daih in Bahrain. (3. Januar 2016) Nach diesem schweren Zwischenfall ordnet Saudiarabien die Schliessung der iranischen Botschaft in Riad an: Iranische Demonstranten hatten Brandsätze gegen die Botschaft Saudiarabiens geschleudert. (2. Januar 2016) In der Nacht hatte ein wütender Mob die Botschaft Saudiarabiens in Teheran angegriffen und Teile davon in Brand gesteckt. (2. Januar 2016) Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat den Angriff auf die saudische Botschaft verurteilt: Ein Feuerwehrmann im Einsatz. Ruhani sagte: «Der Angriff von Extremisten auf die saudische Botschaft in Teheran ist in keiner Weise zu rechtfertigen und hatte negative Auswirkungen auf das Image des Iran.» Alte Spannungen entladen sich am Tod des Geistlichen Nimr al-Nimr: Demonstranten recken in Teheran vor der saudischen Botschaft ihre Fäuste in die Höhe. (3. Januar 2016) Iranische Polizisten halten die Demonstranten von der saudischen Botschaft fern. (3. Januar 2016) Demonstranten versuchen in Teheran ein neues Strassenschild mit dem Namen des hingerichteten Nimr al-Nimr anzubringen. (3. Januar 2016) Auch die Fahnen der USA und Israels müssen bei der Demonstration gegen Saudiarabien dran glauben. (3. Januar 2016) Über Twitter wurden bereits in der Nacht Bilder vom Angriff versandt: Brennende saudische Botschaft im Iran. (Bild: Amin Khorami, Twitter) Später konnte die Polizei den Mob zurückdrängen: Polizisten in einiger Distanz zur wütenden Menge. (Bild: Amin Khorami, Twitter) Einige Teile der Botschaft wurden verwüstet: Laut dem Twitterer Amin Khorami zeigt das Bild einen von den Demonstranten verwüsteten Raum in Der Vertretung Saudiarabiens. (Bild: Amin Khorami, Twitter) Die saudischen Behörden veröfffentlichten Bilder der Exekutierten: Dieses undatierte Foto zeigt Nimr Baker al-Nimr. Am Tag nach der Hinrichtung des Geistlichen kam es zu zahlreichen Demonstrationen in mehreren Ländern: Pakistanische Schiiten protestieren in Karachi. (3. Januar 2016) Zahlreiche schiitische Vertreter veruteilten die Exekution: Der Anführer der libanesischen Hizbollah, Hassan Nasrallah, in einer Fernsehansprache. (3. Januar 2016) Proteste bis nach Indien schon am Tag der Hinrichtung: Schiiten demonstrieren in Srinagar, das während der Sommermonate die Hauptstadt des indischen Teils Kaschmirs ist. (2. Januar 2016) Besonders ausgeprägt waren die Proteste in Bahrain: Ein Demonstrant in Daih, einem Vorort der Hauptstadt Manama. (2. Januar 2016) Sie Sicherheitskräfte in Bahrain setzten Tränengas gegen die vorwiegend jugendlichen Demonstranten ein. Auch Frauen demonstrierten in Bahrain. Auch in Saudiarabien selber kam es zu Protesten: Demonstranten mit Postern al-Nimrs in Tarut. Al-Nimr war einer der Anführer der Proteste von Shiiten während des arabischen Frühlings. Schon zuvor kam es zu Protesten wegen seiner Verhaftung und Verurteilung: Demonstration im ostsaudischen al-Awamiya. (30. September 2012) Eine Anhägerin der shiitischen Huti-Miliz im Jemen demonstriert für al-Nimr vor der saudischen Botschaft in Sanaa. (18. Oktober 2014)

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Die Lage nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und 46 weiterer des Terrorismus beschuldigter Männer in Saudiarabien spitzt sich zu. Gestern hatte eine wütende Menschenmenge die saudische Botschaft in Teheran angegriffen. Teile der diplomatischen Vertretung gingen in Flammen auf.

Heute doppelte der oberste iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei nach und drohte den Saudis, sie würden die «Rache Gottes spüren». Die einflussreichen iranischen Revolutionsgarden kündigten dem Königshaus eine «scharfe Vergeltung» an.

Riad zieht nun die Konsequenzen und kündigt seine diplomatischen Beziehungen zum regionalen Rivalen auf. Das verkündete Aussenminister Adel al-Jubeir. Alle iranischen Diplomaten müssten binnen 48 Stunden das Land verlassen. Alle diplomatischen Vertreter seines eigenen Landes im Iran seien zurückgerufen worden. Das Königreich werde es dem Iran nicht erlauben, seine Sicherheit zu untergraben, fügte der Minister hinzu.

Schwere Vorwürfe gegen den Iran

Der Angriff auf die diplomatische Vertretung sei ein «schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen», erklärte al-Jubair. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes al-Qaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. «Saudiarabien wird seinen Weg, Terrorismus zu vernichten, weitergehen», kündigte al-Jubair an. «Die Geschichte des Iran ist voll von negativen Einmischungen und Feindseligkeiten in arabischen Fragen, und diese sind stets von Zerstörung begleitet», sagte er vor Journalisten in Riad.

Die Regierung Bahrains hatte Riad ihre Unterstützung für die Hinrichtungen bekundet. Mehrere weitere arabische Staaten äusserten ihre Unterstützung, darunter Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, der Jemen und Ägypten. Sie kritisierten ebenso wie die Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) die «Aggressionen» gegen die diplomatischen Vertretungen und bekunden Unterstützung für Riads Kampf gegen Extremismus.

Der Iran und Saudiarabien spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Mittleren Osten.

Präsident verurteilt Angriff

Der Präsident des Iran, Hassan Rohani, hatte den Angriff auf die saudische Botschaft am Sonntag noch verurteilt: «Der Angriff von Extremisten auf die saudische Botschaft in Teheran ist in keiner Weise zu rechtfertigen und hatte negative Auswirkungen auf das Image des Iran.»

Das Innenministerium, der Geheimdienst und die Polizei sollten konsequent gegen die Täter vorgehen, teilte Rohani in einer Medienerklärung mit. «Solchen hässlichen Aktionen sollte ein für alle Mal ein Ende gesetzt werden», forderte der Präsident. Doch das konnte die Machthaber in Saudiarabien offenbar nicht mehr beschwichtigen.

Teheran meldet 40 Festnahmen

Al-Nimr war am Samstag in Saudiarabien zusammen mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet worden. Der 56-Jährige war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte im Arabischen Frühling im Jahr 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudiarabiens leben. Im Oktober 2014 wurde al-Nimr in Saudiarabien wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes zum Tode verurteilt.

Saudiarabien sah es als erwiesen an, dass Al-Nimr hinter Anschlägen in dem Land stand. Für den Iran war der entschiedene Kritiker der Führung in Riad ein wichtiger Verfechter der Rechte der schiitischen Minderheit.

Im schiitsch geprägten Iran fielen die Proteste gegen die Exekution des Geistlichen besonders heftig aus. In der Hauptstadt Teheran griff eine Menge am Samstagabend die saudiarabische Botschaft an und warf Brandsätze in das Gebäude. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden 40 Menschen festgenommen, die in die Botschaft eingedrungen waren. Im sunnitisch regierten Bahrain lieferten sich am Sonntag schiitische Gläubige gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei, laut Augenzeugen gab es mehrere Verletzte.

(rub/sda/ap/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Janis Rieder am 03.01.2016 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir brechen Beziehungen mit Riad

    Wieso machen wir eig. noch Geschäfte mit den Saudis?? (unterstützen den IS/ keine Wahlen / keine Menschenrechte / kein Respekt/ etc..) Ah ja, die haben ÖL bzw. Geld

    einklappen einklappen
  • Hinterfrager am 03.01.2016 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was passiert?!?

    Aber Waffen an den IS liefern können sie immer noch und alle schauen weg.... traurige Welt...

  • Frau A. aus R. am 03.01.2016 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir können fast alles...

    nur Frieden können wir nicht...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bünzli77 am 03.01.2016 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Religion...

    Schiiten & Sunniten... vergleichbar mit dem Konflikt zwischen Katholiken & Protestanten in früheren Zeiten...Das Thema nervt langsam & es wäre schön wenn sich alle Religiösen dieser Welt,egal welcher Form endlich zusammenreissen würden, einander respektieren & akzeptieten würden,so wie es ihr eigener Glaube von ihnen wünscht & verlangt... Peace!!!

  • strubeli1 am 03.01.2016 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unheimlich

    Ja bravo und der nächgste Kompflickt eskaliert...Wie weit sind wir vom nächsten Weltkrieg empfernt??

  • Praetorius am 03.01.2016 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Nähe Osten ist ein Pulverfass!

    Irak, Iran, Ägypten, Syrien, Israel, Palästina usw. Ich hoffe das ich mich irre, aber ich glaube, dass der nächste "grosse" Krieg seinen Ursprung im nahen Osten haben wird. Und da wir heute ja so "Global" sind, werden auch wir irgendwann unweigerlich in diesen Strudel hineingezogen. Auf die eine oder andere Weise. Es hat ja mit der Flüchtlingswelle bereits begonnen. Das ganze flöst mir ehrlich gesagt einen heiden Respekt ein.

  • emf949 am 03.01.2016 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr beunruhigend!

    Alle Lampen auf Rot : - Vorherrschaftsansprüche auf beide Seite, - Ressourcen ohne Ende auf beide Seite, -Religionsgetriebene Fanatiker auf beide Seite. Die Schweiz kann neutral bleiben aber die Amerikaner müssen eingreifen und ggf die Saudis unterstützen.

  • P. am 03.01.2016 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur..

    ...unterstürtzen wir und die Welt Riad? Warum? (absolut keine Menschenrechte, Unterstützt IS usw.)