Iran zum Konflikt

05. Januar 2016 03:20; Akt: 05.01.2016 14:20 Print

Saudis wollen «Verbrechen vertuschen»

Irans Präsident Hassan Rohani hat Saudiarabien erneut scharf kritisiert. Die Krise zwischen dem Iran und Saudiarabien könnte weite Kreise ziehen.

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Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen zum Iran: Der saudische Aussenminister Adel al-Jubeir (25. Oktober 2015). Nach Protesten kappt auch Bahrain die Beziehungen zum Iran. Demonstranten in Teheran. (3. Januar 2016) Der Tod des Geistlichen Nimr al-Nimr sorgt für Aufruhr: Proteste in der Stadt Daih in Bahrain. (3. Januar 2016) Nach diesem schweren Zwischenfall ordnet Saudiarabien die Schliessung der iranischen Botschaft in Riad an: Iranische Demonstranten hatten Brandsätze gegen die Botschaft Saudiarabiens geschleudert. (2. Januar 2016) In der Nacht hatte ein wütender Mob die Botschaft Saudiarabiens in Teheran angegriffen und Teile davon in Brand gesteckt. (2. Januar 2016) Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat den Angriff auf die saudische Botschaft verurteilt: Ein Feuerwehrmann im Einsatz. Ruhani sagte: «Der Angriff von Extremisten auf die saudische Botschaft in Teheran ist in keiner Weise zu rechtfertigen und hatte negative Auswirkungen auf das Image des Iran.» Alte Spannungen entladen sich am Tod des Geistlichen Nimr al-Nimr: Demonstranten recken in Teheran vor der saudischen Botschaft ihre Fäuste in die Höhe. (3. Januar 2016) Iranische Polizisten halten die Demonstranten von der saudischen Botschaft fern. (3. Januar 2016) Demonstranten versuchen in Teheran ein neues Strassenschild mit dem Namen des hingerichteten Nimr al-Nimr anzubringen. (3. Januar 2016) Auch die Fahnen der USA und Israels müssen bei der Demonstration gegen Saudiarabien dran glauben. (3. Januar 2016) Über Twitter wurden bereits in der Nacht Bilder vom Angriff versandt: Brennende saudische Botschaft im Iran. (Bild: Amin Khorami, Twitter) Später konnte die Polizei den Mob zurückdrängen: Polizisten in einiger Distanz zur wütenden Menge. (Bild: Amin Khorami, Twitter) Einige Teile der Botschaft wurden verwüstet: Laut dem Twitterer Amin Khorami zeigt das Bild einen von den Demonstranten verwüsteten Raum in Der Vertretung Saudiarabiens. (Bild: Amin Khorami, Twitter) Die saudischen Behörden veröfffentlichten Bilder der Exekutierten: Dieses undatierte Foto zeigt Nimr Baker al-Nimr. Am Tag nach der Hinrichtung des Geistlichen kam es zu zahlreichen Demonstrationen in mehreren Ländern: Pakistanische Schiiten protestieren in Karachi. (3. Januar 2016) Zahlreiche schiitische Vertreter veruteilten die Exekution: Der Anführer der libanesischen Hizbollah, Hassan Nasrallah, in einer Fernsehansprache. (3. Januar 2016) Proteste bis nach Indien schon am Tag der Hinrichtung: Schiiten demonstrieren in Srinagar, das während der Sommermonate die Hauptstadt des indischen Teils Kaschmirs ist. (2. Januar 2016) Besonders ausgeprägt waren die Proteste in Bahrain: Ein Demonstrant in Daih, einem Vorort der Hauptstadt Manama. (2. Januar 2016) Sie Sicherheitskräfte in Bahrain setzten Tränengas gegen die vorwiegend jugendlichen Demonstranten ein. Auch Frauen demonstrierten in Bahrain. Auch in Saudiarabien selber kam es zu Protesten: Demonstranten mit Postern al-Nimrs in Tarut. Al-Nimr war einer der Anführer der Proteste von Shiiten während des arabischen Frühlings. Schon zuvor kam es zu Protesten wegen seiner Verhaftung und Verurteilung: Demonstration im ostsaudischen al-Awamiya. (30. September 2012) Eine Anhägerin der shiitischen Huti-Miliz im Jemen demonstriert für al-Nimr vor der saudischen Botschaft in Sanaa. (18. Oktober 2014)

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Der iranische Präsident Hassan Rohani hat die Entscheidung Saudi-Arabiens kritisiert, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Die saudische Regierung habe die diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik abgebrochen, «um ihre Verbrechen zu vertuschen», erklärte Rohani am Dienstag.

Gleichzeitig signalisierte er Bereitschaft zu Gesprächen mit Riad. «Die eigenartige saudische Entscheidung, die Beziehungen abzubrechen, kann nicht die Enthauptung eines geistlichen Kritikers vertuschen», sagte Rohani am Dienstag. Dennoch glaube der Iran, dass diplomatische Verhandlungen die beste Option seien, Differenzen auszuräumen.

Unterdessen rief die türkische Regierung den Iran und Saudiarabien zur Deeskalation auf. «Die politische Spannung zwischen diesen beiden Ländern kann nicht zum Frieden in der Region beitragen, die ohnehin schon einem Pulverfass gleicht», teilte Vize-Regierungschef Nurman Kurtulmus am Dienstag über Twitter mit.

Er nannte Saudiarabien und den Iran «die beiden wichtigsten Länder der islamischen Welt». Das türkische Aussenministerium zeigte sich besorgt über die Angriffe auf diplomatische Vertretungen Saudi-Arabiens im Iran und forderte beide Seiten zu besonnenem Handeln auf.

Kuwait beordert Botschafter zurück

Nach den Übergriffen auf die saudische Botschaft im Iran ruft auch Kuwait seinen Botschafter aus dem Nachbarland zurück. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Kuna unter Berufung auf das kuwaitische Aussenministerium. Der Erstürmung der saudischen Botschaft in Teheran stelle einen «groben Bruch» internationaler Verträge dar, hiess es.

In den vergangenen Tagen hatten das sunnitische Saudiarabien sowie seine Verbündeten Bahrain und Sudan ihre diplomatischen Beziehungen zum schiitischen Iran beendet. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate zogen ihren Botschafter ab und ersetzen ihn durch einen Geschäftsträger.

Rechtfertigung vor UNO

Saudiarabien hatte zuvor die umstrittene Hinrichtung von 47 Menschen wegen Terrorismus-Vorwürfen verteidigt. Die Angeklagten hätten faire und gerechte Verfahren ohne Berücksichtigung ihrer religiösen Zugehörigkeit gehabt. So hiess es am Montag in einer Erklärung der saudiarabischen Vertretung bei den Vereinten Nationen. Das Königreich bedauere zutiefst, dass UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sich besorgt über die Vorwürfe gegen die Delinquenten und die Prozesse geäussert habe.

Die Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und Saudiarabien ruft die Weltmächte auf den Plan. Nach den USA forderten am Montag auch China, Russland, Frankreich und Deutschland, die Krise umgehend mit diplomatischen Mitteln beizulegen.

Schweiz verurteilt Todesstrafe

Auch die Schweiz warnte vor einer Anheizung der konfessionellen Spannungen in der Region und brachte nach der Serie von Exekutionen in Saudiarabien ihre Ablehnung der Todesstrafe zum Ausdruck. Dazu berief das Aussendepartement in Bern den saudi-arabischen Geschäftsträger ein, wie es am Montag mitteilte.

Am Sonntag kommt die Arabische Liga in Kairo zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Riad habe das Treffen beantragt, um über die Angriffe auf die saudi-arabische Botschaft und das Konsulat im Iran zu sprechen, teilte Liga-Vizegeneralsekretär Ahmed Ben Helli am Montag mit. Überdies solle «die iranische Einmischung in arabische Angelegenheiten verurteilt werden».

UNO schickt Syrien-Gesandten los

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon schickte unterdessen seinen Syrien-Gesandten Staffan de Mistura in beide Länder. Der schwedische Diplomat sei auf dem Weg in die saudi-arabische Hauptstadt Riad, sagte UNO-Sprecher Stephane Dujarric am Montag in New York. Im Laufe der Woche werde er auch nach Teheran fliegen.

Die seit langem schwelenden Spannungen zwischen dem sunnitischen saudischen Königshaus und der klerikal ausgerichteten schiitischen Führung im Iran haben sich durch die Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen und entschiedenen Regimegegners Nimr al-Nimr und 46 weiteren Menschen in Saudiarabien verschärft.

Der oberste geistliche und politische Führer Irans, Ayatollah Ali Khamenei, drohte dem saudischen Königshaus mit der «Rache Gottes». Auch die Revolutionsgarden kündigten «scharfe Vergeltung» an. Proteste gegen die Hinrichtung waren daraufhin am Wochenende in Teheran ausser Kontrolle geraten. Demonstranten stürmten und verwüsteten die saudi-arabische Botschaft in der iranischen Hauptstadt.

Keine diplomatischen Beziehungen, keine Flüge

Das saudische Königshaus reagierte mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und der Ausweisung iranischer Diplomaten. Dem schlossen sich am Montag die ebenfalls sunnitische Golfmonarchie Bahrain und der Sudan an. Die Vereinigten Arabischen Emirate stuften die diplomatischen Beziehungen zum Iran herab.

Am Montag stoppte Saudiarabien zudem sämtliche Flugverbindungen mit dem Iran. Dies teilte die Luftverkehrsbehörde in Riad mit. Alle Fluggesellschaften seien informiert worden, dass sämtliche Flüge aus dem Iran und in das Land unterbleiben müssten, hiess es in einer von der Nachrichtenagentur SPA verbreiteten Erklärung der Behörde.

Moskau will vermitteln

In Moskau erklärte ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter des Aussenministeriums der Agentur RIA, sein Land stehe als Vermittler zur Verfügung. Moskau unterhält enge Beziehungen zum Iran und hat sowohl bei dessen Einbeziehung in die Suche nach einer Lösung des Syrien-Konflikts wie auch beim Kompromiss um das iranische Atomprogramm eine entscheidende Rolle gespielt.

Teheran unterstützt im Gegensatz zu Riad in Syrien Machthaber Baschar al-Assad und im Jemen die schiitischen Huthi-Rebellen, die von einer von Saudiarabien angeführten Militärkoalition bekämpft werden.

Auch das in der Nahost-Region gewöhnlich zurückhaltende China zeigte sich alarmiert: Man sei hochgradig besorgt, dass der Konflikt sich ausweiten könnte, erklärte das Aussenministerium in Peking. China zählt zu den grössten Ölimporteuren.

Türkei vergleicht Region mit einem «Pulverfass»

Auch die Türkei rief Saudiarabien und den Iran zu Massnahmen zur Entspannung der Lage auf. Der Streit, der durch die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitisch regierten Saudiarabien ausgelöst wurde, verschärfe die Spannungen im gesamten Mittleren Osten, sagte Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus am Montagabend in Ankara.

Dabei gleiche die Region ohnehin schon einem «Pulverfass». In der ersten Reaktion der Türkei auf die Krise sagte Kurtulmus laut der Nachrichtenagentur Anadolu weiter: «Genug ist genug. Wir brauchen unseren Frieden in der Region.»

«Tor zur Hölle» geöffnet

Die Krise verschärft die Furcht vor weiteren konfessionellen Spannungen in der Region. Im Zentrum des Iraks wurden am Montagmorgen bei Bombenanschlägen auf zwei sunnitische Moscheen mehrere Menschen verletzt. Der Muezzin einer weiteren sunnitischen Moschee wurde nach Behördenangaben ermordet.

Bei einer Schiesserei in der saudi-arabischen Geburtsstadt des hingerichteten Geistlichen Al-Nimr wurden in der Nacht zum Montag ein Zivilist getötet und ein Kind verletzt. Wer die Schüsse abfeuerte, war zunächst unklar.

Der Führer einer schiitischen Miliz drohte, das Verbrechen an Scheich Al-Nimr habe «das Tor zur Hölle» geöffnet. Das iranische Aussenministerium warf Saudiarabien vor, die Gewalt gegen seine Botschaft als Vorwand zu nutzen, um die Spannungen anzuheizen. Am Montag gingen in Teheran erneut tausende Menschen auf die Strasse, um gegen Riad zu protestieren.

Die Beziehungen zwischen Riad und Teheran sind seit der islamischen Revolution im Iran 1979 angespannt. Das sunnitische Saudiarabien wirft dem schiitischen, persischen Iran immer wieder eine Einmischung in arabische Angelegenheiten vor.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy y am 05.01.2016 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und die Schweiz

    liefert munter Waffen an diesen Staat

  • Snot Mc Booger am 05.01.2016 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohl nicht 

    Na wie wärs damit, die WAffenlieferungen an dieses Land zu stoppen, solange diese Art der Bestrafung noch praktiziert wird?

  • Snot Mc Booger am 05.01.2016 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Westen nichts neues.

    Na und, wir liefern doch sicher trotzdem nich Waffen dahin, brauchen ja das Geld um unsere Wirtschaft anzukurbeln.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Snot Mc Booger am 05.01.2016 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohl nicht 

    Na wie wärs damit, die WAffenlieferungen an dieses Land zu stoppen, solange diese Art der Bestrafung noch praktiziert wird?

  • Snot Mc Booger am 05.01.2016 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Westen nichts neues.

    Na und, wir liefern doch sicher trotzdem nich Waffen dahin, brauchen ja das Geld um unsere Wirtschaft anzukurbeln.

  • Andy y am 05.01.2016 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und die Schweiz

    liefert munter Waffen an diesen Staat

  • Murphys Law am 05.01.2016 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Hoffnung

    Jede noch so kleine Aktion oder Reaktion kann diese Region zum explodieren bringen. Unsere Welt geht den Bach runter. Nicht wegen dem Öl oder Geld, sondern dem Glauben.