«Behandelt uns wie Erwachsene»

28. September 2016 07:49; Akt: 28.09.2016 11:37 Print

Saudische Frauen wehren sich gegen Unterdrückung

Ohne ihren Ehemann dürfen saudische Frauen kaum etwas entscheiden. Über eine Online-Petition und im Netz wollen Tausende jetzt den König wachrütteln.

Mit diesem Video machte Human Rights Watch im Juli auf seine Kampagne gegen das Vormundschaftssystem in Saudi-Arabien aufmerksam. (Quelle: HumanRightsWatch via Storyful)
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In Saudi-Arabien werden Frauen massiv benachteiligt: Sie benötigen das Einverständnis ihres Ehemannes oder Vaters, um ins Ausland zu reisen, um zu arbeiten und um zu studieren. Witwen müssen gar ihren Sohn oder Bruder um Erlaubnis fragen. Ausserhalb des Hauses dürfen Frauen keinen persönlichen Kontakt zu nicht verwandten Männern haben. Autofahren ist ihnen ohnehin verboten, und selbst beim Mieten einer Wohnung, bei der Beantragung eines Passes oder als Patientin im Spital benötigen sie oft die Erlaubnis eines Mannes.

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Dagegen regt sich jetzt Widerstand: Mehr als 14'000 Frauen und auch Männer haben gemäss BBC eine Petition unterschrieben, in der sie fordern, dass das System der männlichen Vormundschaft abgeschafft wird. Am Sonntag fluteten saudische Frauenrechtsaktivisten die sozialen Medien mit Anleitungen, mit welchen Forderungen sich Frauen schriftlich an König Salman wenden sollten. Über 2500 Telegramme sollen daraufhin im königlichen Büro eingegangen sein.

#IAmMyOwnGuardian

Die Aktivistin Aziza al-Yousef wollte die Petition am Montag beim königlichen Gericht in Riad einreichen, doch sie wurde abgewiesen mit der Begründung, sie solle die Unterschriften per Post schicken, wie CNN berichtet.

Die Kampagne nahm im Juli an Fahrt auf, nachdem ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch darauf hingewiesen hatte, dass die männliche Vormundschaft über Frauen das Haupthindernis bei der Durchsetzung von Frauenrechten im Land ist. Mehr als zwei Monate lang hatten saudische Frauen daraufhin in sozialen Medien ein Ende der Bevormundung gefordert.

Unter Hashtags wie #IAmMyOwnGuardian oder #stopenslavingsaudiwomen twitterten zahlreiche Saudi-Araberinnen Kommentare, Kunstwerke und Videos, um gegen die veralteten Regeln zu protestieren. Ein Hauptanliegen der Frauen ist es laut der Aktivistin al-Yousef, Frauen ab einem Alter zwischen 18 und 21 Jahren das Recht zuzugestehen, «wie eine Erwachsene behandelt» zu werden.





«Verbrechen gegen die saudische Gesellschaft»

«Die Frauen hier sind gefangen», zitiert CNN eine saudische Bürgerin, die anonym bleiben möchte. «Alles hängt von deinem Vormund ab. Wenn er in Ordnung ist, wenn er ein guter Mann ist, lässt er dich arbeiten oder studieren, was ein Grundrecht ist. Wenn er das nicht ist, wird er dich davon abhalten.»

Die höchste religiöse Autorität im Land, der Grossmufti, bezeichnete die Kampagne als «Verbrechen gegen die saudische und muslimische Gesellschaft». Auch andere saudische Frauen sprachen sich unter dem Hashtag #TheGuardianshipIsForHerNotAgainstHer auf Twitter gegen eine Lockerung der Gesetze aus.

Das Problem: Reaktionäre Kleriker

Bereits vor fünf Jahren hatten sich al-Yousef und ihre Mitstreiterinnen für die Gleichberechtigung von Frauen starkgemacht. Damals habe sie keine Antwort von der Regierung erhalten, berichtet sie der BBC. «Aber wir haben immer Hoffnung – ohne Hoffnung kann man nicht arbeiten.» Bisher hat es noch keine offizielle Reaktion auf die Petition gegeben.


Zwar kündigte die saudische Regierung schon 2009 und 2013 an, das Vormundschaftssystem abzuschaffen. Es wurden auch einige Reformen umgesetzt – Frauen dürfen wählen und haben einfacheren Zugang zum Arbeitsmarkt. Vor der Gewährung grundlegender Rechte schreckte die Politik aber bislang zurück.

Wie der «Guardian» schreibt, sind viele Mitglieder der Königsfamilie weiteren Reformen nicht abgeneigt. Das Problem seien vielmehr die ranghohen Geistlichen, die mögliche Veränderungen blockierten.

(mlr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • turbo am 28.09.2016 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    "Religionsfreiheit"

    Und dann kommen die Leute in der CH mit blödsinnigen Aussagen wie "lasst ihnen doch die Burka, die Frauen dürfen tun, was sie wollen". Ja klar, unterstützt das ruhig, die haben bestimmt selbst entschieden sich täglich von Kopf bis Fuss einzuwickeln...

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  • peter eisenring am 28.09.2016 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    änderung kommt vom bewusst werden

    meine hochachtung und gratulation diesen mutigen frauen. nur sie können werden den stein ins rollen bringen.

  • Maya Künzle am 28.09.2016 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer für das Burkatragen

    Es gibt auch in der Schweiz Politiker die für die Unterdrückung saudischer Frauen stimmen, indem sie sich für das Burka-tragen einsetzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Scorpione am 28.09.2016 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelalter

    Die Araber können noch so viel Geld haben, trotzdem stecken sie in tiefsten Mittelalter fest.

  • Aufhundert am 28.09.2016 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterdrückung

    Und das im 21.Jahrhundert. Es ist eine Frechheit wie die Muftis über Saudische Frauen bestimmen. Aber eben andere Länder andere Sitten.

  • Traurig am 28.09.2016 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel glück

    wurde mal zeit. ich dachte es wird sich niemand irgendwann mal wehren. ich hoffe die Frauen könne sic durchsetzen und selber entscheiden ob sie ein burla tragen wollen oder nicht.och hoffe auch in der CH wird burla fix verboten.

    • Cartman1993 am 29.09.2016 02:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Traurig

      Verstehe ich jetzt nicht so ganz. Sie wollen dass Frauen in Saudi Arabien selbst entscheiden können und dieses Recht für unser Land einschränken? Macht aus meiner Sicht nicht so viel sinn, auch wenn das Burkaverbot nicht per se was schlechtes darstellt, aber dann bitte auch für Fasnächtler, Fans, etc.

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  • Waterpolo1s am 28.09.2016 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee aber ...

    Gute Idee aber leider hoffnungslos :-(((

  • K. omi am 28.09.2016 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    In der Schweiz verlangen wir das Ausländer sich anpassen aber in der Umfrage sagen die meisten sie wollen sich im Ausland verhalten wie sie möchten.. Entscheidet euch mal.