19. April 2005 08:33; Akt: 19.04.2005 08:33 Print

Scharon verschiebt Gaza-Abzug

Israels Regierungschef Ariel Scharon hat den Beginn des umstrittenen Abzugs aus dem Gazastreifen um drei Wochen verschoben.

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Er akzeptierte damit einen Antrag der für die Umsiedlung zuständigen israelischen Behörde.

Es müsse alles getan werden, um die Räumung der jüdischen Siedlungen zu erleichtern, sagte Scharon am Montag vor Journalisten mit Blick auf mögliche Unruhen. Dem jüdischen Volk stünden «schwere Tage» bevor.

Die Behörde hatte für ihren Antrag religiöse Gründe angeführt. Der bisher geplante Beginn des Abzugs am 20. Juli falle in die Zeit eines religiösen Festes, mit dem der Zerstörung der beiden biblischen Tempel gedacht wird. Nach der jüdischen Tradition soll während dieser Zeit niemand umziehen.

Deshalb setzte Scharon nun für den Umzug einen Termin drei Wochen nach dem Fest an. Bisher hatte der Regierungschef eine Verschiebung, die auch Vertreter von Armee und Polizei empfohlen hatten, abgelehnt. Er hatte die Behörden in ihren Vorbereitungen mehrfach zur Eile angetrieben.

Zeit gewinnen

Für die Verschiebung könnte Scharon nun aber auch noch andere Gründe gehabt haben. Aus politischen Kreisen war am Nachmittag verlautet, die Regierung wolle sich mehr Zeit für die Umsiedlung der rund 9000 Siedler verschaffen.

Die Vorbereitungen seien ins Stocken geraten. Zudem müssten für den Fall gewaltsamer Proteste gegen den Abzug mehr Sicherheitskräfte geschult werden.

Ein Vertrauter Scharons erklärte, der Ministerpräsident könnte dem Aufschub zustimmen, wenn die jüdischen Siedler ihm einen gewaltfreien Abzug aus dem Gazastreifen zusicherten. Scharons Plan sieht den Abzug aus allen jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und aus 4 der 120 Siedlungen im Westjordanland vor.

Mehrheit für Umsiedlung

Umfragen haben gezeigt, dass rund 70 Prozent der israelischen Bevölkerung die Räumung befürworten. Die jüdischen Siedler betrachten es jedoch als ihr biblischen Recht, in den Palästinenser-Gebieten zu leben.

(sda)