Präsidentenpaar

25. März 2011 14:32; Akt: 25.03.2011 14:49 Print

Scheidung auf Guatemaltekisch

Der Präsident von Guatemala, Álvaro Colom, will sich scheiden lassen. Der Grund ist nicht erloschene Liebe: Colom will seine Frau zur Nachfolgerin machen.

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Das Präsidentenpaar bei Álvaro Coloms Vereidigung am 14. Januar 2008. (Bild: Reuters/Daniel Leclair)

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First Lady Sandra Torres de Colom hatte vor zwei Wochen angekündigt, sich um die Nachfolge ihres Mannes bewerben zu wollen. Die guatemaltekische Verfassung untersagt es Familienangehörigen des Amtsinhabers allerdings, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Álvaro Colom sprach am Donnerstag im Radio von einer schwierigen Entscheidung zugunsten des «Menschenrechts zu wählen und gewählt zu werden».

Seine Noch-Ehefrau kämpfte an einer Medienkonferenz mit den Tränen und flüchtete sich gleichzeitig ins Pathos: «Ich lasse mich von meinem Mann scheiden, aber ich heirate das Volk.» Sie sei nicht die erste und auch nicht die letzte Frau, die sich scheiden lasse, aber sie sei die einzige, die es für ihr Land tue, meinte Sandra Torres. Sie ist die dritte Ehefrau des Präsidenten, die beiden sind seit acht Jahren verheiratet.

Opposition spricht von Wahlbetrug

Die First Lady spielt in der Regierung ihres Mannes eine wichtige Rolle, sie beaufsichtigt das Programm zur Armutsbekämpfung im mittelamerikanischen Land. Kritiker beschuldigen sie laut BBC, hinter den Kulissen noch grösseren Einfluss auf Álvaro Colom auszuüben. Die Präsidentenwahlen in Guatemala sind im September dieses Jahres geplant.

Der wichtigste Kandidat der Opposition, der ehemalige General Otto Perez Molina, bezeichnete die Scheidung als Wahlbetrug. Tatsächlich ist es unklar, ob das Verbot in der Verfassung sich auch auf Ex-Ehepartner von Amtsinhabern bezieht. Das letzte Wort zur Kandidatur von Sandra Torres dürfte deshalb das Verfassungsgericht sprechen.

(pbl/sda)