Scotland Yard

09. April 2009 14:31; Akt: 09.04.2009 15:10 Print

Schlamperei zwingt Anti-Terrorchef zu Rücktritt

Einen Tag nach einer peinlichen Sicherheitspanne ist der Anti-Terrorchef von Scotland Yard am Donnerstag zurückgetreten. Er hatte ein geheimes Dokument gut lesbar mit sich herumgetragen.

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Die Polizei nimmt einen Terrorverdächtigen in Liverpool fest, 8. April 2009. (Bild: Keystone)

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Bob Quick war am Mittwoch vor einem Besuch bei Premierminister Gordon Brown in der Downing Street mit einem vertraulichen Dossier fotografiert worden, auf dem Details einer laufenden Geheimoperation zu sehen waren.

Bei Razzien in Nordwestengland wurden anschliessend zwölf Männer festgenommen. Die Aktion wurde wegen der Panne vorzeitig eingeleitet. In Manchester, Liverpool und Umgebung seien mehrere Wohnungen durchsucht worden, erklärte die Polizei des Grossraums Manchester. Über den Hintergrund des Einsatzes, an dem mehrere hundert Beamte beteiligt waren, wurde nichts mitgeteilt. Unter den Festgenommenen sei ein Jugendlicher, das Alter der anderen reiche bis 41. Innenministerin Jacqui Smith bezeichnete die Aktion als erfolgreich.

Nach unbestätigten Medienangaben hatten die festgenommenen Männer möglicherweise einen Nachtclub und ein Einkaufszentrum in Manchester als Anschlagsziel im Auge, auch wenn die Tat wohl nicht unmittelbar bevorstand. Zehn der Männer sollen in Pakistan geboren sein und über Studenten-Visa verfügen. Die Polizei fasste die Männer an insgesamt zehn verschiedenen Orten, unter anderem vor der Liverpooler Universität und einem Internet-Café in Manchester.

Schwerer Fehler

In einer von der Londoner Polizei veröffentlichten Erklärung Quicks hiess es, er sei sich bewusst, dass sein Handeln eine wichtige Antiterroraktion hätte gefährden können. Deshalb habe er seinen Rücktritt eingereicht. Er sei dankbar, dass seine Kollegen schnell reagiert hätten. Der Chef der Londoner Polizei, Paul Stephenson, erklärte, Quick habe eingesehen, dass er einen schweren Fehler gemacht habe. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson sagte, er habe den Rücktritt Quicks angenommen. Neuer Anti-Terrorchef werde Stephensons Stellvertreter John Yates.

Zwar hatte das Verteidigungsministerium kurzfristig noch versucht, britische Medien von der Veröffentlichung des Fotos von Quick abzuhalten. Weil es aber vielen Zeitungen vorlag und auch im Ausland verbreitet wurde, entschlossen sich die Ermittler wohl zu dem ungewöhnlichen Zugriff bei Tageslicht.

Die Regierung in London stuft die terroristische Bedrohung zurzeit als «ernst» ein. Das ist die zweithöchste von fünf Alarmstufen.

(pbl/ap/sda)